17.08.12

Schifffahrt

Hapag-Lloyd hat jetzt auch einen Riesenfrachter

Die frisch getaufte "Hamburg Express" ist das erste von zehn bestellten Schiffen mit Platz für 13.200 Container. Doch einige Reedereien fahren wegen des teuren Schiffsdiesels mit Verlust.

Foto: dpa

Der neue 366 Meter lange Containerfrachter „Hamburg Express“ fährt auf der Elbe in Richtung Hamburg

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Die Dimensionen sind riesig: Mit einer Tankfüllung kann die "Hamburg Express" rund 30.400 Seemeilen (56.000 Kilometer) weit fahren. Ein MAN-Motor mit einer Kraft von 71.200 PS bringt das Schiff auf eine Höchstgeschwindigkeit von 23,6 Knoten (44 Stundenkilometer), das reicht allemal, um dahinter Wasserski zu fahren.

Aber das ist natürlich nicht erlaubt und schon gar nicht der Zweck dieses Neubaus: Mit ihrem neuen Containerschiff schließt Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd vielmehr zu Konkurrenten wie Maersk aus Dänemark oder MSC aus der Schweiz auf. Denn diese Unternehmen fahren schon längst Schiffe mit Platz für 13.200 Container an Bord, die auf den Hauptrouten zwischen Asien und Europa eingesetzt werden.

Harter Konkurrenzkampf schmälert Gewinn

Diese Größenvorteile sind nötig, so rechnen es Schifffahrtsexperten vor, um in dem harten Konkurrenzkampf überhaupt noch Gewinn einfahren zu können. Hapag-Lloyd hat am Freitag sein erstes Riesenschiff in Hamburg in Dienst gestellt. Weitere neun Neubauten kommen in diesem und dem nächsten Jahr noch hinzu.

Getauft wurde das Schiff von Cornelia Behrendt, der Frau des Vorstandschefs von Hapag-Lloyd. Unüblich ist das nicht, schon früher haben Ehefrauen von Vorständen bei Hapag-Lloyd diese Aufgabe übernommen.

Doch meistens sind es Frauen von Firmenchefs oder Inhabern wichtiger Kunden der Reederei. Eingesetzt wird das Schiff auf einer Rundreise, die in Hamburg beginnt und nach Rotterdam, Singapur, Yantian, Ningbo und Shanghai führt. Danach geht es wieder nach Europa zurück.

Langsam fahren spart Schiffsdiesel

Doch auch dieser Containerfrachter wird wegen des aktuell teuren Schiffsdiesels nicht mit voller Kraft fahren: Mit deutlich unter 20 Knoten soll die "Hamburg Express" unterwegs sein. Die Einsparung dadurch ist groß: Die Drosselung der Geschwindigkeit eines Containerschiffes von 26 auf 18 Knoten lässt den Verbrauch um 40 Prozent sinken.

Der Kraftstoff kostet derzeit bis zu 700 Dollar je Tonne. Hapag-Lloyd hatte dies in der vergangenen Woche als Grund genannt, warum die Reederei im abgelaufenen Geschäftsquartal mit einem, wenn auch geringen, Verlust abgeschlossen hat.

Die weltweite Schifffahrt steckt in einem Dilemma

Einerseits sagen wichtige Forschungsinstitute wie IHS Global Insight aus den USA ein hohes Wachstum des weltweiten Containervolumens voraus: bis 2016 sollen es jährlich fünf bis sechs Prozent sein. Das sind 36 Millionen Standardcontainer mehr als Ende vergangenen Jahres. Andererseits kämpfen alle großen Reedereien derzeit wegen der hohen Ablieferungszahl von Neubauten mit Überkapazitäten. Daher kommen auch die Verluste zustande.

Zwar haben die Unternehmen zuletzt immer weniger Schiffe bestellt, die Bestelllisten der asiatischen Werften sind so gering wie seit Jahren nicht mehr. Doch aus früheren Zeiten stehen noch viele Ablieferungen an: Mehr als 100 Riesenpötte laufen noch auf die Reedereien zu.

Preiskrieg der Reedereien

Das alles hat zu einem Preiskrieg um Auslastung geführt. Erst allmählich steuern die Redereien gegen und erhöhen die Frachttarife. Hapag-Lloyd hat die Preise bereits in mehreren Schritten angehoben. Weltmarktführer Maersk konnte diese Woche erstmals wieder einen Quartalsgewinn in der Schifffahrt vermelden.

Wie lange die Überkapazitäten noch auf den Markt drücken werden, ist nicht absehbar. "Die Reedereien müssen sich in den nächsten 18 Monaten mit Schiffsbestellungen zurückhalten", fordern Analysten des Branchendienstes Drewry. In dieser Situation suchen die Unternehmen ihr Heil in Optimierungen und nutzen Größenvorteile – etwa durch Schiffe wie die "Hamburg Express".

Hapag-Lloyd war unter Zugzwang

Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt verteidigte denn auch die Entscheidung. "Der Einstieg in eine neue Größenklasse ist für uns ein gut überlegter Schritt gewesen", sagte er bei der Schiffstaufe. Seine Reederei sichere dadurch die eigene Wettbewerbsfähigkeit ab.

Ursprünglich hatte Hapag-Lloyd kleinere Schiffe in Korea bestellt: Ein früherer Auftrag für sechs Frachter mit Platz für 8750 Container wurde umgewandelt, hinzu kamen vier Neubestellungen.

Neun weitere Riesenfrachter sind bestellt

Die "Hamburg Express" ist das erste von insgesamt zehn Riesenschiffen: Die nächsten beiden Schiffe werden gerade im Trockendock der weltgrößten Werft in Ulsan in Südkorea zusammengeschweißt. Ende September liefert Hyundai Heavy Industries den zweiten und Mitte November den dritten Neubau ab.

Der Bau eines solchen Riesenfrachters von 366 Meter Länge und 48 Meter Breite dauert in dem Mischkonzern Hyundai gerade einmal neun Monate. Die Ablieferung der restlichen sieben Frachtschiffe der "Express-Klasse" verteilt sich auf das Jahr 2013. Der Konzern äußert sich nicht zur Investitionssumme. Allerdings hat die Werft 1,4 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) als Gesamtauftrag genannt.

Riesenfrachter fahren unter deutscher Flagge

Damit ist aber auch erst einmal Schluss: Weitere Schiffe hat die größte deutsche Linienreederei nicht bestellt. Die Hapag-Lloyd-Riesen werden alle unter deutscher Flagge fahren – was gegenüber einer Billigflagge mit höheren Lohnkosten verbunden und daher keine Selbstverständlichkeit ist.

Wie es in der weltweiten Schifffahrt üblich ist, fährt Hapag-Lloyd in einer Allianz mehrerer Unternehmen: Die sogenannte "G-6-Alliance" besteht neben der Hamburger Containerlinie aus den Reedereien APL aus Singapur, Hyundai Merchant Marine aus Korea, Mitsui O.S.K. Lines und Nippon Yusen Kaisha aus Japan sowie Orient Overseas Container Line aus China. Dieser Zusammenschluss bietet sechs Verbindungen von Asien nach Nordeuropa, in den Mittelmeerraum und den Schwarzmeerraum an – zu rund 40 Häfen in 25 Ländern.

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