21.05.12

Mobile Zukunft

Wie Elektromobilität wirklich funktionieren kann

In der Hauptstadt arbeiten Experten aller führenden Hersteller an alltagstauglichen Konzepten für die individuelle Mobilität von morgen. Elektroautos sind dabei nur eine Option.

Foto: BMW Group MediaPool

Auf das elektrische Concept e setzt BMW große Hoffnungen für den Stadtverkehr der Zukunft

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Eine Metropole – ohne Abgasgestank? Straßenverkehr – ohne Lärm? Fortbewegung – ohne der Umwelt zu schaden? Wer solche Szenarien entwirft, ist keineswegs ein weltfremder Utopist, vielmehr ein Realist mit Weitblick. Elektromobilität ist der Schlüssel und viele Konzepte dafür sind bereits erdacht, manche werden erprobt, etliche sind längst Alltag.

In ihrem "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" formuliert die Bundesregierung dazu hochfliegende Pläne: "Bis 2020 sollen mindestens eine Million und bis 2030 mindestens sechs Millionen Elektrofahrzeuge auf den Straßen fahren", heißt es dort.

Wie Elektromobilität tatsächlich funktionieren kann, soll in den nächsten Jahren in der Region Berlin-Brandenburg beispielhaft vorgeführt werden. Anfang des Monats wurde das von beiden Ländern gemeinsam vorgelegte Programm von einer Expertenjury im Auftrag der Bundesregierung gemeinsam mit drei weiteren Regionen unter 26 Bewerbern zum "Schaufenster Elektromobilität" ausgewählt.

Bis zu 50 Millionen Euro an Bundesmitteln werden infolgedessen in den nächsten drei Jahren in die Hauptstadtregion fließen und dort zahlreiche unterschiedliche Einzelprojekte, an denen sich mehr als 250 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Netzwerken beteiligen, mitfinanzieren.

Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, von der alle Aktivitäten rund um das Thema Elektromobilität koordiniert werden, erläutert: "In der Hauptstadtregion soll die gesamte Wertschöpfungskette der Elektromobilität von der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zur Anwendung und Ausbildung abgebildet werden."

Hier hatte die elektrische Straßenbahn Weltpremiere

Dass Berlin in Sachen Elektromobilität Vorbildcharakter bekommen soll, ist aus historischer Sicht eigentlich fast zwangsläufig. Schließlich fuhr hier schon am 16. Mai 1881 die erste elektrische Straßenbahn der Welt.

Wie prominent das Thema Elektromobilität in der Hauptstadtregion gehandelt wird, belegt die Partner-Liste des "Schaufensters". Die deutschen Leitwölfe aus den Sparten Verkehr, Logistik, Fahrzeugbau und Energieversorgung sind fast vollzählig dabei, neun der zehn weltweit führenden Automobilkonzerne sind vertreten, alle deutschen Hersteller sowieso.

Denen attestiert Ferdinand Dudenhöffer, Inhaber des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen hier freilich erheblichen Nachholbedarf: "Deutschland drohte bei den Fahrzeugen mit Elektroantrieben schon fast Schusslicht zu werden." Kurzfristig sieht der Automobilexperte in reinen Elektroautos keine echte Option, "mittel- und langfristig sind sie aber sehr wichtig".

Allerdings, so Dudenhöffer, könne er sich gut vorstellen, dass in großen Städten nicht Autos mit Elektroantrieb, sondern Roller eine wichtige Rolle spielen könnten.

Auf diese Idee ist auch schon der eine oder andere Automobilhersteller gekommen. So verkündete erst vor wenigen Tagen der Vertriebs- und Marketingchef von Mercedes, Joachim Schmidt, dass die Mercedes-Kleinstwagenmarke Smart 2014 auch einen E-Scooter auf den Markt bringen will: "Die Entscheidung für den E-Scooter ist gefallen."

Zweiräder als Lösung der Verkehrsproblematik

Zu den Automobilriesen, die sich nicht nur auf vierrädrige Elektrofahrzeuge konzentrieren, gehört auch BMW. Dort arbeiten Ingenieure und Designer daran, einen Roller mit Elektroantrieb zu entwickeln und serientauglich zu machen. Christian Landerl, Leiter Entwicklung und Baureihen BMW Motorrad, sieht Zukunftschancen für elektrisch angetrieben Zweiräder vor allem bei Rollern für den urbanen Einsatz.

