07.09.12

Tarifkonflikt

Flugbegleiter zwingen Lufthansa mit Streik in die Knie

Lufthansa ist eingeknickt. Die Kranich-Airline will keine Leiharbeiter mehr in Berlin beschäftigen und stimmt einer Schlichtung zu.

Foto: REUTERS
Members of German air carrier Lufthansa cabin crew union "UFO"  take part in a demonstration during a strike outside a Lufthansa office building at the Fraport airport in Frankfurt
24 Stunden lang legten die Flugbegleiter die Arbeit nieder und zwangen die Lufthansa so zum Einlenken

Die Lufthansa und ihre Passagiere können aufatmen. Von Sonnabend an wird es vorerst keine weiteren Streiks der Flugbegleiter geben. Deren Gewerkschaft Ufo einigte sich mit der Airline darauf, den Tarifkonflikt in einer Schlichtung zu lösen. Das teilten beide Seiten übereinstimmend in Frankfurt mit. Bis kommenden Mittwoch sollen beide Seiten ein Schlichtungsabkommen unterzeichnen. Über weitere Streitpunkte soll in Gesprächen parallel zur Schlichtung verhandelt werden, erklärte Lufthansa. Damit gilt ab Sonnabend die Friedenspflicht; Streiks sind verboten.

Stunden zuvor war das Unternehmen bei einer Kernforderung der Streikenden eingeknickt. Es teilte mit, es wolle auf den umstrittenen Einsatz von Leiharbeitern als Flugbegleiter in Berlin verzichten. "Lufthansa verzichtet einseitig, auf absehbare Zeit und ohne weitere Vorbedingungen auf den Einsatz von externen Kabinencrews in Berlin", erklärte Vorstandschef Christoph Franz in Frankfurt am Main. "Damit gehen wir einen großen Schritt auf unseren Tarifpartner zu."

Die bei Lufthansa eingesetzten Flugbegleiter der Leiharbeitsfirma Aviation Power sollen überdies im kommenden Jahr ein Angebot zur Festanstellung bei der Lufthansa-Gruppe erhalten. Der Einsatz von Leiharbeitern in der Bundeshauptstadt galt bisher als einer der Haupt-Streitpunkte in der Tarifauseinandersetzung. Der Verzicht sei ein sehr "kluger Schritt", sagte Ufo-Sprecher Alexander Behrens. Die Gewerkschaft verlangt überdies fünf Prozent mehr Lohn für eine Laufzeit von 15 Monaten. Die Unternehmerseite bietet 3,5 Prozent mehr Geld, will aber gleichzeitig die monatlichen Arbeitszeiten um zwei Stunden erhöhen und die Gehaltsstrukturen ändern.

Chaos in Berlin-Tegel verhindert

Am Freitag hatte der Streik der rund 18.000 Stewards und Stewardessen seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nach zwei regionalen Streikwellen hatte Ufo zu einem 24-stündigen bundesweiten Ausstand aufgerufen. Die Lufthansa hatte nach der Ankündigung bereits am Mittwoch rund 1000 ihrer 1800 Flüge für Freitag gestrichen. Selbst die Pilotenstreiks aus den Jahren 2001 und 2010 hatten nicht eine derart durchschlagende Wirkung. Dabei war der Ausstand bei weitem nicht so erfolgreich, wie der erste, bei dem es am Frankfurter Flughafen ein Chaos gegeben hatte.

So hatte Lufthansa mit Kurznachrichten und E-Mails an die Passagiere den Notstand in Berlin-Tegel verhindert. Laut Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber fiel die Hälfte der 80 geplanten Flüge in Tegel aus. Lufthansa setzte für die Europa-Flüge dabei mehr als 200 Leiharbeiter ein, die nicht der Gewerkschaft angehören und auch nicht streiken. Die Passagiere seien aber rechtzeitig von dem Streik benachrichtigt worden. "Das sind die Leiharbeiter, um die gestritten wird", sagte Weber zum Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft. "Ihnen ist zu verdanken, dass praktisch unser ganzes Europaflugnetz heute geflogen werden kann."

Auch Ansturm auf die Bahn blieb aus

Auch der befürchtete Ansturm auf die Deutsche Bahn blieb aus. "Wir haben ein leicht erhöhtes Reisendenaufkommen und zusätzliches Personal im Einsatz", sagte ein Bahn-Sprecher.

Trotz der Informationen der Lufthansa waren nicht alle Passagiere auf den Streik vorbereitet. "Ich weiß nicht, warum die Leute streiken", sagte Monika Smith aus Phoenix in den USA. Sie war mit einem Bus aus Polen angereist und stand vor dem Serviceschalter der Lufthansa. "Ich nehme an, für den Streik gibt es einen Grund, aber ich will einfach nur nach Hause." Doris Brückner aus Nürnberg wollte sich bei Lufthansa informieren, ob ihr Flug am Wochenende nach München gestrichen wird. Verständnis für den Streik zeigte sie indes nicht. "Prinzipiell finde ich den Streik überzogen. Es sollte jeder froh sein, dass er einen Job hat."

Quelle: dpa/AFP/alu
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