28.07.12

Familienunternehmen

Bacardi hat Heimweh nach Kuba

Die Geschichte des Spirituosenherstellers Bacardi ist eng mit Kuba verknüpft – auch mit Fidel Castro. Von Castro enteignet und nun mit Sitz auf den Bermudas, träumt Bacardi immer noch von der Rückkehr nach Kuba.

Foto: Bacardi
Die erste Bacardie-Destillerie in Santiago de Cuba
Die erste Bacardie-Destillerie in Santiago de Cuba

Eine Bikini-Schönheit räkelt sich am Strand. Palmen schwingen sanft im Wind, das Meerwasser glitzert in der Sonne. Ein braungebrannter Beachboy trommelt auf einem Bambusrohr.

So sieht die Bacardi-Welt in einem Werbesport von 1992 aus. Und auch heute verbinden die meisten Menschen den Namen Bacardi mit Sommer, Cocktails und Partys unter freiem Himmel.

Doch die Firma Bacardi steht nicht nur für das berühmte "Feeling", sondern auch für eine sehr bewegte Geschichte. Das erste "multinational kubanische Unternehmen", wie sich Bacardi selbst nennt, ist eng mit der politischen Entwicklung des Inselstaats in der Karibik verbunden. "Es ist immer noch unser Land", sagt Facundo Bacardi im Gespräch mit "Berliner Morgenpost".

Firmensitz noch auf Kuba

Er führt in fünfter Generation das Familienunternehmen, das in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert. Seine Familie sehe Bacardi heute noch als kubanisches Unternehmen, so der heutige Aufsichtsratsvorsitzende. Doch der Firmensitz liegt schon lange nicht mehr auf Kuba, sondern auf den Bermudas.

In der zweitgrößten kubanischen Stadt Santiago erinnert heute nur noch das sandfarbene Art-Deco-Gebäude, der einstige Hauptsitz von Bacardi, an das Unternehmen. Die Familie Bacardi, die inzwischen 600 Mitglieder zählt, lebt über die ganze Welt verstreut. Das hat vor allem mit der Figur Fidel Castro zu tun.

Mit ihm kamen der Kommunismus, Machtkämpfe, Elend und Leid auf die Insel. Das kubanische Regime habe Bacardi die Heimat genommen und die Familie auseinander gerissen, sagt Facundo Bacardi heute. Die Geschichte begleite das Unternehmen und spiele für die Familie immer noch eine wichtige Rolle.

Milden, leichten Rum kreieren

Als sein Ur-Ur-Großvater, der Katalane Don Facundo Bacardi Masso, 1862 in Santiago de Cuba den Grundstein für das spätere Spirituosen-Imperium legt, ist die Welt in Kuba noch ruhig und friedlich.

Facundo Bacardi Senior war nach Kuba ausgewandert. Dort will er seine Vision verwirklichen: Einen milden, leichten Rum kreieren, der den Menschen Lebensfreude schenken soll. Er übernimmt eine alte und marode Rum-Brennerei in Kuba und entwickelt ein neues Produktionsverfahren für einen Rum, der damals den Geschmack der vornehmen Gesellschaft in Kuba eher trifft als das ungenießbare Gebräu, das bis dahin als Rum bekannt war.

Nach der Unabhängigkeit wird Kuba 1901 durch das "Platt Amendement", das die kubanisch-amerikanischen Beziehungen neu regeln sollte, quasi zu einem Protektorat Amerikas.

Das kommt dem Spirituosenhersteller aus Kuba durchaus entgegen: finanziell profitiert Bacardi vom diesem halb-kolonialen Status und steigert die Produktion in dieser Phase enorm. Mehrere Filialen in Nordamerika und in Europa entstehen. Doch der Hauptsitz bleibt in Santiago – bis die Revolution und Fidel Castro auf einen Schlag alles verändern.

Familie unterstützt zunächst Castro

Vor der eigentlichen Machtergreifung unterstützt die Familie Castro, denn viele Dinge, die dieser ankündigt, scheinen den Bacardis zunächst gut und richtig für die Menschen in Kuba zu sein. Doch das ändert sich in dem Moment, als Castro an die Macht kommt.

Am 14. Oktober 1960 wird der Bacardi-Konzern enteignet. Ein Familienmitglied aus dem Bacardi-Clan erzählte: "Wir trauten unseren Ohren nicht. Wir waren schockiert und sprachlos." Doch die Familie hatte vorgesorgt und schon im vorab die Rezepte und Markenrechte auf die Bahamas verlagert.

