03.08.12

Mars-Rover-Mission

Curiosity sucht nach Leben im "gelobten Land"

Der Nasa-Rover "Curiosity" soll ab Montag auf dem roten Planeten nach Leben suchen. Mit rund einer Tonne Gewicht ist er das schwerste Fahrzeug, das jemals auf einem Himmelskörper abgesetzt wurde.

Foto: DPA
"Curiosity" soll Mars erkunden
Am Montag soll das Roboterfahrzeug "Curiosity" auf dem Mars landen

Ein Dreivierteljahr hat der Flug zum Mars gedauert: Jetzt steht die Landung des Nasa-Roboters "Curiosity" unmittelbar bevor. Am Montag soll der auch Mars Science Laboratory (MSL) genannte Rover um 7:31 Uhr deutscher Zeit auf dem roten Planeten aufsetzen – hoffentlich sanft. Curiosity ("Neugier") ist das bislang größte Gefährt, das je zum Mars geschickt worden ist.

Alle zwei Jahre stehen Erde und Mars in einer günstigen Konstellation. Dann ist der Trip zum Mars in relativ kurzer Zeit möglich. Die Nasa hat viele dieser Startfenster genutzt – für die kleinen Rover "Opportunity" und "Spirit", für den Mars "Reconnaissance Orbiter" und zuletzt für den Lander "Phoenix". Nun also ist wieder ein Rover an der Reihe.

Der offensichtlichste Unterschied zwischen den bisherigen Rovern und Curiosity ist die Größe. MSL wiegt fast eine Tonne und ist damit fast sechsmal so schwer wie "Spirit" oder "Opportunity". Ein Grund für das große Gewicht sind die Experimentiersysteme. Allein die zehn Messinstrumente bringen es auf rund 100 Kilogramm.

So groß wie ein Mini Cooper

Auch die 43 Kilogramm schwere Nuklearbatterie ist nicht gerade federleicht. Die Zerfallswärme von 4,8 Kilogramm Plutonium (2000 Watt) wird genutzt, um das 28-Volt-Bordnetzt mit 120 Watt elektrischer Leistung zu versorgen. Curiosity ist also unabhängig von Solarzellen und dem Licht der Sonne.

"Der Rover erreicht die Größe eines Mini-Coopers", erklärt Jennifer Griffes vom California Institute of Technology in Pasadena (Caltech). Dies ermögliche ihm, viel weiter zu fahren als frühere Marsfahrzeuge. "Wir schätzen, dass er mindestens 20 Kilometer zurücklegen wird", sagt Griffes. Curiosity sei für lange Strecken konzipiert worden. "Daher haben wir ihn so groß gebaut wie möglich – so, dass er gerade noch landen kann."

Diesmal werden es keine Airbags sein, die für eine weiche Landung sorgen. Dafür ist Curiosity einfach zu groß. Stattdessen haben die Nasa-Ingenieure einen fliegenden "Himmelskran" mit Raketenmotoren konzipiert, einen Skycrane, der die Sonde an einem Kabel auf dem roten Planeten absetzen soll.

Fallschirme bremsen ab

"Wenn wir ihn oben auf die Landekapsel setzen würden, wie wir es bislang gemacht haben, bekämen wir Curiosity nach der Landung dort nicht mehr heil herunter", erläutert Pete Theisinger, Projekt-Manager für MSL. Die Räder von Curiosity fungieren als Landegestell und neben den Raketenmotoren werden Fallschirme helfen, das Aufsetzen möglichst sanft ausfallen zu lassen.

Die Landung von Curiosity birgt überdies die Herausforderung, gut zu zielen. Der Rover soll in einem äquatornahen Krater namens Gale aufsetzen, der einen Durchmesser von rund 154 Kilometer hat. Das anvisierte Landegebiet in diesem Krater ist nur ungefähr 20 Kilometer groß.

"Das ist sehr ehrgeizig, denn die Landeregionen für die bisherigen Mars-Sonden waren sechsmal größer", sagt John Grotzinger, Project Scientist für das MSL am Caltech. "Nach der Landung bewegen wir uns in Richtung gelobtes Land", sagt der Forscher. Mit "gelobtem Land" meint er einen Berg in der Kratermitte, an dessen Hängen sich über Milliarden von Jahren Sedimente abgelagert haben.

