Einzelhandel
Neue Sticheleien im Machtkampf bei Media Saturn
Kurz vor dem Schiedsgerichts-Termin provoziert Minderheits-Eigner Kellerhals schon wieder den Metro-Konzern. Metro äußert sich nicht und wartet das Verfahren ab, das eine lange Geschichte hat.
Der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht München hatte beiden Parteien noch einmal ins Gewissen geredet: "Dass so etwas dem Unternehmen nicht guttut, muss ich nicht vertiefen", hatte er am Ende des Termins zu den Vertretern des Handelskonzerns Metro und von Erich Kellerhals Anfang Juni gesagt.
Eine "gütliche Lösung" im Kampf um die Macht bei der Elektronik-Handelskette Media Saturn sei doch wohl das Vernünftigste, um den seit Anfang 2011 tobenden Dauerkrach um die Stimmrechte zu schlichten.
Kellerhals würde am liebsten ohne Metro weitermachen
Die Botschaft jedoch scheint nicht angekommen zu sein. Am Tag vor der für den Dienstag angesetzten Verhandlung eines Schiedsgerichtes feuerte Erich Kellerhals, 72-jähriger Minderheitseigentümer von Media Saturn und Gründer der Kette Media-Markt, in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" die nächste Salve ab: "Am liebsten", sagte Kellerhals, würde er ohne die Metro weitermachen.
"Aber eine Trennung von der Metro müsste – wenn wir sie denn wollten – erst einmal finanziert werden". Kellerhals wiederholte, dass bereits Investoren für einen solchen Milliarden-Deal bei ihm angeklopft hätten.
Das Klima ist vergiftet
Das Klima zwischen den Eigentümern sei vergiftet, bestätigt Kellerhals. Dass der Grad dieser Vergiftung durch seinen neuen Angriff abnehmen wird, kann der Milliardär aus Salzburg nicht erwartet haben.
Metro äußerte sich nicht – ebenso wenig wie der Gegenstand des Zankes, Media Saturn. Insbesondere bei der Ingolstädter Handelskette mit 21 Mrd. Euro Umsatz, die ohnehin schon mit Ertragsproblemen kämpft, dürfte man über das neuerliche Mediengewitter alles andere als erfreut sein.
Gegen Kellerhals geht bei MediaSaturn nichts
David kämpft also gegen Goliath? Wieso will der kleinere Eigentümer im Extremfall den deutlich größeren loswerden? Metro hält mehr als 75 Prozent von Media Saturn, Kellerhals dagegen gerade 22 Prozent. Für Beschlüsse in der Gesellschafterversammlung allerdings reicht selbst die Dreiviertel-Mehrheit der Metro nicht aus.
Kellerhals und der andere Minderheitsgesellschafter, Leopold Stiefel, hatten in den Achtzigerjahren die Hürde von 80 Prozent in die Satzung geschrieben, als die Metro-Gesellschaft Kaufhof die Mehrheit der Anteile übernahm. Dass der Weltkonzern trotz der Übermacht seiner Anteile in Ingolstadt keine Entscheidung ohne die Zustimmung von Kellerhals durchbekommt, ärgerte den damaligen Metro-Chef Eckhard Cordes derart, dass er vor eineinhalb Jahren zusammen mit seinem Finanzvorstand und heutigen Nachfolger Olaf Koch bei Kellerhals in Salzburg auftauchte und ihm das Ende des Vetorechts verkündete.
Cordes wollte Kellerhals Macht aushebeln
Cordes und Koch wollten einen – grundsätzlich in der Satzung vorgesehenen – Beirat gründen, in dem es keine 80-Prozent-Mehrheit gäbe – und so Kellerhals aushebeln. "Der Angriff der Metro kam aus heiterem Himmel", sagt Kellerhals in dem Interview dazu, "unmoralisch" verhalte sich die Metro ihm gegenüber.
Er klagte gegen den "Angriff". Bisher konnte er vor dem Landgericht Ingolstadt seinen Standpunkt verteidigen, dass die wichtigen Entscheidungen weiterhin in der Gesellschafterversammlung mit 80 Prozent gefällt werden müssen – selbst wenn es den Beirat geben sollte. Denn der ist offenbar nur für die weniger wichtigen Dinge zuständig.
Auch das OLG schien im Juni-Termin kein grundsätzliches Problem mit der 80-Prozent-Regelung zu haben. Der Richter hatte allerdings darauf hingewiesen, dass derlei Konflikte zwischen den Eigentümern laut Satzung durch ein Schiedsgericht geschlichtet werden sollen – und deshalb zunächst kein Urteil gesprochen.
Ob der Schiedsspruch kommt, ist nicht sicher
Ob es sich bei der heutigen Schiedsverhandlung nur um eine Anhörung handelt, oder ob es zu einem Spruch kommt, ist unklar. Ebenso wie die Frage, wie bindend die Einschätzung dieses außergerichtlichen Dreiergremiums dann wäre.
Am 9. August schließlich will das Oberlandesgericht München sein Urteil präsentieren. Beobachter halten es für sehr wahrscheinlich, dass das von der unterlegenen Partei vor dem Bundesgerichtshof angefochten würde.
Juristisch kann es keine Gewinner geben
Ganz offen sagt Kellerhals auf die Frage, wie lange sich ein Unternehmen einen solchen Eigentümerstreit leisten könne: "Eigentlich gar nicht. Irgendetwas bleibt immer auf der Strecke". Gibt es doch eine Chance auf eine außergerichtliche Einigung? Zum Einsatz eines Mediators, der zu schlichten versuchen könnte, "wären wir bereit", sagt Kellerhals.
Denn: "Mir ist klar, dass sich der Gesellschafterstreit mit juristischen Mitteln nicht lösen lässt. Juristisch kann es keinen Verlierer und keinen Gewinner geben". Selbst nach einer Grundsatzentscheidung des Schiedsgerichts könnten Beschlüsse anschließend immer wieder angefochten werden. Am 31. Juli präsentiert die Metro ihre Halbjahreszahlen. Beobachter sind schon sehr gespannt darauf, wie sich der Zoff im Ergebnis von Media Saturn niederschlägt.

















