04.09.12

Jürgen Fitschen

Deutsche-Bank-Chef erwartet Bankensterben

Düstere Prognose von Jürgen Fitschen: Der Deutsche-Bank-Co-Chef glaubt, dass zahlreiche Geldhäuser die kommenden drei oder vier Jahren nicht überleben werden. "Schöne Broschüren" würden nicht reichen.

Foto: dapd

Jürgen Fitschen: Er hält wenig von schönen Broschüren
Jürgen Fitschen: Er hält wenig von schönen Broschüren

Der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, sieht die Finanzbranche vor gravierenden Veränderungen. "Es darf keinen Aufschrei geben, wenn einige Institute aus dem Markt ausscheiden werden", sagte Fitschen auf einer Fachtagung in Frankfurt.

Er sei überzeugt davon, dass die gestiegenen Kapitalkosten und der anhaltende Druck auf die Margen einzelne Geldhäuser vor große Probleme stellen.

Die Branche werde in drei, vier Jahren anders aussehen. "Es gibt keine dramatischen Wachstumsmöglichkeiten mehr", sagte er. Jedes Institut müsse deshalb bereit sein, die eigenen Strukturen grundsätzlich zu verändern. Dies gelte auch für die Deutsche Bank.

"Es geht darum zu beweisen, dass wir weiter sportlich unterwegs sein können, aber gleichzeitig andere Ziele besser im Auge behalten, als dies früher der Fall war", sagte Fitschen auf einer "Handelsblatt"-Tagung.

Der tägliche Umgang mit den Kunden soll sich ändern

Der Industrie müsse es gelingen, das Vertrauen der Öffentlichkeit wiederzugewinnen. "Schöne Broschüren werden uns nicht einen Millimeter weiterbringen." Vielmehr müsse sich der tägliche Umgang mit den Kunden ändern. "Wir sind einsichtig, wir haben Konsequenzen gezogen, und wir werden noch mehr Konsequenzen ziehen."

Fitschen wehrte sich allerdings dagegen, die Banken für alles verantwortlich zu machen. "Wir springen zu kurz, wenn wir sagen, die Banken sind schuld." Das Handeln vieler Institute, auch die Auswüchse, seien letztlich ein Reflex auf das gewesen, was in der gesamten Gesellschaft verbreitet war. Fitschen forderte mehr Sachlichkeit in der öffentlichen Diskussion.

Fitschen will neue Strategie vorstellen

Als Beispiel nannte er die viel gescholtenen Derivate und andere Absicherungsprodukte, die für Unternehmen im globalen Wettbewerb Sinn machen können. "Jeden Tag benutzen unsere Kunden das, auf das immer wieder eingeprügelt wird."

In der kommenden Woche will Fitschen gemeinsam mit Anshu Jain, seinem Partner an der Konzernspitze, Details zur künftigen Strategie veröffentlichen. Bislang ist lediglich bekannt, dass die beiden an die Bonustöpfe der Mitarbeiter herangehen und sich einem grundsätzlichen "Kulturwandel", wie sie es nennen, verschreiben wollen.

Das bisherige Renditeziel ist unrealistisch

Kommende Woche wird auch mit einer Aussage zur angestrebten Rendite gerechnet. Vorerst bekräftigte Fitschen lediglich, dass das einst ausgegebene Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent auf absehbare Zeit nicht mehr zu erreichen sei. Es gebe dagegen viele Experten, die eine Vorsteuerrendite von 14 bis 15 Prozent für realistisch hielten.

Bei aller Diskussion über eine angemessene Kenngröße dürfe nicht vergessen werden, dass eine Eigenkapitalrendite kein Gut an sich sei, sondern zu Recht von Investoren eingefordert werde. "Wenn der Markt sagt, das ist nicht gut genug, dann haben die Banken ein kleines Problem – wo soll dann das Kapital herkommen?", so Fitschen.

Neugestaltung der Bankenaufsicht

Zuletzt hatte der neue Chef der britischen Bank Barclays, Antony Jenkins, das Renditeziel seines Vorgängers für unrealistisch erklärt. Er habe sich zum Ziel gesetzt, die Rendite auf das Eigenkapital über den Kosten für selbiges zu halten. Das seien zwischen elf und 11,5 Prozent. HypoVereinsbank-Chef Theodor Weimer sieht die Rendite einer Universalbank bei zehn bis zwölf Prozent.

Mit Blick auf die Euro-Krise und die angestrebte Bankenregulierung sprach sich Fitschen für eine mutige Neugestaltung der Aufsicht aus. Wer Europa als einheitlichen Marktplatz wolle, der dürfe sich nicht auf den "geringstmöglichen Nenner" bei der künftigen Bankenregulierung einigen, sagte er.

Sparkassen gegen zentrale Kontrolle

Es sei richtig, alle europäischen Geldhäuser und nicht nur die großen, systemrelevanten Institute aus einer Hand überwachen zu lassen. Wenn Deutschland hier bremse, würden andere Länder dazu verleitet, ebenfalls auszuscheren.

Die Deutsche Bank grenzt sich damit klar gegen das Sparkassenlager ab. Dessen Präsident Georg Fahrenschon wehrte sich: "Mir hat noch niemand erklären können, weshalb es die Bewahrung der Systemstabilität in Europa notwendig macht, dass sich statt der Bundesbank und der BaFin die EZB mit der Sparkasse Westmünsterland oder der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold beschäftigt", sagte Fahrenschon auf der selben Veranstaltung.

Geht es nach der EU-Kommission wird die Europäische Zentralbank (EZB) bereits ab dem 1. Januar 2013 mehr als 6000 Banken in den Euro-Ländern zentral kontrollieren.

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