Rover erklimmt Berg

Der Gale-Krater ist ein Becken, in dem sich früher wahrscheinlich ein See befand. "Er bietet einerseits durch sein ebenes Gelände eine halbwegs sichere Landestelle", sagt Jim Green, der Direktor der Abteilung für Planetenwissenschaften bei der Nasa in Washington. Andererseits könne der Rover in ihm lange Strecken zurücklegen und eben den Berg in der Mitte des Kraters erklimmen.

Dabei wird das mobile Labor Bodenproben entnehmen und die verschiedenen geologischen Schichten des Bergs untersuchen. "Dies sollte uns Hinweise auf den Verbleib des Wassers und eine mögliche Bewohnbarkeit des Planeten liefern", hofft Green.

"Wir wollen Orte auf dem Mars aufspüren, die entweder einst bewohnbar waren oder vielleicht heute noch sind", erläutert Doug McCuistion, Direktor des Nasa-Marsprogramms. Dazu wird MSL die Mineralogie des Marsbodens analysieren und – falls vorhanden – organische Verbindungen entdecken können.

Bis zu 3,8 Milliarden Jahre alt

"Wir hoffen, dass wir auf fossile Organismen stoßen", so Griffes. Auf der Erde wird organisches Material in solchen Becken besonders gut konserviert. Was einmal hineingespült wurde, kommt nicht mehr heraus. Die Silikat-Schichten im Gale-Krater könnten durch Einwirkung von Wasser entstanden sind. "Wir suchen also auch nach Wasser", sagt Griffes.

Eine Reihe von Fotos, die Sonden aus dem Orbit von der Marsoberfläche gemacht haben, legen nahe, dass es dort noch heute flüssiges Wasser geben könnte. Mit Sicherheit sei es aber früher einmal präsent gewesen, sagt Richard Cook, Vize-Manager des MSL-Programms, "auch wenn sich der Mars heute als trockene und öde Landschaft präsentiert, muss das nicht immer so gewesen sein."

Das Alter des Gale-Kraters wird von Experten auf 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahre geschätzt. Auf der Erde entstanden zu dieser Zeit die ersten Organismen. Auf dem Mars dürfte es damals feucht und warm gewesen sein. "Wir wollen Spuren von Leben finden, das dort vielleicht zu dieser Zeit, vor 3,5 Milliarden Jahren, existiert hat", sagt Theisinger.

"Science all inclusive"

Der Boden im Gale-Krater ist schichtförmig aufgebaut. Die unteren geologischen Formationen sind in der Regel älter als die darüber. Der Rover soll den Ablauf der Schichtungen rekonstruieren helfen, was sehr schwierig ist, da es keinen absoluten zeitlichen Bezugspunkt gibt wie auf der Erde.

"Weiter, größer, besser", das war die Devise beim Bau des MSL. Das hat dazu geführt, dass die Mission stolze 2,5 Milliarden Dollar kostet. Es ist das bislang teuerste und technisch anspruchsvollste Mars-Projekt der Nasa. "Science all inclusive", sagt Michael Meyer, Chef-Wissenschaftler beim Marsprogramm der Nasa.

Curiosity sei das erste analytische Labor, das über die Oberfläche des Mars' rollen soll. Spirit und Opportunity konnten ihre Sensoren nur gegen Objekte richten, sie beispielsweise direkt auf einen Marsstein halten.

Curiosity kann bohren

MSL wird hingegen Gesteinsproben entnehmen und sie vor Ort in seinem Inneren untersuchen können. "Für diese Fähigkeit bedarf es einfach einer solch immensen Masse und Größe", rechtfertigt Meyer die Ausmaße des Marsrovers. Curiosity verfügt über einen Bohrer, der Materialproben aus bis zu fünf Zentimeter Bodentiefe entnehmen und nach dem Prinzip eines Staubsaugers ins Bordlabor befördern kann. Dann wird analysiert.

Chemische Analysen des Marsbodens ermöglicht auch die aus einem starken Laser und einem Sensor-Teleskop aufgebaute "ChemCam". Ein Laserpuls mit hoher Energie wird auf einen Stein im Umkreis von sieben Metern gerichtet. Dort entsteht aus verdampftem Material eine heiße Plasmawolke. Das von dieser

ausgesendete Licht wird von dem Teleskop empfangen und spektrometrisch analysiert. Das Spektrum erlaubt Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung der Materialprobe.

