07.08.12

Vorwürfe aus den USA

Britische Bank soll Geld für Iran gewaschen haben

Schwere Vorwürfe gegen Standard Chartered: Die US-Finanzaufsicht behauptet, dass die britische Bank 250 Milliarden Dollar illegal vom Iran in die USA geschleust hat. Ihre Banklizenz ist bedroht.

Foto: dpa

Die Standard Chartered Bank in London: Sie soll nach Angaben von US-Finanzbehörden Geld aus dem Iran ins Land geschleust haben
Die Standard Chartered Bank in London: Sie soll nach Angaben von US-Finanzbehörden Geld aus dem Iran ins Land geschleust haben

Die Anschuldigungen gegen die britische Großbank sind hart: "Standard Chartered Bank hat sich wie eine Schurkeninstitution verhalten", schreibt die New Yorker Finanzaufsicht DFS. Das Kreditinstitut habe das US-Finanzsystem angreifbar für "Terroristen, Waffenhändler, Drogenbarone und korrupte Regime" gemacht.

Über zehn Jahre soll Standard Chartered Bank (SCB) insgesamt 250 Milliarden Dollar (200 Milliarden Euro) illegal für den Iran in die USA transferiert und verschleiert haben. Seit den 70er Jahren hatten die USA Sanktionen auf Geschäfte mit dem Regime verhängt. Geldgeschäfte mit dem Iran sind nur in Ausnahmefällen erlaubt. Die britische Bank soll trotzdem 60.000 Überweisungen an den US-Behörden vorbei ins Land gebracht haben.

Damit hat Großbritannien einen weiteren Bankenskandal. Vor einigen Wochen erst mussten drei Manager der Londoner Großbank Barclayswegen der Affäre um manipulierte Libor-Zinsen zurücktreten. Wettbewerber HSBC ist ebenso wie SCB in einen Geldwäscheskandal in den USA verwickelt. Das Institut soll unter anderem Drogengelder aus Mexiko in die USA geschleust haben.

Aktienkurs stürzt in die Tiefe

Die Londoner Börse reagierte panisch auf den am Montagabend veröffentlichten Bericht der New Yorker Aufsichtsbehörde. Am Morgen sackte die Aktie der Bank um 20 Prozent ab. Damit verlor das Londoner Geldhaus über 6 Milliarden Pfund Börsenwert. Bis zum Bekanntwerden des Skandals galt SCB als die solideste der britischen Kreditinstitute.

Sorgen bereiteten den Börsianern vor allem die Drohung der Aufsichtsbehörde, SCB könne ihre US-Bankenlizenz verlieren. Für das Institut wäre das eine Katastrophe: 30 bis 40 Prozent der Einnahmen von SCB ständen auf dem Spiel, schätzt die US-Analystenfirma Sanford C. Bernstein.

Geldhaus weist Vorwürfe zurück

Die Bank, die gemessen am Börsenwert zu den fünf größten Geldhäusern Großbritanniens gehört, stritt die Vorwürfe ab. Der Bericht der Aufsichtsbehörde ergäbe kein "vollständiges und zutreffendes Bild der Sachlage", teilte die Bank mit.

SCB-Chefin Annemarie Durbin sagte, das Unternehmen nehme seine Verantwortung "sehr ernst". Es sei darum bemüht, "jederzeit mit den geltenden Gesetzen und Bestimmungen im Einklang" zu stehen. SCB habe seit 2010 freiwillig mit US-Behörden zusammengearbeitet und die Transaktionen überprüft. Das Ergebnis dieser Untersuchungen passe nicht zu den nun erhobenen Vorwürfen. "Weit über 99,9 Prozent" der in Frage stehenden Überweisungen erfüllten die Regulierungsauflagen der USA, teilte die Bank mit. Die restlichen Transaktionen beliefen sich lediglich auf einen Gesamtwert von 14 Millionen Pfund.

Nach Darstellung von SCB waren die Überweisungen sogenannte U-Turn-Geschäfte, die in den USA noch bis 2008 erlaubt waren. Damit bezeichnet man Transaktionen zwischen dem Iran und Drittländern, bei denen US-Dollar verwendet werden.

