17.06.12

Ohne Worte

Opel-Mitarbeiter verlassen aus Protest Betriebsversammlung

Im Streit um die geplante Schließung des Opel-Werks in Bochum ist es auf einer Betriebversammlung zu einem Eklat gekommen.

Foto: DPA
Belegschaftsversammlung bei Opel
Turbulente Betriebsversammlung bei Opel in Bochum: Im Kampf um den Erhalt des Werks auch über 2016 hinaus gibt sich der Betriebsrat kämpferisch

Die Bochumer Opelaner sind für eine deutliche Sprache und klare Ansagen bekannt. Das hat auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke zu spüren bekommen, als er sich auf der Betriebsversammlung im Ruhrcongress nicht zur Zukunft des Opel-Werks ab 2017 bekennen will. Spontan brechen die rund 2000 Opel-Beschäftigten die Veranstaltung ab und lassen das Management im Saal zurück. Das Treffen ist bereits nach etwa 90 Minuten beendet. Eine geplante Rede von Personalvorstand Holger Kimmes fällt aus.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) will die Produktion in den europäischen Fabriken des verlustreichen Autoherstellers anders organisieren, um Kosten zu sparen. Werksschließungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Von den vier deutschen Werken ist nur Bochum bedroht, dort läuft nahezu ausschließlich der Zafira vom Band, das Modell läuft aber aus. GM hat sich bisher nicht zu einem Nachfolger geäußert. In Bochum arbeiten zurzeit 4200 Beschäftigte.

Das Stammwerk in Rüsselsheim mit der Entwicklung und 13.800 Beschäftigten ist nicht gefährdet, ebenso wenig die Fabrik in Eisenach (1500 Mitarbeiter), in der neben dem Corsa bald der Kleinstwagen Adam hergestellt werden soll. In Kaiserslautern fertigen 2600 Mitarbeiter Fahrzeugbauteile.

Hoffen auf Streik

Das Opel-Management will mit der IG Metall und den Betriebsräten über einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 verhandeln. Bochum soll nicht schon 2015 geschlossen werden, sondern frühestens zwei Jahre später. Das Management erwartet dafür Entgegenkommen bei der Umsetzung des Tarifabschlusses 2012.

Den Opelanern ist die Freude über die Provokation am Sonnabend anzumerken. "Geschieht ihnen recht. Was anderes verstehen die ja nicht", sagt einer. "Das war jetzt der erste Schritt, um zu zeigen, dass wir uns nicht mehr alles gefallen lassen", sagt Dario Krockenberger, der bei Opel im Rohbau arbeitet. Ein Kollege ergänzt, dass er jetzt auf einen Streik hoffe.

Der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel nimmt den ungewöhnlichen Ausgang der Versammlung mit Stolz auf. "Wir haben zur richtigen Zeit die richtige Antwort gegeben", sagt er. Solange die Opel-Leitung die "Planspiele" zur Schließung des Werkes nach 2016 "nicht vom Tisch" nehme, behalte man sich "kreative Aktionen" vor. Wie die aussehen könnten, dazu möchte der Betriebsratschef noch nichts sagen. Die Botschaft an das Opel-Management laute einstweilen: "Wir sind bereit, euch zu überraschen!"

Quelle: dpa/dapd/art
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