24.07.12

Vor Troika-Bericht

Griechen angeblich vor nächstem Schuldenschnitt

Hochrangige EU-Vertreter gehen von einem weiteren Schuldenschnitt in Griechenland aus: Der Schuldenberg Athens sei nicht mehr beherrschbar, ein weiterer Verzicht auf Forderungen unvermeidlich.

Foto: AFP
EU-Vertreter sind der Meinung, dass auf Griechenland ein Schuldenschnitt zukommt
EU-Vertreter sind der Meinung, dass auf Griechenland ein Schuldenschnitt zukommt

Die derzeit laufende Prüfung der Finanzlage Griechenlands durch die Troika wird nach Informationen aus EU-Kreisen zu einem verheerenden Ergebnis führen. Der Schuldenberg sei nicht mehr beherrschbar und ein weiterer Forderungsverzicht unvermeidlich, sagten drei hochrangige EU-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters in Brüssel.

Die Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) prüft zurzeit, wie weit Griechenland vom vereinbarten Spar- und Reformweg abgewichen ist. Das Ergebnis sei absehbar: Der überschuldete Euro-Staat sei weit vom Kurs abgekommen, sagte ein EU-Insider. "Die Analyse der Schuldentragfähigkeit wird ziemlich furchtbar sein."

Das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Rettungspaket sollte Griechenland helfen, den Schuldenstand von mehr als 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Frühjahr bis 2020 auf 120 Prozent zu drücken. Nur unter dieser Bedingung beteiligte sich der IWF an der Finanzhilfe.

Wahlkampf lähmte Umsetzung der Reformen

Doch während des monatelangen Wahlkampfs kamen die Reformen und Einsparungen zum Erliegen, während sich die Rezession verschärfte. Wenn sich jetzt herausstellt, dass die Quote deshalb weit über dieser Marke liegen wird, darf der Fonds einem EU-Vertreter zufolge keinen Beistand mehr leisten.

Auf zusätzliche Hilfsmilliarden läuft aber die Forderung der griechischen Regierung heraus, mehr Zeit zum Abbau der Neuverschuldung eingeräumt zu bekommen. "Das müssen die Europäer dann übernehmen."

Deutschland und andere nördliche Euro-Staaten sind bisher aber nicht bereit, für Griechenland ein noch größeres Kredit-Paket zu schnüren.

IWF, EU-Kommission und Euro-Länder haben das Land bereits mit knapp 150 Milliarden Euro über Wasser gehalten.

Diskussionsbereitschaft eher gering

Als eine andere Möglichkeit komme deshalb ein Forderungsverzicht der staatlichen Gläubiger in Betracht, hieß es in EU-Kreisen weiter.

Im Frühjahr waren bereits die privaten Geldgeber dazu verpflichtet worden, der Regierung in Athen einen großen Teil ihrer Anleiheschulden zu erlassen. Nun könnten die Euro-Staaten und die EZB auf Forderungen verzichten, die Laufzeiten von Krediten verlängern oder niedrigere Zinsen akzeptieren.

Auf der politischen Ebene sei aber niemand zu dieser Diskussion bereit, sagte einer der Insider. Sechs Euro-Staaten seien entschieden gegen jedwede Erleichterung für Griechenland - vor allem nicht, wenn die eigenen Steuerzahler die Kosten dafür direkt tragen sollten, wie es bei einem Forderungsverzicht der Fall wäre.

"Die ökonomischen Argumente mögen klar sein: Wir brauchen einen Restrukturierung, um die Schulden tragfähig zu machen. Aber politisch gibt es dazu keine Bereitschaft." Deshalb stellt sich unweigerlich die Frage, wie lange Griechenland noch Mitglied der Währungsunion bleiben kann.

Quelle: Reuters/sara
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Folgen eines griechischen Euro-Austritts
  • Rechtliche Grundlage

    Auch wenn die Rufe nach einem Austritt immer lauter werden und sogar die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals das Austrittsszenario anspricht, ist ein Rauswurf aus der Eurozone durch die anderen Mitgliedsländer nicht möglich. Das sehen die EU-Verträge nicht vor. Allerdings könnte Griechenland von sich aus erklären, sich vom Euro zu verabschieden. Aber auch in diesem Fall wäre dies Neuland für das gesamte Euro-System, das dafür keine Regelungen kennt.

  • Folgen für Griechenland

    Mit großer Wahrscheinlichkeit würde das den kompletten wirtschaftlichen Zusammenbruch des Krisenlandes bedeuten. Ohne Euro müsste Griechenland wieder eine eigene Währung einführen, etwa die alte Drachme, die vermutlich drastisch abgewertet würde. Athen würde als Folge aber international wettbewerbsfähiger, weil griechische Produkte im Ausland billiger wären. Schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen würden. Ohne großzügige Überbrückungshilfen und Stützung der Banken wäre ein Übergang nach Ansicht von Fachleuten nicht zu schaffen.

  • Folgen für die Euro-Zone

    Ob das Euro-Währungsgebiet einen Austritt der Hellenen verkraften würde, ist äußerst fraglich. Die Ansteckungsgefahr für weitere Sorgenkinder wie Spanien, Italien oder Portugal ist immens. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder aus dem Euroraum ausscheren. Vermutlich würden die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder so stark steigen, dass diese ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit kämen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.

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