Absatzkrise
Opel schickt ab September Tausende in die Kurzarbeit
Der kriselnde Autobauer Opel führt an zwei Standorten ab September Kurzarbeit ein. Betroffen sind fast 10.000 Mitarbeiter.
Opel drosselt wegen der Absatzkrise ab Anfang September die Produktion und schickt fast zehntausend Mitarbeiter in eine Zwangspause. Geschäftsleitung und Arbeitnehmer einigten sich nach Angaben vom Donnerstag darauf, im Stammwerk in Rüsselsheim und im Komponentenwerk in Kaiserslautern jeweils an 20 Tagen bis zum Jahresende die Arbeit ruhen zu lassen. An beiden Standorten zusammen seien 9300 Mitarbeiter davon betroffen. Die finanzielle Belastung der Arbeitnehmer soll dadurch in Grenzen gehalten werden, dass Opel das staatliche Kurzarbeitergeld aufstockt.
"Der europäische Automobilmarkt bricht drastisch ein. Die sinkende Auslastung kann nicht mehr wie bisher durch den Einsatz von Korridorschichten und Gleitzeitguthaben kompensiert werden," erklärte Personalvorstand Holger Kimmes. Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sagte, die Kurzarbeit sichere Arbeitsplätze.
Die Ankündigung fällt zusammen mit dem 150. Geburtstag des Autobauers, dessen Anfänge auf den 23. August 1862 datiert werden. Damals begann Adam Opel in der väterlichen Werkstatt mit dem Bau von Nähmaschinen. Später baute Opel Fahrräder. Mit dem Automobilbau begann Opel 1899. Opel sieht sich damit nach Daimler-Benz als zweitältesten Autobauer Deutschlands. Zum Feiern ist den Rüsselsheimern jedoch nicht zu Mute. Denn vom Glanz früherer Tage, als Opel in den 1970er Jahren Deutschlands erfolgreichster Autobauer war und mit Modellen wie dem Kadett Volkswagen die Stirn bot, ist längst nichts mehr übrig. Während direkte Konkurrenten wie der Wolfsburger Autobauer vor 20 Jahren höherpreisige Fahrzeuge für sich entdeckt haben und Schwankungen dank der betuchten Kundschaft auffangen können, stehen bei Opel frühere Modelle wie Kapitän, Admiral und Diplomat im Museum.
Ein jahrelanger Zick-Zack-Kurs des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors und die Absatzkrise in Europa haben das Fundament der Firma unterspült, deren Marktanteil seit Jahren sinkt, was den Rüsselsheimern Riesenprobleme mit Überkapazitäten eingebrockt hat. Mehrere Sanierungsversuche hatten nicht den erhofften Erfolg – zuletzt wurden vor zwei Jahren europaweit 8000 Stellen gestrichen und das Werk im belgischen Antwerpen geschlossen. Trotzdem türmte sich der Verluste im Europageschäft in der ersten Jahreshälfte auf weit mehr als eine halbe Milliarde Dollar. In den vergangenen zehn Jahren hat der US-Autokonzern in Europa insgesamt 14 Milliarden Dollar verloren.
Nach mehreren Wechseln an der Unternehmensspitze in den vergangenen Jahren führt seit Mitte Juli der Sanierungsexperte Thomas Sedran das Europa-Geschäft mit den beiden Marken Opel und Vauxhall – allerdings nur vorübergehend, bis ein Nachfolger für den geschassten Karl-Friedrich Stracke gefunden ist.

















