03.09.12

Außenhandel

Exportrückgang trifft Industrie mit voller Wucht

Die Euro-Zone droht in den kommenden Monaten in einer hartnäckigen Rezession zu verharren. Wegen der ausbleibenden Aufträge hat die Industrie zum fünften Mal in Folge Arbeitsplätze gestrichen.

Foto: Infografik Die Welt

Verteilung des deutschen Außenhandels
Verteilung des deutschen Außenhandels

Die Schuldenkrise in Europa und die schwächere globale Konjunktur haben die deutsche Industrie im August mit voller Wucht getroffen. Im vergangenen Monat fielen die Aufträge so stark wie seit April 2009 nicht mehr. Das ist das Ergebnis der August-Umfrage des britischen Forschungsinstituts Markit unter 500 Industrieunternehmen hierzulande.

Besonders hohe Verluste verzeichneten die Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen, Anlagen oder Nutzfahrzeugen. Auch Firmen, die ihren Kunden Vorleistungsgüter wie Chemikalien verkaufen, klagen über schlechtere Geschäfte.

Die Entwicklung trifft damit gerade die Branchen, die in den vergangenen Jahren dank der großen Nachfrage aus den rasant wachsenden Schwellenländern hervorragende Geschäfte gemacht haben. Jetzt aber leiden die Produzenten darunter, dass ihre Kunden weltweit weniger investieren. Die Sorge um den Fortbestand der Währungsunion lähmt die Firmen – ganz besonders in den betroffenen Ländern der Euro-Zone.

Aufträge aus Schuldenstaaten brechen weg

Es verwundert deshalb nicht, dass im August besonders aus dem rezessionsgeplagten Südeuropa weniger Bestellungen für hierzulande Produziertes kamen. Bereits im ersten Halbjahr waren die Lieferungen nach Portugal um 14,3 Prozent eingebrochen; auch die Geschäfte mit Spanien und Griechenland gingen jeweils um mehr als neun Prozent zurück. Am Freitag wird das Statistische Bundesamt die Exportzahlen für Juli veröffentlichen. Die Zahlen dürften die negative Tendenz bestätigen, prognostizieren Volkswirte.

Angesichts der schlechten Auftragslage haben die hiesigen Unternehmen im August im fünften Monat die Produktion heruntergefahren. Auch für die kommenden Monate ist Tim Moore, Ökonom bei Markit, eher skeptisch: "Der deutschen Industrie steht im dritten Quartal 2012 das schlechteste Quartal seit über drei Jahren bevor", warnt der Konjunkturexperte.

Zwar hat sich der Einkaufsmanager-Index, den das Unternehmen erhebt und der die Stimmung in den Firmen misst, im August zum ersten Mal seit Jahren wieder erholt und ist auf 44,7 Indexpunkte gestiegen. Aber von der Marke 50, die Wachstum signalisiert, ist er noch weit entfernt.

Auch der Ifo-Index, der ebenfalls die Stimmung in den Unternehmen misst und als verlässlichster Frühindikator hierzulande gilt, sank in der vergangenen Woche zum vierten Mal in Folge. "Deutschland steht vor einer deutlichen Wachstumsverlangsamung", sagt denn auch Carsten Brzeski, Leitender Volkswirt bei der niederländischen Bank ING. "Möglicherweise werden wir in den kommenden Monaten auch gar kein Wachstum sehen."

Erste Stellenstreichungen

Die Arbeitnehmer spüren bereits die schlechte Lage der Firmen: Wegen des Auftragsmangels haben die Industrieunternehmen laut der Markit-Umfrage im August zum fünften Mal in Folge Stellen gestrichen. Mehrere große Unternehmen haben bereits Kurzarbeit angemeldet.

In der übrigen Euro-Zone sieht es noch schlechter aus. Auch hier verschlechterte sich die Situation in den Unternehmen weiter, wenngleich sich die Abschwächung gegenüber dem Juli verlangsamt hat.

Der Ausblick ist allerdings weiterhin sehr schwach. "Die Daten weisen deutlich darauf hin, dass die Euro-Zone auch im dritten Quartal schrumpfen wird, nachdem sie im zweiten Quartal bereits um 0,2 Prozent geschrumpft ist", sagt Howard Archer, europäischer Chefvolkswirt des privaten Forschungsinstituts IHS.

Die schrumpfende Produktion erfasste im August die gesamte Euro-Zone, lediglich die irische Industrie, die beispielsweise Computerchips und Medikamente herstellt, konnte ihre Produktion ausweiten. In den Volkswirtschaften der gesamten südlichen Peripherie der Euro-Zone schrumpfte die Industrieproduktion weiter.

Verantwortlich dafür sind vor allem die volkswirtschaftlichen Effekte der Euro-Krise. Die Nachfrage aus dem Inland bleibt vor allem in den Mittelmeerländern schwach: Die privaten Haushalte leiden unter der hohen und teilweise weiter steigenden Arbeitslosigkeit, die Regierungen haben Ausgaben gestrichen, und die Unternehmen aus dem In- und Ausland warten wegen der Sorgen um den Fortbestand der Währungsunion mit Investitionen ab.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Eurovision Song Contest - Grand Final
18.05.13Live-Ticker
Emmelie aus Dänemark gewinnt Song Contest 2013

Deutschland rechnete sich gute Chancen aus, landet aber nur auf dem 21. Platz. Emmelie de Forest gewinnt mit ihrem Song "Only Teardrops". Damit findet der nächste ESC in Kopenhagen statt. mehr...

Die Norwegerin Margaret Berger gilt als Favorit
17.05.13ESC 2013
Eurovision Song Contest - Stimmen Sie für Ihren Favoriten

Am Sonnabend tritt Cascada mit ihrem Dance-Song "Glorious" für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Malmö an. Bei den Buchmachern stehen aber Dänemark und Norwegen ganz vorn. mehr...


Madleen Borngräber leidet an einer seltenen Krankheit
18.05.13Krebs-Gen wie Angelina Jolie
Warum sich eine Berliner Studentin die Brüste amputieren ließ

Madleen Borngräber (25) trägt das Krebs-Gen in sich. Deshalb ließ sie sich vorsorglich die Brüste entfernen. Genau wie Schauspielerin Angelina Jolie, die vor kurzem damit an die Öffentlichkeit ging. mehr...


Tod im Badeparadies: Ein 15-Jähriger starb in „Tropical Island“
18.05.13Badeunfall
15-Jähriger stirbt beim Baden im Freizeitparadies "Tropical Islands"

Im Freizeitbad "Tropical Islands" ist ein Jugendlicher leblos im Wasser gefunden worden. Der Junge wurde noch in eine Klinik gebracht. Doch alle Versuche, ihn wiederzubeleben, scheiterten. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote