06.07.12

Psychologie

Sport und gute Chefs – was bei Burnout hilft

Gegen das Burnout-Syndrom gibt es Mittel, die wirklich helfen: Schon regelmäßiger Sport und ein bemühter Chef können verhindern, dass Mitarbeiter ausbrennen. Das legt eine umfassende Studie nahe.

Foto: DPA
Burn-out
Eine kognitive Verhaltenstherapie kann bei Burnout hilfreich sein. Ansonsten lindert eine konsequente Änderung des Arbeitsalltags das Leiden der Betroffenen am besten

Weniger Arbeitsbelastung, mehr Entscheidungsspielräume und ein verbessertes Arbeitsklima führen in Verbindung mit kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) nachweislich zu einer schnelleren Rückkehr in den Beruf. Das bescheinigt ein Bericht des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Insgesamt beurteilen die Autoren die Therapie des Burnout-Syndroms allerdings als unzureichend. Sie bezweifeln stark, dass Betroffene derzeit angemessen behandelt werden.

Dem Bericht liegt die Auswertung von 17 Studien zugrunde. Dabei wurden gängige psychologische und medikamentöse Therapien, aber auch Behandlungsmethoden mit pflanzlichen Substanzen eingeschlossen. Mehrere Studien belegen demnach eine Wirksamkeit für die kognitive Verhaltenstherapie. Für andere Methoden wie Musiktherapie, Physiotherapie oder Stressmanagement fehlten jedoch eindeutige Belege, hieß es.

Zur Qigong-Therapie konnte den Autoren zufolge keine Wirkung eindeutig nachgewiesen werden. Für die progressive Muskelentspannung lägen keine relevanten Ergebnisse vor. Bei der medikamentösen Therapie gebe die aktuelle Forschung keine Auskunft über die Wirkung der verordneten Medikamente. Der Verbrauch von Antidepressiva erscheint den Autoren jedoch als überdurchschnittlich hoch.

Unzureichende Forschungslage

Eine Wirksamkeit von pflanzlichen Substanzen finden die Wissenschaftler zumindest in einer Studie für Rosenwurz. Darin wirkt es sich günstig auf die Aufmerksamkeit, die Lebensqualität sowie auf Erschöpfungs- und Depressionssymptome aus. Insgesamt wird die aktuelle Forschungslage vom DIMDI als unzureichend und wenig vergleichbar kritisiert.

Ganz praktische Tipps haben die Vertreter vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen: "Arbeitnehmer können sich vor einem Burnout schützen, indem sie darauf achten, regelmäßig Sport zu machen", sagt Ulrich Schübel vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Der Sport helfe dabei, Arbeitsstress abzubauen und sich gesund zu halten. Erlaubt sei dabei, was Spaß macht: "Der eine geht vielleicht im Wald spazieren", sagte Schübel. "Der nächste macht Yoga, und einem anderen hilft schwimmen."

Chef sollte loben — und nicht nur sich selbst

Bei der Burnout-Prävention sei auch und gerade der Chef gefragt: "Als Führungskraft sollte man Vorbild sein", sagte Schübel. Das gelte sowohl für die körperliche Fitness, als auch für die wöchentliche Arbeitszeit sowie für das Thema Erreichbarkeit. Geht der Chef regelmäßig zum Sport, sei das auch unter den Mitarbeitern anerkannter. Ist der Chef dagegen rund um die Uhr beruflich am Handy erreichbar, eifern dem auch eher die Mitarbeiter nach – im schlimmsten Fall, bis sie Erschöpfungssymptome zeigen.

Vorbild sein ist das eine. Außerdem sollte der Chef seine Mitarbeiter bei guten Leistungen aber auch ausdrücklich loben, sagte Schübel. Denn Anerkennung sei eine Möglichkeit, den Stress der Mitarbeiter zu senken. Viele Belastungen von Arbeitnehmern seien auf das zurückzuführen, was Psychologen Gratifikationskrise nennen.

In dieser Situation sind Mitarbeiter, die das Gefühl haben, ein hohes Engagement an den Tag zu legen, aber nur wenig Anerkennung dafür zu bekommen. Das sei unnötiger Stress, den Vorgesetzte leicht abstellen könnte, erklärte Schübel.

Quelle: dapd/cl
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  • Symptome

    Die Betroffenen entwickeln Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, vegetative Störungen. „Das geht wie eine Kaskade immer weiter“, sagt Experte Stephan Ahrens.

  • Ursachen

    Mobbing am Arbeitsplatz, viel beruflicher Stress in Kombination mit wenig Rückhalt zu Hause, Umstrukturierungen des Arbeitsumfeldes, zu perfektionistisches Denken.

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