01.07.12

Neuer Chef

Kann Jim Yong Kim die Weltbank retten?

Jim Yong Kim hat Robert Zoellick als Weltbank-Chef abgelöst – und steht sofort vor einem schwierigen Spagat: Die Hoffnungen der Schwellenländer zu erfüllen, ohne die Industriestaaten zu verärgern.

Foto: DAPD
Weltbank
Der neue Weltbank-Präsident Jim Yong Kim schaut kritisch: Vor ihm liegt keine einfache Aufgabe

Jim Yong wer? So fielen die ersten Reaktionen aus, als Jim Yong-kim vor zweieinhalb Monaten zum neuen Weltbank-Chef ernannt wurde. Kim war ein Unbekannter, eine unorthodoxe Wahl. Anders als seine elf Vorgänger ist der 52-Jährige Amerikaner kein erprobter Krisenpolitiker, sondern Wissenschaftler und Entwicklungsexperte.

Zwar ist die Weltbank genau für letzteres zuständig, für die Entwicklung unterentwickelter Länder. Dennoch wird die Wahl des Arztes, der nun die Amtsgeschäfte von Robert Zoellick übernimmt, von etlichen Experten skeptisch gesehen.

Kann Kim, zuletzt Leiter der US-Elite-Universität Dartmouth, im harten Politikgeschäft bestehen? Das ist eine der zwei großen Fragen, die Kims Amtsantritt begleiten. Die zweite lautet: Wie will der neue Präsident den drohenden Bedeutungsverlust der Weltbank stoppen?

Die Weltbank wird seit ihrer Gründung traditionell von einem Amerikaner geführt. Bei Kims Wahl gab es zum ersten Mal Gegenkandidaten aus Schwellenländern, die allerdings chancenlos waren. Die Abkehr von der Nominierung eines politischen Schwergewichts aus dem Washingtoner Establishment war aber immerhin ein Zugeständnis der Amerikaner an die Schwellenländer, dass sich etwas ändern soll in der Bank.

Die Weltbank mit 188 Mitgliedstaaten und mehr als 9000 Mitarbeitern ist zuletzt gegenüber ihrer Schwesterorganisation, dem Internationalen Währungsfonds (IWF), deutlich in den Hintergrund gerückt. "Zoellick schaffte es nicht, eine Vision der Rolle der Weltbank im 21. Jahrhundert zu zeichnen", schreibt Richard Behar, ein guter Kenner der Weltbank, im Wirtschaftsmagazin "Forbes".

BRICS-Staaten wollen eigene Bank gründen

So ist China noch immer einer der größten Kunden der Weltbank, obwohl die Volksrepublik längst selbst Entwicklungshilfe an andere Länder vergibt. Zudem haben die regionalen Entwicklungsbanken in China und Südamerika deutlich an Einfluss gewonnen. Die asiatische Entwicklungsbank ADB etwa hat heute mehr Geld zu Verfügung als Weltbank.

Und die BRICS-Staaten – also Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – wollen eine eigene Entwicklungsbank gründen. Gut möglich, dass einige Entwicklungsländer bald bei dieser Bank vorstellig werden, und nicht mehr bei der Weltbank. Einige Experten fordern angesichts dieser Entwicklungen gar, die Weltbank in den regionalen Banken aufgehen zu lassen.

Das sieht Kim natürlich ganz anders. "Eine Ära der außergewöhnlichen Möglichkeiten verlangt nach einer außergewöhnlichen globalen Institution", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Financial Times". Er kündigte bereits an, einen Schwerpunkt auf das Thema Gesundheit zu legen, dem Feld, aus dem er kommt. Der gebürtige Südkoreaner ist Mitbegründer der humanitären Einrichtung "Partners in Health", die sich seit einem Vierteljahrhundert für die weltweite medizinische Behandlung von Armen einsetzt.

Kim wird es in seiner neuen Rolle nicht leicht haben. Auf der einen Seite muss er den gestiegenen Einfluss der Schwellenländer berücksichtigen. Viele dieser Länder sehen die Weltbank bis heute als verlängerten Arm der USA.

Schwellenländer hoffen auf mehr Gehör

In der Vergangenheit hat die Weltbank immer wieder nach dem gleichen Muster rücksichtslos Sparprogramme und marktwirtschaftliche Reformen in den Entwicklungsländern durchgedrückt. Diese Staaten hoffen nun, dass Kim stärker auf die Bedürfnisse der einzelnen Länder eingeht.

Auf der anderen Seite muss Kim dabei aber aufpassen, nicht zu sehr Teile der Bank und der Politik gegen sich aufzubringen, die markwirtschaftliche Reformen nach wie vor für den einzigen Weg halten, Wachstum zu schaffen.

Einen Vorgeschmack darauf, was ihm blühen könnte, bekam er bereits kurz nach seiner Nominierung. In seinem Buch "Dying for Growth" hatte Kim geschrieben, dass das Streben nach Wachstum das Leben von Millionen von Frauen und Männern verschlechtert habe. "Kim wäre der erste Präsident der Weltbank, der auf Anti-Wachstums-Kurs zu sein scheint", ätzte William Easterly, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der New York University.

Kim versuchte die Kritik zu kontern, in dem er eine Art Mittelweg skizzierte. "Jedes Land muss seinen eigenen Wachstumsweg finden", schrieb er in dem Gastbeitrag für die "Financial Times". "Aber unsere gemeinsame Mission lautet sicherzustellen, dass eine neue Generation von Gering- und Mittelverdienern nachhaltig am ökonomischen Erfolg teilhaben kann." Ab heute muss Kim zeigen, wie er diese Mission erfüllen will.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Endspurt: Die Baukräne am Kapelle-Ufer drehen sich für das Bildungsministerium. Es soll 2014 fertig sein.
19:38Baustellen
Es geht voran - In Berlin werden doch Großprojekte fertig

Eines der größten Bauvorhaben des Bundes in Berlin geht in die Zielgerade. Für den Neubau des Innenministeriums wurde jetzt Richtfest gefeiert. Auch andere große Bauvorhaben in Mitte kommen gut voran. mehr...


Sängerin Beyoncé ist in der O2 World in Friedrichshain zu Gast
18:54Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Donnerstag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Donnerstag, den 23. Mai. mehr...


Der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß war von der großen Mehrheit für seinen Vorschlag selbst überrascht
20:11Landespolitik
Berliner SPD-Vorstand billigt Bundestagsliste von Jan Stöß

Erfolg für den SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß: Der Landesvorstand hat am Mittwochabend seinem Vorschlag für die Bundestagsliste mit großer Mehrheit zugestimmt. Spitzenkandidatin soll Eva Högl werden. mehr...


US-Präsident Barack Obama ließ eine Erklärung von Botschafter Philip D. Murphy im Friedrichstadt-Palast verlesen
20:33Erklärung
Barack Obama unterstützt den Berliner Christopher Street Day

US-Botschafter Philip D. Murphy verlas im Friedrichstadt-Palast eine Erklärung Obamas. "Wenn wir alle gleich beschaffen sind, dann muss die Liebe zueinander gleich sein", ließ der Präsident verkünden. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote