05.07.12

Luftfahrt

Air-Berlin-Partner Etihad flirtet mit Air France

Die arabische Airline macht einen weiteren Schritt in Richtung Europa. Etihad verhandelt mit Air France über gemeinsam abgestimmte Flugpläne. Die Zusammenarbeit könnte aber weit darüber hinaus gehen.

Foto: picture-alliance/ dpa/epa
Air-Berlin-Partner Etihad und Air France wollen enger kooperieren. Zeichnet sich ein neues Luftfahrtbündnis ab?
Air-Berlin-Partner Etihad und Air France wollen enger kooperieren. Zeichnet sich ein neues Luftfahrtbündnis ab?

Die arabische Fluggesellschaft Etihad nutzt die Schwäche der europäischen Konkurrenten für einen weiteren Vorstoß. Nach dem Einstieg bei Air Berlin lotet Etihad nun eine Kooperation mit der zweitgrößten europäischen Fluglinie Air France-KLM aus.

Bedrohlich wäre der Schulterschluss insbesondere für die Lufthansa : Mit Etihad fasst einer ihrer schärfsten Wettbewerber vom Golf nun noch stärker in Europa Fuß.

"Wir verhandeln zurzeit über ein Codesharing-Abkommen und glauben, das ist auch eine gute Basis für weiterführende Verhandlungen", sagte Etihad-Chef James Hogan der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Airlines würden Flugpläne abstimmen

Im Zuge dieses Abkommens würden die Fluggesellschaften ihre Flugpläne auf Langstreckenrouten aufeinander abstimmen. Zudem stünden auch die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens sowie die Koordination von Zubringerflügen für die Hauptverbindungen zwischen Paris und dem Etihad-Drehkreuz Abu Dhabi zur Debatte, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungsteilnehmer.

Ob und wann die Verbindung mit der französisch-niederländischen Fluglinie durch eine Kapitalbeteiligung flankiert werde, ließ Hogan offen. "Wir tasten uns bei Air France langsam vor", sagte er. "Wie bei einer ordentlichen Hochzeit wollen wir erst die Verlobung besiegeln."

Für die mitten in der Sanierung steckende Air France hätte das Abkommen Experten zufolge Vorteile. Die Gesellschaft könnte die Flüge in den Mittleren Osten an Etihad abtreten und die verfügbaren Maschinen auf strategisch wichtigeren Routen nach Südamerika und Asien einsetzen, sagte Analyst Yan Derocles von Oddo Securities.

Air-Berlin-Kunden könnten davon profitieren

Vorstellbar sei zudem, das Etihad-Partner Air Berlin auch Teil des neuen Airline-Pakts wird und beispielsweise den Osteuropaverkehr von Air France-KLM übernimmt oder die Drehkreuze in Paris und Amsterdamm stärker anfliegt.

Air-Berlin-Passagiere könnten dort in die Langstreckenflieger von Air-France-KLM umsteigen, führte der Experte aus. Einfach umzusetzen wären solchen Planspiele aber nicht.

Air Berlin trat erst im Frühjahr der von British Airways und Iberia geführten Luftfahrtallianz One World bei – AirFrance-KLM ist Mitglied im Konkurrenzbündnis Skyteam.

Etihad auf Einkaufstour

Etihad gehört keiner der großen Allianzen an. Die staatliche Fluglinie aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hat sich zuletzt an zahlreichen Rivalen beteiligt.

Vor einem halben Jahr hatte Etihad die Beteiligung an Air Berlin auf knapp 30 Prozent aufgestockt und seit Mai halten die Araber auch wenige Prozent an der irischen Fluglinie Aer Lingus. Damit gelten sie auch als Kandidat für das 25-Prozent-Paket an Aer Lingus, dass die irische Regierung verkaufen will.

Air France hatte bereits Anfang März angekündigt, mit Etihad über eine Kooperation sprechen zu wollen. Air France kämpft ähnlich wie der Wettbewerber Lufthansa mit hohen Personalkosten und leidet unter der Konkurrenz durch Billigflieger und schnell expandierende Rivalen aus dem Mittleren Osten.

Neben Etihad machen Emirates aus Dubai und Qatar Airways vielen europäischen Rivalen bereits auf Langstrecken Konkurrenz. Alle bisherigen Maßnahmen, um Kosten zu drücken, wurden jedoch von den stark gestiegenen Ölpreisen zunichtegemacht.

Nach einem operativen Verlust von knapp 600 Millionen Euro im ersten Quartal will Air France nun mehr als 5000 Arbeitsplätze abbauen.

Quelle: Reuters/dma
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