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24.07.12Rasantes Wachstum
Die Euro-Krise lässt Softwareriese SAP völlig kalt
Krise, welche Krise? Während Firmen wie Puma und Infineon reihenweise ihre Prognosen kassieren, hält SAP an seiner fest. Das Softwaregeschäft läuft so gut, dass tausende Jobs entstehen.
Von J. Hartmann und A.Tauber
Schulden-Krise? Euro-Aus? Wachstumsschwäche in China? Europas größter Softwarekonzern SAP scheint immun zu sein gegen den drohenden Abschwung der Weltwirtschaft.
Die Walldorfer konnten das zehnte Quartal in Folge zweistellig wachsen und ihre Jahresprognose bekräftigen, wonach der Umsatz mit Betriebssoftware und Wartung um zehn bis zwölf Prozent steigen wird. "SAP wächst zurzeit in allen Regionen weltweit zweistellig, auch in Europa mit über 20 Prozent", sagte SAP-Vorstandschef Jim Snabe "Berliner Morgenpost". "Wir spüren derzeit keinen Abschwung."
SAP eröffnet die Berichtssaison in der Aktien-Bundesliga Dax. Und schon jetzt ist klar, dass andere deutsche Top-Konzerne weit hinter der Vorgabe aus Walldorf zurückbleiben dürften. Viele, darunter auch SAP-Kunden, beklagen die schlechte Geschäftsentwicklung und einige kassierten schon ihre Jahresprognosen. Die Euro-Krise, so zeichnet es sich immer mehr ab, hat die Industrie im Griff.
SAP hingegen sieht das eigene Geschäftsmodell als intakt an. Unternehmen würden vor allem in Krisenzeiten stark darauf achten, die Kosten im Zaum zu halten. Und Investitionen in eine moderne Betriebssoftware, wie sie SAP liefert, könnten diesem Ziel dienen. "Wir sind, wenn sie so wollen, eine Arznei in der Krise." Das war nicht immer so. SAP war in der vergangenen Krise 2008/2009 schwer gebeutelt worden.
"Viele Branchen, die von der Euro-Krise stark betroffen sind, investieren derzeit stark in moderne Software. Hierzu zählen auch der Finanzsektor, der Handel und die Fertigungsindustrie", sagte Snabe. Die SAP-Geschäfte wuchsen weltweit, am stärksten in Asien und in Amerika.
Doch auch in Europa legte SAP einen Umsatzsprung um 22 Prozent hin. Die öffentliche Hand hält sich wegen des allgemeinen Sparzwangs allerdings noch mit Aufträgen zurück.
Unterm Strich blieb im ersten Halbjahr ein Gewinn von 1,1 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 991 Millionen Euro). Die Zuversicht führt dazu, dass SAP die Prognosen für die weitere Geschäftsentwicklung bestätigte.
So soll das operative Ergebnis in einer Spanne von 5,05 Milliarden Euro bis 5,25 Milliarden Euro liegen –nach 4,71 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Snabe hält auch am Ziel fest, bis 2015 mindestens 20 Milliarden Euro umzusetzen. Die SAP-Aktie legte bis zum frühen Nachmittag gegen den Dax-Trend 3,5 Prozent zu.
SAP steckt viel Geld in die "Cloud"
Das Geschäft mit der klassischen Betriebssoftware wächst. Doch immer wichtiger werden neue Geschäftsfelder. Die Umsätze mit Mietsoftware ("Cloud"), mit mobilen Anwendungen wie der Nutzung auf Smartphones sowie mit der ultraschnellen Datenbanktechnologie Hana legten kräftig zu.
SAP steckt viel Geld in den Ausbau des Geschäfts mit der "Cloud", der Datenwolke, in der Kunden auf Software zurückgreifen und ihre Daten speichern können. So hatte SAP kürzlich den Kauf der Unternehmens-Handelsplattformen Ariba für 4,3 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) bekannt gegeben, der bis zum Herbst abgeschlossen sein soll.