"Noch spielen elektrisch angetriebene Fahrzeuge im Zweiradbereich keine große Rolle. Das wird sich ändern, sobald solche Fahrzeuge die Kundenanforderungen bezüglich Fahrleistung, Reichweite und Preis voll erfüllen können."

Ohnehin könnten Zweiräder zur Lösung der Verkehrsproblematik in den wachsenden Städten beitragen, erläutert Landerl: "Städte wie Paris, Rom, London oder Barcelona beziehen Chancen durch das motorisierte Zweirad bereits in ihre Verkehrspolitik ein.

Auch in Deutschland, so meint der BMW-Experte, seien solche Fahrzeuge interessant: "Trotz des im Vergleich zu Südeuropa etwas raueren Klimas, gibt es de facto nur relativ wenige Tage, in denen man einen Roller in der Stadt nicht nutzen kann – zumal er relativ viel Wind- und Wetterschutz bietet. Und die Affinität zu alternativen Fahrzeugantrieben dürfte in Deutschland stark genug sein."

Wer auf einem Roller mit Elektromotor sitzt, soll dies aber nicht nur aus ökologischem Pflichtbewusstsein tun.

Auch das Arbeitgeberimage hilft

Christian Landerl ist überzeugt, dass auch das "Fahrvergnügen" nicht zu kurz kommen wird: "Weil der Elektroantrieb schon vom Start weg sehr viel Kraft zur Verfügung stellen kann, erlebt man ein völlig neues, dynamisches Fahrgefühl. Vergleichbare Roller mit Benzinmotor kommen da nur schwer hinterher. Und grade im Stadtverkehr ist ein gutes Spurtvermögen ein großer Vorteil – auch aus Gründen der Sicherheit."

Bei BMW ist die Markteinführung eines Elektroautos für 2013 geplant, der Roller mit Stromantrieb folgt erst danach. Solche Zeiträume sind erforderlich, schließlich sind mit der Planung und Entwicklung zahlreiche Fachleute beschäftigt. Christian Landerl: "Neben den Spezialisten, die viel Know-how im Bereich Motorräder und Roller haben, sind auch Elektroingenieure, Software- und Steuergerätespezialisten gefragt."

Bei BMW arbeiten dabei die Zweirad-Ingenieure mit den Automobil-Ingenieuren quasi unter einem Dach, wie Landerl sagt: "Hier erfolgt ein sehr intensiver Wissenstransfer. BMW-Motorrad nutzt deshalb die Kompetenz im Bereich Zweirad und die Kompetenz im Bereich E-Antrieb aus dem Automobilbereich."

Im Personalbereich profitiert BMW nicht nur von der Zusammenarbeit von Automobil- und Motorrad-Fachleuten, sondern auch von seinem ausgezeichneten Ruf als interessanter Arbeitgeber für Technikfreunde.

Wenn das mit dem Fahrvergnügen bei den Elektrorollern wirklich funktioniert, dann könnte es bis zum Jahr 2020 – allen Unkenrufen zum Trotz – ja vielleicht doch noch klappen, eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bekommen.

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Das Projekt
  • Die Regionen

    Drei weitere Regionen wurden neben Berlin-Brandenbrug von einer Expertenkommission der Bundesregierung als „Schaufenster Elektromobilität“ ausgewählt. Dies sind das „Living Lab BW E-Mobil“ aus Baden-Württemberg, das Konzept „Unsere Pferdestärken werden elektrisch“ aus Niedersachsen sowie das aus Bayern und Sachsen stammende Projekt „Elektromobilität verbindet“.

  • Die Laufzeit

    In den „Schaufenstern“ sollen „die innovativsten Elemente der Elektromobilität gebündelt und deutlich sichtbar und erfahrbar werden“, so Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Für das auf drei Jahre angelegte Programm stellt der Bund Fördermittel in Höhe von bis zu 180 Millionen Euro zur Verfügung.

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