10.08.12

Preisentwicklung

Inflation in Deutschland bleibt moderat

Die Preise kletterten im Juli so langsam wie zuletzt Ende 2010. Nur Energie und Lebensmittel sind teurer. Doch das Wirtschaftsministerium warnt vor "erheblichen Risiken" für die Konjunktur.

Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Die Preise für Zucker sind binnen eines Monats um knapp 23 Prozent gestiegen
Die Preise für Zucker sind binnen eines Monats um knapp 23 Prozent gestiegen

Verbraucher können aufatmen: Die Inflation in Deutschland bleibt vorerst moderat. Allerdings verhinderten steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise einen weiteren Rückgang der Inflation im Juli. Die Lebenshaltungskosten erhöhten sich wie schon im Juni binnen Jahresfrist um 1,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte und damit vorläufige Zahlen bestätigte. Im Juni hatte die Rate mit 1,7 Prozent den niedrigsten Stand seit Ende 2010 erreicht.

Gegenüber dem Vormonat stiegen die Lebenshaltungskosten im Juli um 0,4 Prozent. In der Ferienzeit zogen allerdings vor allem die Preise für Pauschalreisen, Übernachtungen und Flugtickets kräftig an.

Verbraucher zahlen mehr für Mehl und Zucker

Energie verteuerte sich im Juli um 4,4 Prozent zum Vorjahresmonat, Nahrungsmittel waren um 3,0 Prozent teurer. Deutlich mehr mussten die Verbraucher unter anderem für Obst (plus 6,9 Prozent) zahlen. Überdurchschnittlich starke Preissprünge gab es bei Mehl (plus 30,0 Prozent) und Zucker (plus 22,3 Prozent).

Rechne man die schwankungsanfällige Entwicklung bei Energie und Nahrungsmitteln heraus, ergäbe sich für Juli eine Inflationsrate von 1,1 Prozent, erklärten die Statistiker. Die beiden Gütergruppen machen den Angaben zufolge knapp 20 Prozent der Ausgaben privater Haushalte aus.

Im Mai sank die Inflationsrate unter zwei Prozent

Im Mai war die Inflationsrate erstmals seit knapp eineinhalb Jahren wieder unter die kritische Marke von zwei Prozent gesunken. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht stabile Preise bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewahrt.

Volkswirte erwarten, dass die Lebenshaltungskosten wegen der höheren Lohnabschlüsse demnächst wieder zulegen. Auch die Geldpolitik der EZB könnte die Inflationsgefahr erhöhen. Die Währungshüter versuchen, mit Zinsen auf Rekordtief und Milliardenspritzen für Banken die Konjunktur zu stützen, die vor allem in den Euro-Krisenstaaten schwächelt.

Wirtschaftliche Zukunft mit erheblichen Risiken belastet

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die wirtschaftliche Zukunft in Deutschland mit erheblichen Risiken belastet. Die deutsche Wirtschaft zeige sich zwar "in einem schwierigen europäischen Umfeld weiterhin als recht robust", teilte das Ministerium in seinem Monatsbericht mit. Die gesamtwirtschaftliche Leistung dürfte im zweiten Quartal weiter leicht gestiegen sein.

Das Geschäftsklima in Deutschland verschlechtere sich und deute das Risiko einer schwächeren Entwicklung in den kommenden Monaten an, hieß es. Angesichts einer auch international etwas schwächeren Entwicklung habe sich die Dynamik erwartungsgemäß abgeschwächt. Die weiteren Aussichten für die deutsche Wirtschaft seien daher "mit erheblichen Risiken behaftet".

Weniger Unternehmen rutschen in die Pleite

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist unterdessen im Mai kräftig gesunken. Insgesamt gingen 2353 Firmen pleite und damit 9,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen verringerte sich noch deutlicher: Mit 8.361 Fällen waren es 10,9 weniger als im Mai 2011.

Dagegen stiegen die offenen Forderungen der Gläubiger. Die Gerichte bezifferten die Summe für Mai auf 3,7 Milliarden Euro, im Vorjahresmonat hatte sie bei 3,5 Milliarden Euro gelegen. Die Statistiker begründeten die gegenläufige Entwicklung damit, dass in diesem Jahr mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen zahlungsunfähig wurden.

Quelle: dpa/dapd/Reuters/me
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