12.07.12

Sparkurs-Protest

Italiens Statistikbehörde erpresst Monti

Die Monti-Regierung fährt einen harten Sparkurs. Die Statistikbehörde will da nicht mehr mitmachen – und droht, wichtige Daten nicht mehr zu veröffentlichen. Italien müsste dafür hohe Strafen zahlen.

Foto: DAPD
Italiens Regierungschef Mario Monti bekommt nun Gegendruck für sein Sparprogramm
Italiens Regierungschef Mario Monti bekommt nun Gegendruck für sein Sparprogramm

Italiens Statistikbehörde Istat droht mit Konsequenzen, sollte die Regierung an ihren Sparmaßnahmen festhalten. "Die Ausgabenkürzungen gefährden die Istat. Ab Januar werden wir keine Statistiken mehr veröffentlichen", kündigte Istat-Präsident in der Zeitung "La Repubblica" an.

Die Statistiken, die beispielsweise Auskunft über die Wirtschaftsleistung oder den Schuldenberg der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone geben, werden von der Öffentlichkeit und den Euro-Partnern genau verfolgt.

Monti kämpft um Vertrauen der Investoren

Regierungschef Mario Monti versucht, mit einem milliardenschweren Sparprogramm das Vertrauen an den Märkten wiederherzustellen. Auch die Istat ist davon betroffen. Im kommenden Jahr werden der Statistikbehörde nur noch 150 bis 160 Millionen Euro zur Verfügung stehen, statt der bisherigen 176 Millionen Euro. Laut Giovannini ist das die Hälfte dessen, mit dem beispielsweise das französische Pendant ausgestattet ist.

"Wir werden keine Daten zur Inflation, dem Defizit, Haushaltseinkommen, Arbeitsmarkt veröffentlichen. Das wird sehr hohe EU-Strafen für unser Land auslösen für jeden Tag", warnte Giovannini. Derzeit erstelle das Istat 300 Datensätze im Jahr, 25 Prozent mehr als vor zwei Jahren, sowie 2000 kleinere Berichte. Rund 70 Prozent der Daten würden auf Geheiß der EU ermittelt.

Sinkende Risikoaufschläge

Italien steht derzeit an den Finanzmärkten wegen hoher Verbindlichkeiten und einer schwächelnden Konjunktur unter Druck und wird als nächster Kandidat für den Rettungsschirm gehandelt.

Zuletzt sanken die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen aber wieder: Mit einem Papier mit einer Laufzeit von einem Jahr seien 7,5 Milliarden Euro eingenommen worden, teilte das italienische Schatzamt am Donnerstag in Rom mit. Die zu zahlende Rendite lag bei 2,697 Prozent, nachdem sie am 13. Juni noch bei 3,972 Prozent gelegen hatte.

Die Nachfrage war robust. Die Auktion war 1,55-fach (Juni: 1,73-fach) überzeichnet. In der laufenden Woche hatte sich auch die Lage am Sekundärmarkt für italienische Anleihen entspannt, wo bereits ausgegebene Anleihen gehandelt werden.

Quelle: Reuters/dpa/dma
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Warum Italien der Rettungsschirm droht
  • Schlechte Wirtschaftslage

    In keinem anderen Euro-Land ist die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal so stark eingebrochen wie in Italien. Das Bruttoinlandsprodukt fiel um 0,8 Prozent – fast dreimal so stark wie in Spanien. Auch die Aussichten sind nicht gut. 2012 dürfte das Wirtschaft um 1,4 Prozent schrumpfen, die Arbeitslosenquote um mehr als einen Punkt auf 9,5 Prozent steigen. "Die Schuldenkrise in der Euro-Zone belastet die italienische Wirtschaft", befürchtet die Kommission. Steuererhöhungen und die steigende Arbeitslosigkeit drücken die Einkommen, wodurch der private Konsum schrumpft. Das wiederum sorgt für Steuerausfälle und erschwert die Sanierung des Staatshaushaltes. Die EU setzt auf eine langsame Erholung im nächsten Jahr. Die Wirtschaft dürfte dann wieder wachsen, aber nur um magere 0,4 Prozent.

  • Hohe Staatsverschuldung

    Der Schuldenberg wird in diesem Jahr weiter steigen. Er soll nach Prognose der EU-Kommission 123,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung ausmachen. 2008 waren es nur knapp 106 Prozent. Nur in Griechenland ist der Berg noch höher. Auch im kommenden Jahr dürfte er kaum kleiner werden und über der Marke von 120 Prozent verharren. Italien ist damit der viertgrößte Schuldenmacher weltweit.

  • Nachlassender Reformeifer

    Je näher die für 2013 angesetzte Parlamentswahl rückt, desto geringer ist die Reformbereitschaft der Parteien. Ministerpräsident Mario Monti muss zunehmend Kompromisse eingehen, um Gesetze durch die beiden Parlamentskammern zu bringen. Sowohl Gewerkschaften als auch Arbeitgeberverbände setzten bei der kürzlich verabschiedeten Arbeitsmarktreform Änderungen durch. Zuvor hatten bereits Interessengruppen wie die der Taxifahrer und Rechtsanwälte verhindert, dass die Zugangsbeschränkungen zum Arbeitsmarkt gelockert werden. "Der Reformwille der italienischen Politik ist offensichtlich bereits wieder deutlich erlahmt", stellt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen fest.

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