09.07.12

Milchprodukte

Müller mischt mit Pepsi Joghurt für Amerikaner

Amerikaner sind wild auf Milchprodukte "nach europäischer Art". Die produziert und vertreibt "Müller Quaker Dairy" in den USA. Für den deutschen Hersteller Müller ist es das gelobte Land des Joghurts.

Foto: Getty Images/Montage: Die Welt
Müller und Pepsi machen gemeinsame Sache
Müller und Pepsi machen gemeinsame Sache

Joghurt steht nicht ganz oben auf dem Speiseplan des Durchschnittsamerikaners. Vier Kilogramm des Milchprodukts isst jeder US-Bürger im Jahr. Die Deutschen verputzen dagegen jährlich stattliche 17 Kilogramm.

Und doch scheint Amerika derzeit das gelobte Land für Joghurt-Hersteller aus der Bundesrepublik. Denn mit Müller wagt nun binnen kurzer Zeit schon die zweite heimische Molkerei den Schritt nach Übersee. Zuvor hatte Ehrmann gemeinsam mit drei lokalen Partnern ein Werk im Bundesstaat Vermont aufgebaut.

Müller nun gibt sich deutlich forscher: Die Familienfirma aus Bayern verbündet sich durch das neu gegründete Gemeinschaftsunternehmen Müller Quaker Dairy mit dem Weltkonzern PepsiCo. Schon Mitte Juli wollen die beiden Partner die ersten "Premium-Joghurts nach europäischer Art" in die Supermärkte bringen.

In den USA wird eher Eis gegessen

Branchenexperten halten das für eine gute Idee. Zwar wird in den USA derzeit eher Eis als Joghurt gegessen. Durch das stetig steigende Gesundheitsbewusstsein ändert sich das Konsumverhalten aber – das beweisen die durchschnittlich zweistelligen Wachstumsraten der vergangenen Jahre.

"Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Einstieg", sagt Christian Ehrmann, der Geschäftsführende Gesellschafter der gleichnamigen Molkerei. Der amerikanische Markt biete große Chancen und habe riesiges Potenzial.

Das meint offenbar auch Milchmagnat Theo Müller, dessen Unternehmen die mit Abstand größte Privatmolkerei in Deutschland ist. Zu der aus Luxemburg gesteuerten Firmengruppe mit ihren zuletzt 16.000 Mitarbeitern gehören unter anderem die Marken Müller, Weihenstephan und Sachsenmilch sowie die Nordsee-Fischrestaurants und der Feinkostspezialist Nadler.

Müller und Pepsi bringen Joghurt in 17 Bundesstaaten

In Amerika wolle Müller den Vorteil des frühen Markteinstiegs nutzen und eine "dauerhaft überragende Rolle" spielen, sagt Konzernchef Heiner Kamps, der vom "nächsten entscheidenden Schritt auf dem Weg der Expansionsstrategie" spricht.

Der Anfang für das US-Geschäft wird an der Ostküste gemacht. Das Bündnis aus Müller und PepsiCo wird dort in insgesamt 17 Bundesstaaten zunächst drei Joghurt-Sorten anbieten, darunter die auch in Deutschland bekannten Marken "Froop" und "Joghurt mit der Ecke". Damit biete man den Verbrauchern Produkte, die anders sind als alles, was derzeit auf dem US-Markt erhältlich sei.

Müller hat Wiseman Dairies übernommen

Müller fährt seit längerem einen aggressiven Expansionskurs. Vor allem international will das Familienunternehmen wachsen. In Großbritannien hat Müller daher zu Jahresbeginn für fast 350 Mio. Euro die Mehrheit am Branchenriesen Robert Wiseman Dairies übernommen.

Nun folgt der Schritt nach Amerika. Dem Vernehmen nach investieren Müller und PepsiCo rund 150 Mio. Euro in den Aufbau eines Gemeinschaftswerks in Batavia im Bundesstaat New York. Nach der Inbetriebnahme soll es zu den größten Betrieben in Amerika gehören.

PepsiCo will gesundheitsbewusste Amerikaner erreichen

PepsiCo, das mit Marken wie Pepsi, Mirinda und 7Up ein Riese auf dem Markt für süße Erfrischungsgetränke ist, will durch den Einstieg ins Joghurt-Geschäft die wachsende Zahl der gesundheitsbewussten Verbraucher in Amerika erreichen. Erste Erfahrungen auf dem Molkerei-Markt hat PepsiCo zuletzt in Russland gesammelt, so die Amerikaner im vergangenen Jahr Marktführer Wimm-Bill-Dann übernommen haben.

Zudem unterhalten die Amerikaner seit 2009 ein Joint Venture mit Almarai, dem größten Anbieter aus Saudi-Arabien. "Der Erfolg unserer Milchprodukte in anderen Teilen der Welt hat uns gezeigt, dass diese Sparte gute Wachstumsaussichten hat", sagt Mehmood Khan, der bei PepsiCo die weltweite Forschung und Entwicklung verantwortet.

Diese Wachstumsphantasie hat auch Heiner Kamps. "Bis 2016 wird die Kategorie Milchprodukte weltweit mehr als jede andere Food-Kategorie wachsen", glaubt der Manager und frühere Großbäcker. Sie werde sogar die Steigerungsraten der auf den nächsten beiden Plätzen folgenden Lebensmittel- und Getränkesparten zusammen übertreffen.

Auch Ehrmann startet an der Ostküste

Müller-Konkurrent Ehrmann konzentriert sich bei seinen ersten Schritten in Amerika ebenfalls auf die Ostküste. Zum Start plant das Familienunternehmen aus dem Allgäu mit gut 100 Mio. Bechern pro Jahr, bis 2014 soll sich die Produktionsmenge dann auf 200 Mio. Becher verdoppeln.

Erfahrungen im Ausland hat Ehrmann bereits gesammelt: Das neue US-Werk ist nach Russland und Tschechien schon das dritte Auslandsengagement. Und gewiss nicht das letzte. "Wir haben weitere Märkte im Blick", sagt Ehrmann.

Eine Aussicht, die auch deutsche Zulieferer freut. Das Aachener Familienunternehmen Zentis zum Beispiel, das zu den weltweit größten Herstellern von Fruchtzubereitungen gehört, hat in den USA bereits ein Werk, ein zweites sei vorstellbar. Denn Geschäftsführer Karl-Heinz Johnen rechnet mit einem weiter steigenden Joghurt-Hunger in den USA. "Die 17 Kilogramm aus Deutschland sind auch in Amerika möglich."

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