Infratest-Umfrage
Jüngere häufiger in befristeten Arbeitsverhältnissen
Bei Arbeitnehmern bis 34 Jahre nimmt die Zahl der befristeten Jobs spürbar zu. Bei Älteren zeichnet sich ein entgegengesetzter Trend ab. Familiengründung und Lebensplanung werden so erschwert.
Trotz des Aufschwungs verharrt ein fester Anteil der jüngeren Generation in befristeten Arbeitsverhältnissen und in Zeitarbeit, während bei den Älteren dieser Anteil in den vergangenen drei Jahren schrumpfte.
Eine von der IG Metall beim Marktforschungsunternehmen TNS Infratest in Auftrag gegebene Umfrage ergab, dass der Anteil der Arbeiter und Arbeitnehmer von 14 bis 34 Jahren, die in befristeten Arbeitsverhältnissen, Zeitarbeit oder sogenannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (Ein-Euro-Jobs) arbeiten, zwischen 2009 und 2012 von 28 auf 32 Prozent gestiegen ist. Bei den über 35-Jährigen ist die Zahl von 16 auf elf Prozent geschrumpft.
Ältere haben mehr vom Aufschwung profitiert
"Die ältere Generation hat stärker vom Aufschwung profitiert, in dem mehr Arbeitnehmer in eine dauerhafte Festanstellung übernommen worden sind", sagt Oliver Sartorius von Infratest.
Vor allem Befristungen seien bei den Jüngeren zur Normalität geworden: Etwa 25 Prozent der knapp 1000 Befragten hätten befristete Beschäftigungsverhältnisse, zehn Prozent einen Job in der Zeitarbeit. Zuletzt ist die befristete Beschäftigung bei den 14- bis 34-Jährigen trotz der guten Konjunkturlage stabil geblieben.
Die IG Metall, die Befristungen und Zeitarbeit als "prekäre Arbeit" bezeichnet, kritisierte die Entwicklung. "Prekäre Beschäftigung und Unsicherheit der jüngeren Generation nehmen zu", sagte der stellvertretende Vorsitzende der größten deutschen Gewerkschaft, Detlef Wetzel, in Berlin.
Soziale Spaltung nimmt zu
"Große Teile der jungen Generation haben von der guten wirtschaftlichen Entwicklung nicht profitiert", kritisierte Wetzel. Auch die soziale Spaltung zwischen der jungen Generation und den über 35-Jährigen nehme zu.
Obwohl Deutschland mit einer Quote von 7,9 Prozent im Mai die geringste Jugendarbeitslosigkeit in der EU aufwies (Spanien und Griechenland kommen auf mehr als 50 Prozent), haben hierzulande laut Wetzel "zu viele junge Menschen keine guten Zukunftsperspektiven". Auch die Zahl der Nebenjobs nehme zu, "weil das Geld einfach nicht ausreicht".
Hälfte der Jüngeren erlebt immer wieder Einschnitte
Auffällig sei auch, so Infratest-Experte Sartorius, dass ein konstant bleibender Anteil der jüngeren Generation in seinem Berufsleben Einschnitte und Brüche erlebt hätte. Seit drei Jahren liegt dieser Anteil bei etwa 48 Prozent. Von diesen ist nur jeder Zweite mit seiner beruflichen Entwicklung zufrieden. Dagegen sind es neun von zehn, wenn das Berufsleben eher glatt verlief.
In beiden Altersgruppen sehen über 90 Prozent eine unsichere Arbeitsplatzsituation als psychische Belastung, ergab die Umfrage. Über 80 Prozent sind der Meinung, Familiengründung und Lebensplanung würden erschwert.
Die IG Metall forderte die Bundesregierung auf, für eine "neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt" zu sorgen und etwa die Zeitarbeit stärker zu regulieren. Die Gewerkschaft plant, das Thema als Kampagne bis zur Bundestagswahl in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen.


















