05.07.12

Pflegeberufe

Immer mehr Leiharbeiter in Klinken und Heimen

In Altenheimen und Krankenhäusern ist die Leiharbeit auf dem Vormarsch: Innerhalb von sechs Jahren ist die Zahl der Zeitarbeiter um 400 Prozent nach oben geschnellt. Die Entlohnung ist gering.

Foto: DPA
Krankenschwester
Krankenschwester im Dienst: In der Branche gibt es bereits mehr als 16.000 Leiharbeiter

Die Zahl der Leiharbeiter in Altenheimen und Krankenhäusern ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit berichtet, hat sich die Zahl der verliehenen Pflegekräfte von 2005 bis 2011 um mehr als 400 Prozent auf etwa 16.350 erhöht.

Wie aus einer Antwort der Bundesagentur auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervorgehe, lag der Durchschnittslohn dieser Leiharbeiter bei etwa 1600 Euro brutto im Monat.

Knapp zwei Drittel der Leiharbeiter seien auf ein Gehalt unterhalb der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle gekommen, die für einen Alleinstehenden bei 1802 Euro monatlich liegt, hieß es. Der Durchschnittsverdienst im Gesundheits- und Sozialwesen habe Ende 2010 dagegen 2456 Euro brutto im Monat betragen.

Die Linken-Politikerin Zimmermann sagte, der Anstieg der Leiharbeit in Kliniken und Pflegeheimen sei ein deutlicher Hinweis auf eine voranschreitende Unterfinanzierung des Pflegesektors. Die Bundesagentur erwartet laut "Süddeutscher Zeitung", dass die Leiharbeit in der Pflege weiter wächst, weil sie einen Beitrag zur Bekämpfung des drohenden Fachkräftemangels darstelle.

Konjunkturabkühlung in der Industrie

Nach Einschätzung der IG Metall Bayern gefährdet die Konjunkturabkühlung in ihrer Branche vor allem Zeit- und Leiharbeiter. "Die werden die ersten sein, die es treffen wird", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler. Auch Kurzarbeit für Stammbeschäftigte schloss er nicht aus. Er erwarte aber keine Krise wie 2008 und keine Entlassungen.

Die Zahl der Leiharbeiter in Metall und Elektroindustrie werde aber nicht nur wegen der Konjunkturabschwungs sinken, sondern auch wegen der kräftigen Zuschläge für Leiharbeiter nach dem neuen Tarifvertrag. "Der große Vorteil Lohndumping fällt weg", sagte Wechsler.

Gegenüber dem Höchststand sei die Zahl der Leiharbeiter im Freistaat bereits um rund 5000 auf unter 35.000 gesunken – "auch durch Übernahmen in feste Arbeitsverhältnisse", betonte der Gewerkschaftschef. Die Unternehmen achteten darauf, keine Mitarbeiter zu verlieren, die sie im nächsten Aufschwung dringend wieder brauchten.

Quelle: epd/dpa/lw
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