05.07.12

Rewe-Chef

"In Deutschland wird Leistung belohnt"

Der Chef des Kölner Handelskonzerns Alain Caparros ist Franzose. Doch für ihn ist Deutschland das große Vorbild. Sein Heimatland Frankreich sieht er nach dem Machtwechsel hingegen mit Sorge.

Foto: DPA
Rewe-Chef Alain Caparros mag deutsche Eigenheiten, obwohl er Franzose ist
Rewe-Chef Alain Caparros mag deutsche Eigenheiten, obwohl er Franzose ist

Er ist in Algerien geboren, wuchs in Frankreich auf und arbeitet seit vielen Jahren in Deutschland. Und jetzt will Alain Caparros, Franzose und Chef des Kölner Handelskonzerns Rewe, möglicherweise sogar die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. "Ich habe das überprüft. Ich würde das schaffen", sagte der Chef des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung.

Denn in seinem Heimatland passen ihm so viele Dinge nicht, dass ihm Deutschland inzwischen als gelobtes Land erscheint: "Ich mache mir große Sorgen um Frankreich." Zu unflexibel, zu wenig weltoffen, zu wenig leistungsorientiert sei das Land. Mit dem Wahlsieg von Francois Hollande werde alles nur noch schlimmer: "Sie werden wieder Beamte einstellen und die Rente mit 60 einführen." Richtig hingegen sei – wie in Deutschland – der Schritt hin zum Ende der Arbeitszeit erst mit 67.

Caparros liebt deutsche Eigenschaften

Sogar die deutschen Klischees gefallen dem Franzosen: "Ich mag es, wenn Sitzungen pünktlich beginnen, pünktlich enden und am nächsten Tag das Protokoll auf dem Tisch liegt." Davon könnten die Franzosen lernen, sagte der 55-jährige. Er hatte sich 2006 mit anderen Führungskräften auf den Chefsessel in Köln geputscht, als das Unternehmen seiner Meinung nach vor die Wand zu fahren drohte: Der Vorgänger wurde in der "französischen Revolution" genannten Aktion quasi zum Rücktritt gezwungen.

"Ich war baff, dass die Aufsichtsräte in diesem urdeutschen Unternehmen das mitgemacht haben. Aber sie haben gesehen, dass das gut für die Rewe war. In Frankreich wäre das nicht gegangen." Die Verantwortung für die Firma scheint ihm in Deutschland viel stärker ausgeprägt.

Umgang mit Ver.di ist "geradezu ein Vergnügen"

Und der Umgang mit Ver.di sei "geradezu ein Vergnügen" im Vergleich zu dem mit französischen Gewerkschaften. Und überhaupt werde in seinem Heimatland ja dauernd gestreikt. "Jetzt streiken sogar die Polizisten".

Besonders deutlich seien die Unterschiede bei den Karrierechancen: Wer in Frankreich keine der Eliteschulen besucht habe oder gar nur eine Lehre absolvierte, kann laut Caparros die Top-Karriere vergessen. Hierzulande dagegen könne es auch jemand, der mit einer Lehre gestartet ist, weit bringen. "In Deutschland wird Leistung belohnt, in Frankreich nur das Networking. Das ist das Potenzial von Deutschland."

"Franzosen sind nicht weltoffen"

Anders als in deutschen Großkonzernen werde in französischen Sitzungszimmer zudem kein englisch gesprochen: "Die Franzosen sind nicht weltoffen und auch nicht nett. Die meisten von uns sind ein Problem." Er kenne viele Franzosen, die nach einem Jahr in Deutschland nicht mehr weg wollten. Und Caparros selber? " Ich bin gern in Frankreich. Aber nur für drei Tage."

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