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13.04.09

Forsa-Umfrage

Bürger lehnen Umbau der Krankenversicherung ab

Beim Thema Gesundheit sind die Deutschen erzkonservativ. Die meisten Versicherten lehnen große Reformen der Krankenversicherung ab, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Barmer Ersatzkasse. Auf die Barrikaden gehen die Deutschen, wenn Leistungen für alte Menschen gekappt werden sollen.

© DDP
Ärzte an der Uni Heidelberg operieren einen Patienten: Die Bürger wollen nach einer Forsa-Umfrage keine Veränderungen beim Thema Gesundheit
Ärzte an der Uni Heidelberg operieren einen Patienten: Die Bürger wollen nach einer Forsa-Umfrage keine Veränderungen beim Thema Gesundheit

Die Deutschen wollen keine großen Veränderungen an der bestehenden Gesundheitsversorgung. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für die Barmer Ersatzklasse hervor. Barmer-Chef Johannes Vöcking zieht daraus den Schluss, dass die Parteien nicht mit radikalen gesundheitspolitischen Forderungen in den Bundestagswahlkampf ziehen sollten. "Die Bürger sind gegen Experimente. Sie sagen: Fummelt nicht immer weiter am System herum", sagte Vöcking Morgenpost Online ONLINE.

Die Umfrage zielt auf einige in der Politik immer wieder diskutierte Veränderungen am Gesundheitssystem. Dazu gehört etwa, dass die gesetzlichen Krankenkassen auf eine Basisversicherung beschränkt werden. Das Angebot ihrer Leistungen – und damit auch der Beitragssatz – wären dann deutlich geringer. Zwei Drittel der Befragten lehnen dies ab, aber fast jeder Vierte wäre dafür. Der Umfang dieser Versicherung ist in der Diskussion allerdings nie genau definiert worden.

Noch unbeliebter ist es, die Leistungen für die Versicherten ab einem bestimmten Alter einzuschränken und zum Beispiel alten Menschen keine neues Hüftgelenk mehr einzusetzen.

Die Versicherten lehnen auch Vorschläge ab, Rechnungen für Arztbesuche oder Medikamente zunächst aus eigener Tasche vorzufinanzieren und sich das Geld dann von der Kasse wiederzuholen. Rund 80 Prozent der Befragten wollen, dass Arzt und Apotheke nach wie vor direkt mit der Kasse abrechnen und sie selbst die medizinische Leistung quasi kostenlos bekommen. Damit äußeren sich die Befragten gegen Versuche, mehr Kostenbewusstsein zu wecken.

Gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der befragten Versicherten ist dazu bereit, mehr Geld für eine bessere medizinische Versorgung zu zahlen. Auf die Frage, ob sie höhere Steuern oder höhere Krankenkassenbeiträge zahlen würden, damit Geld in medizinischen Fortschritt investiert werden kann, antworten 53 Prozent mit Ja und 42 Prozent mit Nein.

Barmer-Chef Vöcking erklärt sich dieses Ergebnis damit, dass die Versicherten kritischer werden und den Fortschrittsversprechen nicht mehr uneingeschränkt glauben. "Sie wollen genauer als bisher wissen, welche Vorteile eine teurere Behandlung ihnen wirklich bringt. Es geht nicht mehr um Fortschritt um jeden Preis." Der Kassenchef leitet aus dem Ergebnis auch die Forderung nach einer besseren Versorgungsforschung ab: "Wir müssen genauer als bisher klären: Was bringt das, was wir machen?"

Die Barmer ließ auch untersuchen, ob die Versicherten es gut fänden, wenn Ärzte und Krankenhäuser in wohlhabenden Regionen mehr Geld bekämen als in anderen Teilen Deutschlands. Diese Forderung hat die CSU im Zusammenhang mit dem Streit um die Ärztehonorare erhoben. Die Partei argumentiert damit, dass bayerische Versicherte aufgrund der tendenziell höheren Gehälter in Bayern mehr Geld an die Kassen zahlen und diese den Medizinern dort mehr Honorar zahlen sollen. 75 Prozent der Befragten empfinden dies als nicht gerecht. "Die Menschen wollen keinen Länder-Egoismus und keine Kleinstaaterei, sondern gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland", sagt Vöcking.

Das Ergebnis der Umfrage versteht Vöcking, der selbst CDU-Mitglied ist, als Bestätigung der Politik von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Die gesundheitspolitischen Vorstellungen der Unionsparteien würden nur in Teilen bestätigt. Die Pläne der FDP kämen bei der Bevölkerung überhaupt nicht gut an, meint der Barmer-Chef. "Man kann keine Gesundheitspolitik gegen die Wünsche der Bevölkerung machen", sagt er.

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