Europas Sorgen
Schreckgespenst der Arbeitslosigkeit kehrt zurück
Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist in der Krise die größte Sorge in ganz Europa geworden. Dies ist ein Ergebnis der Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung. Dabei wurden 12.500 Bürger nach den aus ihrer Sicht drängendsten Problemen gefragt. Die Bundesbürger zeigten sich noch vergleichsweise optimistisch.
Von Martin Greive
Die Wirtschaftskrise lässt die Ängste der Deutschen stark ansteigen. Besonders sorgen sie sich um ihren Arbeitsplatz und die wirtschaftliche Stabilität. Das zeigt die aktuelle Studie "Challenges in Europe", dass das Marktforschungsunternehmen GfK veröffentlichte. Die GfK befragte europaweit 12.500 Bürger nach den aus ihrer Sicht drängendsten Problemen.
Das Fazit für Deutschland: "Die Stimmung ist nicht gut, aber die Sorgen wachsen hierzulande weniger schnell als in anderen Ländern", sagt GfK-Chef Klaus Wübbenhorst. Auf Platz eins und damit die größte Sorge der Bundesbürger ist die Arbeitslosigkeit. Für 57 Prozent der Deutschen ist sie das größte Problem. Die Furcht vor einem Jobverlust stieg aber im Vergleich zum Vorjahr nur gering an – im Gegensatz zur Sorge um die wirtschaftliche Stabilität: Sie legte innerhalb eines Jahres von 7 auf 36 Prozent zu. "Dieser Anstieg ist schon eine Hausnummer", sagt Wübbenhorst.
"Jetzt haben wir mit Zahlen das bestätigt bekommen, was als Gefühl schon in der Luft lag." Die Angst vor einer haltenden Wirtschaftsflaute ist damit sehr hoch. Dass die Sorge nur um Arbeitsplätze in Deutschland nur gering anstieg, führt Wübbenhorst auf die Kurzarbeit und die damit noch relativ guten Arbeitslosenzahlen zurück. Wenn die aber wie prognostiziert im Laufe des Jahres steigen werden, erwartet der GfK-Chef hier einen Anstieg der Angst wie in an deren Ländern. So sind die Spanier mit 67 Prozent am meisten über die Situation auf dem Arbeitmarkt besorgt und sind damit an Deutschland vorbeigezogen , das eigentlich in dieser Kategorie europaweit immer vorn liegt.
"Die Angst vor der Arbeitslosigkeit in Deutschland ist seit ihrer erstmaligen Erhebung 1990 immer das Topthema", sagt Wübbenhorst. Aber nun kehrt im Zuge der Krise die Angst vor Arbeitslosigkeit auch in ganz Europa zurück und belegt im gesamteuropäischen Ranking die Spitzenposition. Auf Platz drei der dringendsten Probleme in Deutschland liegt die Bildungspolitik. In keinem anderen europäischen Land machen sich damit so viele Menschen Sorgen um die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen wie hierzulande.
Hier wirkt der Pisa-Schock nach: Die Bildungs-Vergleichsstudie hatte dem Land der Dichter und Denker gezeigt, dass sein Schulsystem allenfalls durchschnittlich ist. Auf Platz vier der Sorgen-Rangliste der Deutschen liegt die Preis- und Kaufkraftentwicklung. Um sie machen sich die Deutschen aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Gedanken – nur noch 13 statt zuvor 37 Prozent sehen dies als ein großes Problem an. Der Grund: Vor einem Jahr lagen die Rohstoff- und Verbraucherpreise auf einem hohem Niveau. "Die Menschen haben durch Lohnerhöhungen und die Konjunkturpakete zurzeit etwas mehr Geld in der Tasche, zudem sind die Rohstoffpreise deutlich gefallen", erklärt Wübbenhorst die zurückgehenden Ängste in diesem Bereich.
Auch stiegen die Verbraucherpreise kaum noch an. "Dass dieses Problem für viele Menschen nicht mehr so akut ist, kann als Zeichen gewertet werden, dass der Konsum zumindest vorerst stabil bleiben wird", sagt Wübbenhorst. An Brisanz eingebüßt hat auch das Thema Altersvorsorge. Nach den Rentenanstiegen spielt dieses Thema eine geringere Rolle. Die Sorgen um solide Staatsfinanzen sind zwar deutlich gestiegen, aber insgesamt gaben nur neun Prozent der befragten Bürger dies als ein wichtiges Problem an: "Das Thema ist relativ abstrakt", sagt Wübbenhorst. "Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz ist viel persönlicher und spielt deshalb eine größere Rolle."
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