Dieser strategische Schritt werde sich "auf alle Fälle auszahlen", sagte Snabe – und entgegnete indirekt Kritikern, die den Zukauf als teuer bewerteten. Bereits vollendet ist die Übernahme des Spezialisten SuccessFactors für 3,4 Milliarden Euro. "Um in der Cloud profitabel zu werden, braucht man Größe", erklärte Snabe die Logik hinter den Übernahmen.
"Das Unternehmen mit der größten Skalierbarkeit verdient am Ende auch Geld." Bislang schreibt SAP in dem Geschäftsbereich, der im ersten Halbjahr 81 Millionen Euro umsetzte, allerdings noch Verluste. 2015 will man in der "Cloud" bereits zwei Milliarden Euro erlösen.
Tausende neue Mitarbeiter
SAP hat das erste Halbjahr für Investitionen genutzt und seine operativen Ausgaben um 17 Prozent gesteigert, worunter die Marge litt. "Im zweiten Halbjahr werden wir unsere Kostendisziplin wieder stärker im Blick haben", versprach Snabe. In einem Schreiben hatte der Vorstand bereits die SAPler ermahnt, mehr auf die Kosten zu schauen.
Das Investitionstempo wird auch bei den Mitarbeiterzahlen deutlich. Ihre Zahl stieg binnen eines Jahres um 7000 auf 61.000. Mit 3000 Neueinstellungen – neue Beschäftigte durch die Eingliederung von übernommenen Firmen nicht eingerechnet – hat SAP bereits im ersten Halbjahr mehr Kräfte an Bord geholt als im gesamten Vorjahr.
In Deutschland wurden seit Jahresanfang 500 Mitarbeiter eingestellt. Die Belegschaft, die einen Bedeutungsverlust der Zentrale in Walldorf fürchtet, wird das aufmerksam registriert haben. "Im zweiten Halbjahr werden wir nach wie vor Talente einstellen, aber sicher nicht so viele wie in den ersten sechs Monaten", sagte Snabe.
Um die Mitarbeiter wird sich ab September das neue Vorstandsmitglied Luisa Delgado kümmern. SAP hatte kürzlich die Berufung der gebürtigen Schweizerin gemeldet. "Grundsätzlich brauchen wir mehr Frauen in Vorständen und Führungspositionen", sagte Snabe. Dass nun wieder eine Frau das Personalressort führe, sei aber "keine Grundbedingung" gewesen.
Delgado habe den Vorteil, dass sie nicht nur im Personalwesen erfahren sei, sondern generell im Management. Sie kommt vom Konsumgüterhersteller Procter & Gamble. Arbeitnehmervertreter aus dem Aufsichtsrat hatten kritisiert, dass Delgado über keine Erfahrung in der Softwarebranche verfüge. Snabe zeigte sich hingegen von ihr "begeistert".
Saison- und kalenderbereinigte Entwicklung des BIP (2005=100)
Quelle: Statistisches Bundesamt (Veränderung gegenüber dem Vorjahr beziehungsweise Vorquartal)
2009: -5,1 Prozent
1. Quartal 2009: -4,0 Prozent
2. Quartal 2009: 0,3 Prozent
3. Quartal 2009: 0,8 Prozent
4. Quartal 2009: 0,7 Prozent
2010: 3,6 Prozent
1. Quartal 2010: 0,5 Prozent
2. Quartal 2010: 1,9 Prozent
3. Quartal 2010: 0,8 Prozent
4. Quartal 2010: 0,5 Prozent
2011: 3,1 Prozent
1. Quartal 2011: 1,3 Prozent
2. Quartal 2011: 0,3 Prozent
3. Quartal 2011: 0,6 Prozent
4. Quartal 2011: -0,2 Prozent
1. Quartal 2012: 0,5 Prozent
2. Quartal 2012: 0,3 Prozent
Quelle: Statistisches Bundesamt
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