12.05.12

Geringe Auslastung

Lage bei Opel noch dramatischer als bekannt

Der angeschlagene Autobauer Opel wird einem Bericht zufolge 2012 nur rund eine Million Autos bauen. Die europäischen Werke sind lange nicht ausgelastet, Experten zufolge muss GM bald eines schließen.

Foto: DAPD
Opel
Das Opel-Werk in Bochum ist nur zu 77 Prozent ausgelastet

Die Lage beim angeschlagenen Autohersteller Opel ist einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" zufolge offenbar dramatischer als bisher bekannt. Nach der "Focus" vorliegenden streng vertraulichen Produktionsplanung sei das Stammwerk Rüsselsheim nur zu 65 Prozent ausgelastet.

In Gliwice (62 Prozent), Saragossa (59), Luton (57) und Ellesmere Port (55) sei sogar noch weniger zu tun. In Eisenach, wo ab 2013 der Kleinstwagen Adam vom Band laufen soll, seien Maschinen und Anlagen nur zu 66 Prozent ausgelastet, in Bochum zu 77 Prozent. Bei Opel war zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht zu erhalten.

GM kommt um Werksschließung kaum herum

Laut "Focus" wird Opel bis Jahresende nur rund eine Million Autos bauen, bei Kapazitäten für 1,6 Millionen. Der Branchenexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule in Bergisch Gladbach sagte dem Magazin, die Opel-Mutter General Motors (GM) "kommt in Europa nicht darum herum, ein Werk zu schließen".

Rainer Einenkel, Betriebsratschef des Opel-Werks in Bochum, das von Schließung bedroht ist, stellte derweil den Sanierungsbeitrag der europäischen GM-Beschäftigten in Höhe von jährlich 265 Millionen Euro infrage. Er sagte dem Magazin: "Wir bezahlen doch nicht für die eigene Beerdigung."

Die dramatischen Berichte über die Zukunft des angeschlagenen Autoherstellers haben inzwischen Politiker aller Lager aufgeschreckt. Die Ministerpräsidenten der vier deutschen Bundesländer mit Opel-Werken, darunter Hannelore Kraft (SPD) aus Nordrhein-Westfalen, schickten ein gemeinsames Warnsignal an GM. "Wir werden die deutschen Standorte nicht auseinanderdividieren lassen", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sagte in Richtung GM, es könne nicht akzeptiert werden, dass über Wochen niemand wisse, wie es mit den Opel-Werken weitergehe. "Das führt zu einer massiven Verunsicherung", beklagte der CDU-Politiker im Hessischen Rundfunk.

Bouffier und sein Mainzer Amtskollege Kurt Beck (SPD) kommen am Montag zur Unterstützung der Belegschaft zu einer Betriebsversammlung ins Werk Rüsselsheim. In den vergangenen zehn Jahren verlor GM mehr als zehn Milliarden Euro mit Opel. Im ersten Quartal 2012 ging die Verlustserie mit einem Minus von rund 250 Millionen Euro weiter.

C5 statt Astra in Rüsselsheim

Aus dem Bündnis der Opel-Mutter General Motors und des Autoherstellers PSA Peugeot Citroën dringen unterdessen weitere Planspiele zur Aufgabenverteilung an die Öffentlichkeit. Das Opel-Werk in Rüsselsheim könnte statt des Kompaktwagens Astra die Citroën-Mittelklasse-Limousine C5 produzieren, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Die Opel-Unternehmensleitung habe der Belegschaft angeboten, der C5 könne in einigen Jahren in Rüsselsheim vom Band laufen – als Ausgleich für den Astra, den das Unternehmen nach Gewerkschaftsangaben lieber in Polen oder Großbritannien produzieren will.

Ein Opel-Sprecher kommentierte den Bericht lediglich mit den Worten: "Es gibt viele Überlegungen, aber noch keine Entscheidung."

Arbeitnehmer fürchten um Arbeitsplätze

"Berliner Morgenpost" hatte zuvor berichtet, GM wolle Opel auch die Entwicklung des Zafira entziehen. Statt in Rüsselsheim solle der nächste Zafira von Peugeot in Frankreich konstruiert werden. Im Entwicklungszentrum Rüsselsheim seien dadurch mehrere hundert Arbeitsplätze bedroht – was von Opel jedoch dementiert wurde.

Opel und seine britische Schwestermarke Vauxhall kämpfen seit langem mit Verlusten. Die Kosten sollen mit Hilfe eines weiteren Sparpakets abermals gedrückt werden. Bis 2014 sind Kündigungen und Werksschließungen ausgeschlossen. PSA Peugeot Citroën – nach Volkswagen Europas zweitgrößter Autohersteller – steckt wirtschaftlich in einer prekären Lage – unter anderem wegen der Absatzkrise in Südeuropa.

Quelle: Reuters/dapd/cat
Foto: Opel

Die Windschutzscheibe des Zafira scheint niemals aufzuhören – das Panoramaglas sieht toll aus, muss aber mit 1300 Euro extra bezahlt werden.

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Die Opel-Werke
  • Bochum

    In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.

  • Eisenach

    In Eisenach bauen 1524 Beschäftigte den Corsa.

  • Rüsselsheim

    Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. Mitarbeiter: 13.825, davon 3200 in der Produktion.

  • Kaiserslautern

    In Kaiserslautern bauen 2640 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

  • Polen

    In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in dem Werk sind 3523 Menschen beschäftigt.

  • Spanien

    Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.

  • England

    Etwa 2100 Mitarbeiter bauen in Ellesmere Port Astra-Modelle. In Luton werden die baugleichen Transporter Opel Vivaro und Renault Traffic von 1100 Beschäftigten gefertigt.

    Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1736) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt.

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