Anders als viele andere Mitglieder der kubanischen Elite, die über Nacht mittellos werden, erholt sich Bacardi relativ schnell von den Ereignissen. Aber mit dem Moment der Machtergreifung beginnt auch die Zeit der Auflehnung gegen Castro. Viele Familienmitglieder emigrieren in die USA. Die Produktion wird ins Ausland verlagert.

Aus dem Exil engagieren sich die Familienmitglieder im Kampf gegen das Castro-Regime, aber auch für die Unterstützung der Kubaner. Sie geben den Kubanern, die flüchten, Jobs und finanzielle Unterstützung. Bis in die heutige Zeit: "Meine Familie hilft auch heute den Menschen in Kuba. Was wir tun können, versuchen wir zu tun", so der Firmenchef.

"Es ist in unserem Blut, unserer DNA"

Facundo Bacardi sieht positiv in die Zukunft: "Wir haben die kubanische Revolution, die unser Kapital illegal konfisziert hat, überlebt. Wir haben Kriege, Erdbeben, Krankheiten und die Finanzkrise überlebt. Und wir machen weiter, es ist in unserem Blut, unserer DNA. Wir werden immer weitermachen", so der Firmenchef.

Etwa 19 Familienmitglieder arbeiten heute direkt für das Unternehmen. Die Firma halte die Familie in gewisser Weise zusammen, so der Chef. Über 200 Marken und Markennamen gehören zu Bacardi: Dazu zählen Grey Goose, Martini, Bombay Sapphire, Dewar`s. Im Jubiläumsjahr sollen so viele neue Produkte wie noch nie hinzukommen. 2012 sei das zweiterfolgreichste Jahr für das Unternehmen seit sein Ur-Ur-Großvater den berühmten Bacardi-Rum kreierte, sagt Facundo Bacardi.

Der weltweit größte Spirituosenproduzent in Privatbesitz sieht auch in Deutschland Wachstumspotenzial. Die deutsche Konzernzentrale ist in Hamburg angesiedelt. Von den weltweit 27 Produktionsanlagen und Abfüllanlagen steht auch eine in Buxtehude, in der Nähe von Hamburg. Dort arbeiten 85 Mitarbeiter in der Abfüllanlage, insgesamt sind es 250 in Deutschland. 2012 will Bacardi erstmals die Umsatzmarke von 200 Mio. Euro in Deutschland übertreffen. Bereits 2011 konnte das Unternehmen ihn um sieben Prozent steigern.

Am besten verkauft sich in Deutschland der Rum "Bacardi Superior". Der Trend geht in Richtung Rum mit "Flavour". Besonders Sorten wie Bacardi Razz oder gewürzte Rum-Variationen, wie der Bacardi Oak Heart, verkaufen sich gut.

Fledermaus galt als Glücksbringer

Das Geschäft läuft rund. Pläne, an die Börse zu gehen, gibt es allerdings nicht: "Wir sind ein Familienunternehmen und wir ziehen es vor, privat zu sein. Sollte es jedoch eines Tages einen guten Grund dafür geben, an die Börse zu gehen, haben wir die nötige Flexibilität und die Autorität dies zu tun."

Noch heute ist die Rezeptur der Bacardi-Spezialitäten ein seit Generationen gut gehütetes Familiengeheimnis. Selbst die Fledermaus, das Firmenlogo, das es schon seit der Unternehmensgründung gibt, hat Bacardi behalten.

Sie symbolisiere die Geschichte von Bacardi. "Die Fledermaus war eine Idee meiner Ur-Ur-Großmutter", sagt Facundo Bacardi. Die Fledermaus galt in Kuba als Glückbringer.

Vielleicht hilft sie bei einem großen Traum, denn Bacardi hofft, eines Tages in die Heimat zurückkehren zu können. "Wir sind stolz darauf, dass unser Produkt aus Kuba stammt und wir kubanische Wurzeln haben", sagt der Firmenchef. Derzeit erlaube die politische Situation in Kuba noch keine Rückkehr.

Aber die Hoffnung bleibt, dass Bacardi eines Tages nicht nur ein kubanisches Produkt verkauft, sondern auch wieder dahin zurückkehrt, wo alles vor 150 Jahren begann.

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