09.07.12

Neue Krebstherapie

Ultraschall lässt Gasbläschen in Tumoren platzen

Kanadische Forscher haben einen effektiven Ansatz gegen Krebstumore entwickelt: Kombiniert mit einer Strahlentherapie bringen sie Gasbläschen in den Gefäßen von Tumoren mit Ultraschall zum platzen.

Foto: dpa
Ein neues Verfahren verringert bei der herkömmlichen Bestrahlung gegen Krebstumore die sonst notwendige Dosis und wirkt trotzdem effektiver. Etwa 467.000 Menschen erkrankten 2008 in Deutschland an Krebs. Die Aufnahme zeigt eine einzelne Krebszelle
Ein neues Verfahren verringert bei der herkömmlichen Bestrahlung gegen Krebstumore die sonst notwendige Dosis und wirkt trotzdem effektiver. Etwa 467.000 Menschen erkrankten 2008 in Deutschland an Krebs. Die Aufnahme zeigt eine einzelne Krebszelle

Kanadische Forscher haben eine neuartige Ultraschallbehandlung gegen Krebstumore entwickelt. Wird sie mit herkömmlicher Strahlentherapie kombiniert, sterben zehn Mal mehr Krebszellen ab als ohne den Ultraschall. Das zeigen erste Tests mit krebskranken Mäusen.

Bei dem Verfahren werden zunächst winzige Gasbläschen in den Blutkreislauf gebracht. Mit dem Blut gelangen sie bis in die feinen Gefäße des Tumors. Durch Ultraschall beginnen die Bläschen zu schwingen und platzen schließlich.

Das zerstöre die Tumorgefäße und lasse die umliegenden Krebszellen absterben, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Kombiniere man diese Ultraschallbehandlung mit herkömmlicher Bestrahlung, addiere sich die Wirkung beider.

"Die für die Bekämpfung eines Tumors nötige Strahlendosis kann durch die Ultraschallbehandlung deutlich gesenkt werden", schreiben Gregory Czarnota von der Universität in Toronto und seine Kollegen.

Deutlich höhere Überlebensrate bei Mäusen

Das reduziere auch die Nebenwirkungen bei dieser Form der Therapie. Bei den Mäusen seien die Krebstumore selbst bei normalerweise unwirksamen Dosierungen geschrumpft, wenn diese zusätzlich mit Ultraschall behandelt wurden.

Von den Tieren, die diese Kombinationstherapie erhielten, hätten zudem deutlich mehr überlebt als bei den nur mit Strahlung behandelten Mäusen, sagen die Forscher.

Die Wissenschaftler haben ihre Methode bisher nur mit Mäusen getestet, denen menschliche Prostata-Tumore eingepflanzt worden waren. Sie gehen aber davon aus, dass die neuartige Therapie auch bei anderen Krebsarten und beim Menschen funktioniert.

Das Ultraschallverfahren erzeuge vor allem mechanische Schäden in den Krebsgeschwulsten und sei daher relativ unspezifisch. Es könne lediglich sein, dass man die Menge der Bläschen oder die Stärke des Ultraschalls anpassen müsse, schreiben die Forscher.

Mäuse erhielten Ultraschall vor der Bestrahlung

Für ihre Studie hatten die Forscher einem Teil ihrer Versuchsmäuse eine Injektion mit einem bläschenhaltigen Kontrastmittel verabreicht. Drei bis zwölf Stunden später erhielten diese Mäuse in einem Wasserbad eine fünf Minuten dauernde Ultraschallbehandlung. Dabei richteten die Forscher die Schallwellen gezielt nur auf die Tumore.

Direkt anschließend wurden die Krebsgeschwulste bestrahlt. Die Mäuse erhielten dabei jeweils unterschiedliche Strahlendosen. Eine weitere Gruppe von Mäusen wurde zur Kontrolle nur der Ultraschallbehandlung unterzogen, eine andere nur der Bestrahlung.

Bei der Strahlentherapie wird das Erbgut der Krebszellen durch die hochdosierte Strahlung so stark geschädigt, dass die Zellen absterben. Das neuartige Ultraschallverfahren setzt dagegen an den Mikrogefäßen im Tumor an.

Mikrogefäße in Tumoren werden mechanisch zerstört

Sie durchziehen die Geschwulst in zahlreichen feinsten Verästelungen und versorgen die Zellen darin mit Blut. "Wir haben einen Ansatz gewählt, der diese Mikrogefäße mechanisch zerstört", schreiben Czarnota und seine Kollegen.

Die schwingenden Mikrobläschen schädigen Zellen an der Innenwand der Tumorgefäße. Diese sterben ab, und das Gefäß wird zerstört. Als Folge werden die umliegenden Krebszellen nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt und beginnen ebenfalls abzusterben.

Komme in diesem Stadium die Bestrahlung dazu, verstärke diese Vorschädigung deren Effekt, erklären die Forscher. In den Versuchen mit Mäusen seien beide Verfahren zusammen erheblich effektiver gewesen als jedes für sich genommen.

Dieser Synergieeffekt habe sich sowohl an der Tumorgröße nach der Behandlung gezeigt als auch an der Anzahl der absterbenden Zellen in den Krebsgeschwulsten.

Quelle: dapd/oc
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Die Mieten in der Berliner Innenstadt sind durchschnittlich um mehr als sechs Prozent gestiegen. Doch auch das Leben am Stadtrand ist nicht günstiger
07:35Wohnstudie
Am Berliner Stadtrand ist das Leben teurer als in der City

Besonders in der Berliner Innenstadt sind die Mieten deutlich gestiegen. Doch ein Umzug an den Stadtrand lohnt - zumindest aus Kostengründen - nicht. Das liegt vor allem an hohen Mobilitätskosten. mehr...


Schon 2012 lockte der „Summer Rave“ viele junge Berliner in die Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof
24.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonna, den 25. Mai. mehr...


Die eurokritische Partei Alternative für Deutschland will sich im Bundestag für die Interessen der Bürger stark machen. Doch kurz nach der Gründung kriselt es bereits
07:31Parteien
Wie sich die Anti-Euro-Partei in Berlin selbst zerlegt

Kurz vor dem Bundestagswahlkampf kommt es im Berliner Landesverband der Alternative für Deutschland zu großen Reibereien. Drei von insgesamt zehn Vorstandsmitgliedern traten bereits zurück. mehr...


Trotz seiner Mitarbeit bei den Grünen will Christoph Schulze nicht aus seiner Partei austreten
07:34Landtagsabgeordneter
Sozialdemokrat wechselt aus BER-Frust zur Grünen-Fraktion

Christoph Schulze ist langjähriges SPD-Mitglied, doch gleichzeitig auch einer der größten Gegner des BER. Nun will er in der Landtagsfraktion der Grünen mitarbeiten - allerdings als SPD-Mann. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. WirtschaftKriminalitätDie Angst der Deutschen an Bahnhöfen und Haltestellen
  2. 2. DeutschlandUmweltministerAltmaier verteidigt umstrittene Klima-Broschüre
  3. 3. AuslandJugend-KrawalleStockholm erlebt sechste Nacht der Gewalt in Folge
  4. 4. FußballBVB gegen BayernPopstar Klopp fordert den Senor Heynckes heraus
  5. 5. DeutschlandSchleswig-HolsteinEtablierte Parteien verlieren kräftig an Boden
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote