01.06.12

Kommentar

Zu viele Probleme im ehemaligen Reich von Anton Schlecker

Ändern kann der Patriarch von Ehingen seinen Versäumnisse nicht mehr. Aber er könnte die Größe aufbringen, sich zu dem Desaster zu äußern.

Foto: DPA
Aus für Schlecker beschlossen
Für Fälle wie Schlecker gibt es in der Marktwirtschaft das scharfe Schwert der Insolvenz: Wenn andere Firmen besser sind, fliegt der Schwache irgendwann aus dem Wettbewerb

Das Wunder von Ehingen kam nicht. Kein Investor war bereit, sich das Abenteuer eines Neustarts von Schlecker auf eigene Rechnung anzutun.

Eine Überraschung ist das nicht mehr: zu viele Risiken stehen zu wenigen Chancen gegenüber. Und in einem solchen Fall ist das berühmte Ende mit Schrecken sinnvoller als der Schrecken ohne Ende – bevor die Drogeriemarktkette noch mehr Geld der Gläubiger verbrennt.

Die jüngste Ver.di-Forderung nach mehr Zeit für die Investorensuche ist angesichts des drohenden Verlustes von 13.000 Jobs verständlich – es hätte nur nichts gebracht, Schlecker wäre auch in einer oder zwei Wochen nicht zur lohnenden Anlage geworden.

Dafür gibt es einfach zu viele ungelöste Fundamentalprobleme im ehemaligen Reich des Anton Schlecker: Neben dem Geschäftskonzept, mit dem die Kette täglich Verluste schreibt, sind es die mangelnde Finanzausstattung und der Streit mit Ver.di um den Sanierungstarifvertrag sowie die über 4000 Kündigungsschutzklagen.

Und nicht zuletzt die starke und immer stärker werdende Konkurrenz von dm, Rossmann, Müller und anderen Händlern, die schon seit Monaten ihre Umsätze zum Teil um zweistellige Prozentsätze steigern, weil ehemalige Schlecker-Kunden zu ihnen gewechselt sind.

Für Fälle wie Schlecker gibt es in der Marktwirtschaft nun mal das scharfe Schwert der Insolvenz: Wenn andere Firmen besser sind, fliegt der Schwache irgendwann aus dem Wettbewerb. Und das ist gut so. Warum dieser Prozess, wie von Ver.di gefordert, im Falle Schlecker durch zusätzliche öffentliche Leistungen abgefedert werden soll, erschließt sich indes nicht.

Immerhin haben viele der 13.000 verbliebenen Mitarbeiterinnen Chancen, bei anderen Händlern unterzukommen. Denn die Deutschen waschen sich ja nicht plötzlich seltener, nur weil es ihren Schlecker-Laden nicht mehr gibt. Sie werden weiter Shampoo, Deo und Waschmittel kaufen – bei anderen Ketten. Diese Profiteure des Schlecker-Endes werden neue Läden aufmachen und ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen einstellen. Viele von ihnen allerdings werden auch auf der Strecke bleiben.

Fragt man nach der Verantwortung, ist und bleibt Anton Schlecker die entscheidende Figur: Ihm gebührt auf einer Seite die Ehre, aus dem Nichts Deutschlands mit Abstand größten Drogeriemarktanbieter geschaffen zu haben. Aber auch die Schmach, dieses Imperium zerstört zu haben, vor allem, weil er wesentliche Veränderungen um sich und das Unternehmen herum ignorierte. Denn die Maßstäbe in der Gesellschaft haben sich auch im Handel mit Zahnpasta und Bodenreiniger verändert – sowohl bei Art des Wettbewerbs um die Kunden, als auch bei der Behandlung der Mitarbeiter.

Ändern kann Anton Schlecker seine Versäumnisse nicht mehr. Aber er könnte endlich die Größe aufbringen, sich zu dem Desaster zu äußern. Und sich zumindest bei denen entschuldigen, die jetzt ausbaden müssen, was er angerichtet hat.

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Schlussverkauf in 2800 Filialen
  • Schnäppchen

    Bevor die rund 2800 zuletzt noch verbliebenen Schlecker-Läden in Deutschland schließen, soll es einen groß angelegten Warenabverkauf geben. Der Ausverkauf wird voraussichtlich Ende der kommenden Woche beginnen. Er solle längstens bis Mitte Juli andauern.

  • Rabatte

    Schon bevor Schlecker Ende März knapp 2000 Läden geschlossen hatte, hatte die Drogeriekette mit Rabatten von mindestens 30 Prozent gelockt. Teilweise waren Produkte um mehr als die Hälfte reduziert worden. Einzige Ausnahme bildeten Zeitschriften und Bücher.

  • Filialen

    Während dm und Rossmann einige Schlecker-Frauen einstellen wollen, hält sich das Interesse an den Filialen in Grenzen. 98Prozent der Schlecker-Filialen seien für das Konzept der beiden Konkurrenten zu klein, hieß es am Freitag aus beiden Unternehmen.

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