27.08.12

Soziales Engagement

Betreiberin der Rixdorfer Schmiede ausgezeichnet

Handwerkskammer und IHK verleihen der Berlinerin Gabriele Sawitzki die Franz-von-Mendelssohn-Medaille – für ihren sozialen Einsatz.

Foto: Massimo Rodari
Massimo Rodari
Gabriele Sawitzki mit der frisch verliehenen Franz-von-Mendelssohn-Medaille. Die Diplomingenieurin betreibt die Rixdorfer Schmiede in Berlin-Neukölln

Ihre Arbeitsstätte steht unter Denkmalschutz, ist bei der Langen Nacht der Museen dabei und beim Girls Day, bei dem Mädchen vermeintlich klassische Berufe kennenlernen können. Sie selbst ist zupackend, lässt sich nicht so schnell unterkriegen und sieht in Kultur und Handwerk keinen Widerspruch, eher ein eng verbundenes Paar. Und in ihrem Kiez ist sie so etwas wie das Kraftzentrum: Gabriele Sawitzki, Hüterin des Feuers in der Rixdorfer Schmiede.

Für ihr langjähriges soziales Engagement haben sie IHK und Handwerkskammer Berlin am Montag mit der Franz-von-Mendelssohn-Medaille ausgezeichnet. Der erste Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Die Diplom-Ingenieurin hat das Gebäude am Richardplatz 2004 übernommen und es geöffnet: für Ausstellungen, Konzerte, Nachbarschaftstreffen. Auch Eltern treffen sich statt in der Schule gern in der Schmiede. Sonntags kommen Auszubildende, befreundete Schmiede, Nachbarn und Flaneure vorbei – zum Schauen und für ein Schwätzchen am Feuer.

Eingebunden sind auch Freunde und Anwohner, die Gabriele Sawitzki für die vielfältigen Projekte begeistern kann. Wie sie es in ihrer Bewerbung formulierte: "Schon immer bin ich interessiert, das Denken jenseits der 37 Wochenstunden-Mentalität im Beruf zu fördern. Und natürlich engagiert sich die Diplomingenieurin auch in der Ausbildung, begeistert Mädchen für gewerblich-technische Berufe, das Arbeiten mit Metall.

49 Betriebe beworben

In diesem Jahr haben sich 49 Betriebe unterschiedlicher Größe für den Preis beworben. Und sie alle engagieren sich für ihren Kiez, für andere Menschen und letztlich auch für Berlin – unentgeltlich. In diesem Jahr waren IHK-Präsident Eric Schweitzer und Handwerkskammer-Präsident Stephan Schwarz vor allem von der Kreativität begeistert, die die Unternehmen an den Tag legen, wenn es um soziales Engagement geht.

Da ist zum Beispiel der Familienbetrieb Trattoria a Muntagnola von Pino Bianco. Seit zehn Jahren unterstützt er die Integrationskita Fuggerstraße in Schöneberg. Immer mittwochs kommen die Kinder zum besonderen Mittagessen in die Trattoria und werden vom kompletten Team umsorgt. Außerdem hat Pino Bianco einen Bildband über Tiere mitherausgegeben, dessen Erlös der Kita zukommt. Der Wirt sammelt Spenden bei einer Karnevalsveranstaltung und verkauft zur Weihnachtszeit Tulpenzwiebeln in Tomatendosen zugunsten der Kita. Dafür gab es den mit 2000 Euro dotierten dritten Preis.

Der zweite Preis ging an die Gasag, eines der großen Berliner Unternehmen, das das Engagement für die Gesellschaft auf Kunst und Kultur konzentriert. So unterstützt der Konzern die Bühnenkunstschule Academy in Kreuzberg, ein Integrationsprojekt, das Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren in Tanz, Theater und Gesang unterrichtet. Dann fördert die Gasag, den Neuköllner Oper Kinder Klub und vergibt einen Kunstpreis. Die 3000 Euro Preisgeld fließen in ein Gemeinschaftsprojekt von Academy und Gripstheater.

Der Konzern folgt einem Ansatz, den auch Monika Grütters, CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, in der Laudatio in der ehemaligen Remise des Bankhauses Mendelssohn in Mitte nennt: Konzentriert Euch auf etwas, seid authentisch. Es gehe nicht ums Geldverteilen nach dem Gießkannenprinzip, auch nicht ums Geldverteilen an sich. Oder gar um reine PR. Und: Gesellschaftliches Engagement zahle sich auch unternehmerisch aus, weil es das Unternehmen in der Gesellschaft stärke.

Gutes tun, nicht darüber reden

Viele Unternehmen tun in Berlin Gutes, reden aber nicht so sehr darüber, weil sie es als selbstverständlich empfinden. Auch deshalb haben Schwarz und Schweitzer den Preis aus ihrem privaten Mitteln gestiftet. Damit das Engagement bekannt wird und andere sich ein Beispiel daran nehmen und Geld und vor allem Zeit aufwenden.

Respekt ist der erste der vier Unternehmenswerte der Wissenschaftliche Gerätebau Dr. Ing. Herbert Knauer GmbH. Respekt, der faire Umgang mit den Menschen zeigt sich im umfangreichen Programm für die 110 Mitarbeiter, speziell der mit Kindern: Es gibt ein Eltern-Kind-Zimmer in der Zehlendorfer Firma, Zuschüsse für die Kinderbetreuung, die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Zudem hat das Unternehmen einen eigenen Entdecker-Klub. Schüler können in einem eigens entwickelten Labor experimentieren und die Grundlagen von Chemie und Physik entdecken – und so vielleicht Hemmschwellen überwinden.

Und wie funktioniert das, wirtschaftlich erfolgreich sein, trotzdem Geld und viel Zeit für soziales Engagement investieren? Offenbar gibt es kein Geheimrezept, aber einen sehr interessanten Antrieb, wie Firmenchefin Alexandra Knauer sagte: "Es macht einfach Spaß, so etwas zu gestalten!"

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