Manager werden vorgeladen

Manager der Bank müssen am 15. August vor der Regulierungsbehörde vorsprechen und ihre Sicht der Dinge erklären. Wie der 27-seitige Bericht der New Yorker Behörde vermuten lässt, dürfte das ein recht unangenehmer Termin werden. Die Regulier schreiben darin, die Bank habe bei den 60.000 Transaktionen wesentliche Identifikationsmerkmale entfernt, die auf mit Sanktionen belegten Staaten, Personen und Körperschaften hinweisen. Die verschleierten Geschäfte hätten der Bank Millionen von Gebühren eingebracht.

Besonders pikant in dem Bericht ist ein zitiertes Memo aus dem Oktober 2006. Der US-Chef der Bank schrieb demnach damals an den Konzernchef in London, die Geschäfte mit dem Iran müssten dringend auf ihren strategischen Nutzen überprüft werden. Es sei fraglich, ob der Gewinn der Geschäfte den "potenziell sehr ernsten oder selbst katastrophale Schaden für die Gruppe" rechtfertigen könne. Er befürchte auch für sich selbst einen Verlust der Reputation und strafrechtliche Folgen.

Laut dem Bericht der US-Behörde soll die Antwort aus London gelautet haben: "Ihr verdammten Amerikaner. Für wen haltet ihr euch, dem Rest der Welt vorzuschreiben, nicht mit dem Iran Geschäfte zu machen?"

Zu den Kunden im Iran sollen unter anderem die Central Bank of Iran, die Bank Saderat und die Bank Melli gehört haben - alle drei in der Hand der iranischen Regierung. Laut einem Bericht des "Guardian" habe die SCB ebenfalls Geschäfte mit anderen sanktionierten Staaten wie Libyen, Burma und dem Sudan gemacht.

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Libor, Euribor, Interbankenhandel
  • Libor

    Der Libor soll den durchschnittlichen Zinssatz angeben, den die Banken für Geldverleih-Geschäfte untereinander verlangen. Er beruht wie sein Gegenstück im Euro-Raum, der Euribor, aber nicht auf echten Transaktionen. Er wird berechnet aus Schätzungen der 18 weltweit wichtigsten Banken, zu welchen Sätzen sie Geld am Interbankenmarkt aufnehmen können. Grundlage sind also nicht tatsächliche Zinsen, sondern die Einschätzung der Banken über ihre Finanzierungsbedingungen.

    Der Libor wird täglich durch den britischen Bankenverband BBA festgestellt. Die höchsten und niedrigsten Werte werden gestrichen. Das sollte Manipulationen eigentlich ausschließen. Den Libor gibt es seit den 80er-Jahren. Der Referenz-Zinssatz ist ausschlaggebend für die Zinsen von zahlreichen Finanzierungen in Dollar. Darunter Hypotheken, variabel verzinste Immobilien-Kredite oder die Zinsen für Kreditkarten.

  • Euribor

    So wird der durchschnittliche Zinssatz bezeichnet, zu dem 57 europäische Banken einander Anleihen in Euro gewähren. Der Euribor ist die Grundlage für zahlreiche Zinsprodukte, die in Euro laufen. Täglich um 11.00 Uhr werden die Euribor-Werte – 15 verschiedene Euribor-Zinssätze mit unterschiedlichen Laufzeiten – festgesetzt. 43 Institute melden dafür ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs berechnet wird. Die im Vergleich zum Libor höhere Zahl der beteiligten Banken soll die Betrugsgefahr senken.

    Den Euribor gibt es seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. In Deutschland ersetzte er den Fibor (Frankfurt Interbank Offered Rate). Die Höhe der Euribor-Zinssätze wird in erster Linie durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Dazu kommen Faktoren wie etwa das Wirtschaftswachstum, die Höhe der Inflation, die Kreditwürdigkeit und das gegenseitige Vertrauen der Banken sowie das Vertrauen der Verbraucher.

  • Interbankenmarkt

    Auf dem Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Institute, die kurzfristig Geld übrig haben, verleihen es an Banken mit kurzfristigem Finanzbedarf. Dabei wechseln sich Geber- und Nehmerbanken ab. Der Markt funktioniert nur, wenn sich die Banken gegenseitig vertrauen, denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Das Vertrauen ist seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 immer wieder gestört. Deswegen sind die Notenbanken immer wieder eingesprungen, um die Geschäftsbanken mit billigem Geld zu versorgen. Zur Jahreswende 2011/2012 pumpte die Europäische Zentralbank rund 1000 Milliarden Euro in die Geschäftsbanken.

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