Troika
Schäuble will Spanien an die kurze Leine nehmen
Ähnlich wie in Griechenland soll auch in Spanien eine Troika die Reformanstrengungen von Premierminister Rajoy überwachen. Finanzminister Schäuble besteht aber auf einem wichtigen Unterschied.
Für die zugesicherten 100 Milliarden Euro Notkredite an Spanien hat Bundesfinanzminister Schäuble eine genaue Überwachung der spanischen Reformen angekündigt. "Es wird genau so eine Troika geben. Es wird genau so überprüft werden, dass das Programm eingehalten wird", sagte er im Deutschlandfunk.
Allerdings beziehe sich die Kontrolle ausschließlich auf die Restrukturierung des Bankensektors. Spanien hatte am Wochenende angekündigt, zur Sanierung seines Bankensystems Milliardenhilfen der Europartner zu beantragen.
Als Gründe für das wankende Bankensystem in Spanien verwies Schäuble unter anderem auf Probleme auf dem Immobilienmarkt. Die aktuellen Schritte seien eine Erkenntnis aus der Immobilienkrise in den USA. "Als Lehre aus der Krise von damals haben wir Spanien geraten: Ihr müsst die spanischen Banken mit genügend Geld ausstatten - ob die das wollen oder nicht."
Aus dem Rettungsfonds EFSF erhalten bereits die drei Länder Portugal, Irland und Griechenland Nothilfen für ihre gesamten Haushalte. Sie müssen dafür weitreichende Reform- und Sparauflagen - nicht nur in der Bankenbranche – einhalten. Im Juli soll der EFSF durch den permanenten Rettungsfonds ESM abgelöst werden, der anders als der EFSF auch über Bareinlagen der Euroländer verfügt.
Finanzmärkte reagieren positiv
Börsenhändler zeigten sich zufrieden mit dem Rettungspaket für die spanischen Banken. Der Dax legte zur Eröffnung 2,1 Prozent auf 6282 Punkte zu. Der EuroStoxx50 notierte 1,6 Prozent fester.
"Die Hilfen für die spanischen Banken deuten darauf hin, dass die europäischen Politiker weitere Kursturbulenzen an den Finanzmärkten und Risiken für die Weltkonjunktur verhindern wollen", sagte Investment-Stratege Takao Hattori von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Die Details der Hilfszahlungen seien aber noch ebenso unklar wie der Ausgang der griechischen Parlamentswahlen am 17. Juni.
In Tokio zog der Nikkei-Index um zwei Prozent auf 8630 Zähler an. Der chinesische Shanghai Composite stieg um 0,7 Prozent auf 2297 Punkte.
Auch der Euro profitierte spürbar von dem Hilfsangebot. Am Montagmorgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,2640 US-Dollar und damit eineinhalb Cent mehr als am Freitagabend. Ein Dollar war zuletzt 0,7911 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagmittag noch deutlich niedriger auf 1,2468 Dollar festgesetzt.
Anleger seien froh, dass das Worst-Case-Szenario einer weiteren Verschärfung der Schuldenkrise vorerst ausbleibe, sagte Finanzmarkt-Experte Tony Nunan von Mitsubishi Corp. "Die Grundprobleme Europas sind aber nicht verschwunden und die Skepsis wird zurückkehren."


















