22.06.12

Deutscher Arbeitsmarkt

Zahl der Minijobber sinkt um 140.000

Mit Minijobs bekämpft die Regierung die Schwarzarbeit, denn der Großteil der Minijobber sind Haushaltshilfen. Gewerkschaften befürchten jedoch einen Verlust von Vollzeitstellen durch Minijobs.

Foto: DPA
Minijob im Einzelhandel
Eine Stellenanzeige für einen Minijob über 400 Euro klebt am Schaufenster eines Textilgeschäfts

Die Zahl der Minijobber ist in den ersten drei Monaten des Jahres um mehr als 140.000 zurückgegangen. Mit 6,99 Millionen geringfügig entlohnten Beschäftigten gab es damit nur 53.000 Minijobber mehr als im Ausgangsjahr 2004.

Das geht aus dem noch unveröffentlichten Quartalsbericht der Minijobzentrale hervor, der "Berliner Morgenpost" vorliegt. Der Zuwachs gegenüber 2004 erklärt sich allein aus der politisch gewollten Zunahme von geringfügiger Beschäftigung im privaten Haushalt. Diese stieg um 129 Prozent auf mehr als 234.000.

Immer mehr Haushalte melden ihre schwarzarbeitenden Putzfrauen als Minijobber an. Während die Zahl der geringfügig Beschäftigten damit seit 2004 nur um 0,8 Prozent stieg, legte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im gleichen Zeitraum um 2,4 Millionen oder neun Prozent zu.

Minijobs sind Bestandteil der Hartz-IV-Reform

"Von einer Verdrängung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung durch Minijobs kann angesichts dieser Fakten keine Rede sein", sagte der Chef der Minijob-Zentrale, Erik Thomsen, "Berliner Morgenpost". "Wir freuen uns, dass immer mehr Arbeitgeber ihre Haushaltshilfen anmelden."

Die Minijobs wurden im Zuge der Hartz-Reformen im April 2003 von der damaligen rot-grünen Bundesregierung eingeführt. Sie sollten Arbeitslosen als Einstieg in den Arbeitsmarkt dienen und die Schwarzarbeit bekämpfen. Bis zu einer Grenze von 400 Euro im Monat zahlen die Minijobber weder Steuern noch Sozialabgaben. Während Union und FDP die Grenze auf 450 Euro anheben wollen, fordern SPD, Grüne und Gewerkschaften eine Eindämmung der geringfügigen Beschäftigung.

"Minijobs sind ein anerkannter Teil des erfolgreichen deutschen Arbeitsmarktes", sagte der FDP-Arbeitsmarktpolitiker Johannes Vogel "Berliner Morgenpost". "Sie sind für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen attraktiv und helfen dabei, Schwarzarbeit zu vermeiden." Deshalb wäre es völlig widersinnig, sie zu reduzieren oder abzuschaffen, erklärte der FDP-Politiker. Die Koalition wolle sie vielmehr gezielt verbessern.

Bundesagentur lobt Einrichtung der Minijobs

Dagegen kritisiert der DGB, Vollzeitstellen würden in Minijobs mit miserablen Arbeitsbedingungen, schlechter Bezahlung und ohne soziale Absicherung aufgespalten. Millionen von Beschäftigten seien in "Kleinst-Jobs im Niedriglohnsektor eingemauert". Auch SPD und Grüne klagen, die Minijobs seien für viele Beschäftigte eine Sackgasse. Minijobs gingen mit Niedriglöhnen einher und führten zu Altersarmut.

Die Bundesagentur für Arbeit warnt davor, Minijobs schlecht zu machen. Für Unternehmen sei es wichtig, flexibel zu sein. Für Langzeitarbeitslose könnte der Minijob ein Schritt sein, um wieder Teil der Arbeitswelt zu werden. In einem Modellprojekt in Nordrhein-Westfalen wollen die Jobcenter allerdings nun verstärkt dafür werben, dass Arbeitgeber Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umwandeln.

Nach dem aktuellen Quartalsbericht der Minijobzentrale sind Minijobs vor allem Frauensache. Im gewerblichen Bereich stellen sie 62 Prozent der geringfügig Beschäftigten, im Privathaushalt sogar 92 Prozent. Die meisten Minijobber sind im Handel, im Gastgewerbe und im Gesundheits- und Sozialwesen beschäftigt.

Beliebt sind Minijobs vor allem bei den Senioren: Mit rund 1,3 Millionen bilden die über 60-jährigen die größte Altersgruppe unter den Minijobbern, gefolgt von 1,1 Millionen Minijobbern unter 25 Jahren. Diese Zahlen zeigen, dass sich vor allem Rentner, Schüler und Studenten so etwas dazuverdienen. Da die Arbeitgeber für jeden Minijob 30 Prozent Steuern und Abgaben zahlen, profitieren auch Fiskus und Sozialkassen.

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