Vorerst letzte große Marsmission

Ein besonderes Merkmal von Curiosity sind zwei leistungsfähige Kameras, die an einem Mast auf dem Rover in zwei Meter Höhe über dem Marsboden befestigt sind. Sie ermöglichen den Wissenschaftlern im irdischen Kontrollzentrum jederzeit einen Rundumblick – ab 2,10 Meter Distanz vom Rover bis zum Marshorizont.

Curiosity wird für die Nasa indes auf absehbare Zeit die letzte große Marsmission bleiben. Den bisherigen Zwei-Jahres-Rhythmus beim Start neuer Sonden Richtung Mars können die Amerikaner nicht fortsetzen. Die neuen Budget-Vorgaben aus dem Weißen Haus zwingen die Nasa in den kommenden Jahren zu weiterem Sparen.

So werden die Amerikaner auch auf eine Beteiligung an der europäischen Rover-Mission "ExoMars" verzichten müssen. Und für die seit Jahren geplante "Mars Sample Return Mission", eine unbemannte Rückführung von Bodenproben zur Erde fehlt ebenfalls das Geld.

"Maven" erforscht Klimageschichte

Lediglich die Sonde "Maven" ("Mars Atmosphere and Volatile Evolution") soll noch abheben – im Jahr 2013. Sie soll die Gaszusammensetzung der Marsatmosphäre und damit die Klimageschichte des roten Planeten erforschen. Maven war bereits gebaut, bevor der Rotstift im Haushalt der Nasa angesetzt wurde.

Möglicherweise soll es im Jahr 2018 eine weitere, kostengünstige Marsmission der Nasa geben. Doch ob es dazu kommt, steht noch in den Sternen.

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Die Instrumente von "Curiosity"
  • MastCam

    Der fast eine Tonne schwere „Curiosity“ ist mit zahlreichen Analysegeräten ausgestattet. Etwa zwei Meter über dem Marsboden trägt der Rover zwei Kameras an einem Mast (MastCam). Sie können sowohl den Nahbereich als auch die Ferne überblicken. Damit verschafft sich das Team eine Übersicht im Bereich von 2,1 Metern bis unendlich.

  • ChemCam und APXS

    Die ChemCam trägt unter anderem einen starken Laser und ein kleines Teleskop. Beide werden auf einen Stein oder den Boden im Umkreis von 7 Metern gerichtet. Ein Laserpuls hoher Energie lässt am Stein eine Plasmawolke entstehen. Das ausgesendete Licht empfängt das Teleskop und leitet es an ein Spektrometer weiter. Dessen Daten ermöglichen Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Probe. Hinzu kommt das APXS (Alpha-Particle X-ray Spectrometer), ein Röntgenspektrometer.

  • MAHLI

    Am Ende des Roboterarms ist der Mars Hand Lens Imager (MAHLI) angeschraubt. Diese Kamera liefert Bilder aus dem Nahbereich und kann die Kristallzusammensetzung von Bodenproben zeigen. Die Bilder helfen besonders den Mars-Geologen.

  • CheMin

    Geologen profitieren auch vom CheMin, einem Röntgenspektroskop. Pulverisierte Proben werden im Inneren des Rover mit Röntgenstrahlen durchleuchtet, um die exakte Zusammensetzung zu bestimmen. Das hilft auch dabei, die Frage zu klären, ob der Mars einst eine geeignete Umgebung für Leben war.

  • SAM

    Hinzu kommt das Gerät Sample Analysis at Mars (SAM), unter anderem ist das ein Massenspektrometer mit aufwendiger Probenvorbereitung. Bodenproben werden in einem Mini-Ofen erhitzt, sie verdampfen Inhaltsstoffe, die dann ins Massenspektrometer strömen. Unter anderem werden damit Methan, Edelgase, Wasser oder Kohlendioxid aufgespürt.

  • RAD, RSM und MARDI

    Der Radiation Assessment Detector (RAD) analysiert die Teilchenstrahlung auf dem Planeten. Windgeschwindigkeit und -richtung, Druck, relative Feuchtigkeit, Luft- und Bodentemperatur sowie ultraviolette Strahlung werden von den Geräten des Remote Sensing Mast (RSM) bestimmt. Eine weitere Kamera (MARDI, Mars Descent Image) filmt den Abstieg des Rover von dem Moment an, ab dem der Hitzeschild ausgeklinkt wird. Das Objektiv ist direkt nach unten auf den Boden gerichtet.

