08.08.12

Fluggesellschaft

18.000 Kabinenmitarbeiter drohen der Lufthansa mit Streik

Während der Tarifverhandlungen plant der Konzern eine neue Direktflug-Tochter – und zieht auch den Berliner Großflughafen in Betracht.

Foto: dpa
Lufthansa-Sparprogramm soll 1,5 Milliarden bringen
Eine echte Stewardess der Lufthansa. Das Unternehmen setzt gerade testweise auch Leiharbeiter ein, um die Kosten zu drücken

Der Lufthansa droht ein Streik ihrer rund 18.000 Kabinenmitarbeiter – mit empfindlichen Einschränkungen im Flugbetrieb. In einer Urabstimmung der Kabinengewerkschaft Ufo stimmten 97,5 Prozent der Teilnehmer für Arbeitsniederlegungen, falls die Lufthansa ihr Angebot in den laufenden Tarifverhandlungen nicht nachbessert. Gewerkschaft und Unternehmen verhandeln bereits seit gut einem Jahr über einen neuen Gehaltstarifvertrag. Ufo vertritt die große Mehrheit der Flugbegleiter bei Lufthansa.

Allerdings wird die Arbeit wohl nicht sofort in der kommenden Woche niedergelegt, wie Ufo-Chef Nicoley Baublies sagte. Denn am 16. August wollen die Verhandlungsführer der Lufthansa ein neues Angebot vorlegen, das will die Gewerkschaft abwarten. Kernforderung ist dabei Ufo zufolge, dass die Lufthansa bei den Europaflügen das Kostenniveau der Lufthansa-Billigtochter Germanwings erreicht. Das liegt rund 40 Prozent unter dem der sogenannten Lufthansa Classic.

Kämpferische Haltung

Der neu gewählte Ufo-Vorstand unter Baublies gibt sich kämpferisch. "Wenn wir in dieser Tarifrunde die überdimensionierten Sparwünsche des Managements nicht geschlossen abwehren, wird es den Kabinenarbeitsplatz, wie wir ihn in den vergangenen Jahrzehnten kannten, künftig nicht mehr geben." Dem Management warf er einen "angsterregenden Schlingerkurs" vor. Das Kabinenpersonal trete für den Erhalt des Berufes, die Qualität ihrer Arbeitsbedingungen und "letztlich den Fortbestand ihrer Lufthansa" ein.

Lufthansa zufolge hat sich der Konzern bislang mit Blick auf die sich stetig verschlechternden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – etwa steigende Kerosinpreise – mit den Piloten und dem Bodenpersonal auf Zugeständnisse vor allem bei der Arbeitszeit geeinigt. "Nur die Kabine fehlt noch", heißt es bei der Lufthansa.

Passage-Vorstand Carsten Spohr hatte vor Kurzem noch einmal sehr deutlich gemacht, dass er bei den Kosten wenig kompromissbereit ist. In einem Brief an die Belegschaft rechtfertigte er gemeinsam mit Konzernchef Christoph Franz den unbedingten Sparzwang vor allem im seit Jahren defizitären Europaverkehr. Nur so seien die erforderlichen Investitionen zu stemmen, "die wir benötigen, um auch in Zukunft als Premium-Airline die Nase vorn zu haben".

Die Ufo-Leute wollen vor allem verhindern, was Lufthansa gerade auf den direkten Strecken von und nach Berlin ausprobiert. Dort stellt der Personaldienstleister Aviation Power neue Flugbegleiter, die er anwirbt, ausbildet und zu Konditionen beschäftigt, die schlechter sind als bisher in der normalen Lufthansa. Mit einer Klage gegen den Einsatz des Personaldienstleisters ist Ufo allerdings vor Kurzem vor Gericht gescheitert. Bislang sind in Berlin rund 250 solcher Mitarbeiter auf Lufthansa-Maschinen im Einsatz.

Die Flugbegleiter der Lufthansa haben noch nie länger gestreikt. Vor drei Jahren gab es allerdings an zwei Tagen mehrstündige Warnstreiks, die zu Flugausfällen und Verspätungen führten. Diese hätten gezeigt, dass Ufo sehr wohl in der Lage sei, empfindliche Nadelstiche zu setzen, sagte Baublies.

Gleichzeitig treibt der Konzern das Projekt "direct4you" voran. Passage-Vorstand Spohr lässt derzeit prüfen, ob sich die Kosten drücken lassen, wenn alle Strecken, die Lufthansa in Europa abseits der Luftdrehkreuze bedient, in einer Gesellschaft gebündelt werden. Und ob dort dann wieder mit Gewinn geflogen werden kann. Betroffen wären etwa 2000 Mitarbeiter und etwa 90 Flugzeuge bei Lufthansa Passage, Germanwings und Eurowings. Allein bei Germanwings arbeiten 600 Beschäftigte in der Kabine.

Hohe Vergünstigungen

Ende August will der Lufthansa-Vorstand erste Entscheidungen treffen, ob eine neue Gesellschaft für diese Direktflüge gegründet wird und wo sie angesiedelt werden wird. Als Standort geprüft wird dabei auch der neue Berliner Großflughafen. Dort würde Lufthansa dann Air Berlin und der britischen Billiggesellschaft Easyjet erheblich mehr Paroli bieten können. Das endgültige Eröffnungsdatum für "Willy Brandt" steht allerdings noch nicht offiziell fest. Angepeilt ist zurzeit der 17. März 2013.

Das Grundgehalt eines Kabinenmitarbeiters bei der Lufthansa beträgt derzeit laut Ufo rund 1800 Euro, dazu kommen dann Zuschläge, Gewinnbeteiligung sowie hohe Vergünstigungen auf Lufthansa-Flüge in alle Welt. Allein dieses Angebot lockt immer noch viele junge Menschen in diesem Beruf. Zwar sind die Auswahlbedingungen für die Mitarbeiter in der Kabine immer noch sehr hart, danach beträgt die Ausbildungszeit aber nur wenige Wochen.

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