  • Weitere Technik

    Schaufel, Bohrer und Bürsten und ein Roboterarm komplettieren die Ausstattung. Der Einsatz aller dieser Geräte muss sorgfältig geplant werden: Die zur Verfügung stehende Energie ist begrenzt. Zudem lassen sich nicht beliebig viele Daten vom Mars zur Erde oder in die andere Richtung übertragen.

Planeten mit Alien-Potenzial
  • Merkur

    Der Merkur ist der innerste Planet unseres Sonnensystems. Er umkreist die Sonne in einer mittleren Entfernung von "nur" 58 Millionen Kilometern und wird deshalb von ihr regelrecht gegrillt. Weil er sich nur extrem langsam dreht, ist es auf seiner jeweiligen Sonnenseite tagelang bis zu 430 Grad heiß; auf der abgewandten Seite fallen die Temperaturen bis auf minus 170 Grad. Der Merkur hat keine Atmosphäre. Derzeit umkreist die Sonde Messenger den Planeten. Existiert dort Leben, wie wir es kennen, dann wohl unter der Oberfläche, wo es kühler sein könnte.

  • Venus

    Auf ihrer Oberfläche ist es im Mittel 462 Grad heiß, es herrscht ein Druck von 92 Bar. Ihre Atmosphäre besteht zu mehr als 95 Prozent aus Kohlendioxid (CO2); Wasser und Sauerstoff kommen nur in Spuren vor. Die CO2-Decke sorgt für einen Treibhauseffekt: Sie lässt Sonnenstrahlen durch, aber Wärmestrahlung, die von der Oberfläche zurückkommt, nicht entweichen. Deshalb geht es auf der Venus zu wie in einem Glutofen.Erkenntnisse erhoffen sich Forscher von der Esa-Sonde Venus Express, die den Planeten seit 2005 umkreist.

  • Mars

    Auf dem Mars ist es vergleichsweise kalt: Minus 63 Grad beträgt die Durchschnittstemperatur auf dem roten Planeten. Seine Atmosphäre besteht zu 95 Prozent aus CO2. Der Treibhauseffekt fällt im Vergleich zur Venus aber gering aus, weil der Mars viel weniger Sonnenenergie abbekommt - er ist 228 Millionen Kilometer von ihr entfernt. Auf der Marsoberfläche entdeckte Stromtäler deuten darauf hin, dass auf dem roten Planeten einst womöglich Flüsse, Seen und sogar Ozeane existiert haben. Die Polkappen des Mars bestehen aus Kohlendioxideis und Wassereis. Vielleicht gab es also Leben auf dem Mars. Aufklären soll dies der Mars-Rover Curiosity, der im August landen soll.

  • Jupiter, Saturn, Uranus, Neptu

    Jupiter, Saturn, Uranus und Neptunbestehen überwiegend aus leichten Gasen wie Wasserstoff und Helium. Deshalb haben diese sogenannten Gasriesen keine feste Oberfläche. Die Temperaturen liegen weit unter minus 140 Grad. Dass dort Leben existiert, ist unwahrscheinlich. Möglich wäre dies hingegen auf dem Jupitermond Europa, weil unter dessen Eispanzer wahrscheinlich ein großer See verborgen ist, wie Forscher 2011 herausfanden. Ein gar mehrere Hundert Kilometer tiefer Ozean existiert womöglich unter der Eisdecke des Saturnmonds Titan, berichten jetzt Forscher im Journal "Science". Im Gegensatz zum Mond Europa gebe es auf Titan wohl kein Leben, weil der Grund des Ozeans aus kaltem Eis bestehe und so weder Nährstoffe noch Energie liefere.

  • Pluto

    Pluto darf seit 2006 zwar eigentlich nicht mehr im Klub der Planeten mitspielen - er wurde von der Internationalen Astronomischen Union zum Zwergplaneten degradiert. Doch unter Beobachtung steht er weiterhin. So hat das Weltraumteleskop Hubble jetzteinen neuen und damit fünften Mond des Zwergplaneten entdeckt. S/2012 (134340) 1 oder auch P5, so seine vorläufige Bezeichnung, ist ein unregelmäßig geformter Brocken mit einem Durchmesser zwischen zehn und 25Kilometern. Er umkreist Pluto in einem Abstand von 25 Kilometern. Über Pluto selbst ist nur wenig bekannt. Minus 230 Grad und eine sehr dünne Atmosphäre, die zum größten Teil aus Stickstoff und zudem Kohlenmonoxid und Methan besteht, bieten jedoch nicht gerade ideale Lebensbedingungen.

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