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27.03.09

Deutsche Häfen

Regierung lehnt Staatsbeteiligung an Werften ab

Ungeachtet der bröckelnden Umsätze im Seefrachtgeschäft will die Regierung auf staatliche Beteiligungen an deutschen Werften und Reedereien verzichten. Kredithilfen für notleidende Unternehmen seien möglich, ein Einstieg des Bundes bei betroffenen Firmen jedoch nicht, sagte die Koordinatorin für die maritime Wirtschaft Morgenpost Online.

© DDP
Debatte ueber Glos-Nachfolge: Moegliche Nachfolgerin Dagmar Woehrl
Dagmar Wöhrl ist Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium

Morgenpost Online: Frau Wöhrl, die maritime Wirtschaft wird mit Wucht von der Krise erwischt. In den Häfen verlieren Tausende Beschäftigte ihre Arbeit, Werften gehen in die Insolvenz, Reedereien legen unbeschäftigte Schiffe vor Anker. In der nächsten Woche fahren Sie zur Maritimen Konferenz nach Rostock. Was ist zu tun?

Dagmar Wöhrl: Natürlich hätte ich mir vorstellen können, dass die Konferenz in besseren Zeiten stattfindet. Wir haben große Probleme in der Containerschifffahrt, die unter dem Einbruch der Weltwirtschaft, hohen Überkapazitäten und einem rasanten Preisverfall der Frachtraten leidet. Und wir müssen damit klarkommen, dass Aufträge bei den Werften storniert werden. Von Januar 2009 bis jetzt sind weitere zehn Schiffe abbestellt worden. Das alles ist kein Umfeld, wie ich es mir wünsche. Aber die Bundesregierung hilft, wo es geht. Die maritime Wirtschaft ist in Deutschland eine Zukunftsbranche. Wir sind in einem Tal, aber da werden wir wieder herauskommen.

Morgenpost Online: Was machen Sie, wenn der Ruf nach Verstaatlichung einzelner Problemfälle unter den Werften oder Reedereien laut wird?

Wöhrl: Von Verstaatlichungen halte ich überhaupt nichts, das sage ich ganz offen. Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer. Weder die Bankengruppe KfW noch die Bunderregierung werden sich an Werften oder anderen maritimen Unternehmen beteiligen. Es gibt eine ganz klare Aufgabenteilung: Wir unterstützen bei der Finanzierung, das wird sehr gut angenommen. Die Unternehmen machen ihre Arbeit.

Morgenpost Online: Vor der Tür des Rostocker Kongresses steht die Wadan Werft. Die hat seit 2006 keine Aufträge mehr bekommen und wird durch Staatskredite am Leben gehalten. Auch der größte Werftbetrieb im Land, Thyssen-Krupp, hat Probleme. Stirbt der deutsche Schiffbau?

Wöhrl: Viele Werften haben noch bis 2012 ausreichend Aufträge, insgesamt sind das über 13 Milliarden Euro. Aber seit einigen Monaten kommen praktisch keine Neubestellungen mehr herein, das betrifft alle Werften. Wadan ist eine Geschichte für sich, da wurden Versprechungen gemacht, die jetzt anscheinend nicht haltbar sind. Dass Thyssen-Krupp Probleme hat, ist mir bekannt. Aber wir helfen auch dort bei Liquiditätsengpässen. Die Werften dürfen sich allerdings nicht zurücklehnen. Sie müssen jetzt etwa weiter in Forschung und Entwicklung investieren.

Morgenpost Online: Und wenn dazu das Geld fehlt?

Wöhrl: Das ist nicht immer der Fall. Die Bundesregierung war frühzeitig aktiv und hat über ein Sonderprogramm der KfW die Möglichkeiten zur Bauzeitfinanzierung der Werften verbessert. Bis zu 90 Prozent der Finanzierung können die Werften über diesen Weg absichern. Wir haben viele Anfragen von kleinen und großen Schiffbauern, und wir helfen ihnen. Die Bundesregierung hat zwei branchenübergreifende Kreditprogramme und ein Bürgschaftsprogramm aufgelegt, die auch der Schiffsfinanzierung zugute kommen.

Morgenpost Online: Kann der Bund nicht Aufträge, etwa bei Marineschiffen, vorziehen?

Wöhrl: Dazu habe ich gerade eine Anfrage in den betroffenen Ministerien auf den Weg gebracht. Wir müssen abwarten, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben.

Morgenpost Online: Was wird vom deutschen Schiffbau übrig bleiben?

Wöhrl: Die größten Chancen liegen im Bau von Spezialschiffen, von Kreuzfahrtschiffen, Fähren, Yachten oder Versorgungsschiffen für die Öl- und Gasförderung auf See. Vor allem sehe ich persönlich sehr gute Möglichkeiten in der Meerestechnologie: Dort hat Deutschland nur einen Weltmarktanteil von drei Prozent. Das ist ausbaufähig.

Morgenpost Online: Die Reeder werden bis zum Jahresende rund 1000 Schiffe außer Dienst stellen, weil sie keine Transportaufträge haben. Was kommt noch alles auf die Unternehmen zu?

Wöhrl: Das könnte so sein, ich bin da kein Prophet, aber auch hier geht es vor allem um Liquidität im Tagesgeschäft. Für die Reeder gelten die gleichen Regeln wie für die Werften. Auch sie nehmen schon Kredite in Anspruch für die Finanzierung bereits bestellter Schiffe.

Morgenpost Online: Wie groß wird die Entlassungswelle in den deutschen Häfen werden?

Wöhrl: Das kann ich nicht voraussagen. In den Hafenbetrieben versuchen wir, mit Kurzarbeitergeld auszuhelfen. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die deutschen Häfen 2008 einen Rekordumschlag von 320 Millionen Tonnen erreicht haben. Jetzt sind sie von der Krise unterschiedlich betroffen. Häfen, die viel Containerumschlag oder viele Autotransporte abwickeln, spüren sie viel stärker. Andere Häfen kommen klar, weil sie vielfältigere Transportangebote machen.

Morgenpost Online: Wer steht denn beispielweise besser da?

Wöhrl: Derzeit steht zum Beispiel Hamburg besser da als Bremerhaven. Aber diese Zeit kann auch genutzt werden. Die Bundesregierung hat gerade die Verkehrsinfrastrukturmittel um zwei Milliarden auf zwölf Milliarden Euro aufgestockt. Jetzt ist die Zeit, die Infrastruktur in den Häfen zu verbessern und beispielsweise die Anbindung an das Hinterland auszubauen.

Morgenpost Online: Ist der Tiefpunkt Ihrer Meinung nach schon erreicht?

Wöhrl: Nein, ich denke, wir sind dort in einigen Bereichen noch nicht angekommen. Aber es gibt Hoffnungen. Für uns ist es am wichtigsten, für Liquidität zu sorgen, um kurzfristig irreparable Schäden zu vermeiden. Dabei macht es uns zuversichtlich, wenn ein Schiffsfinanzierer wie die HSH Nordbank wieder agiert und als Hausbank etwa für Reeder Kredite beantragt. Trotz ihrer großen Schwierigkeiten macht die Bank ihre Arbeit.

Morgenpost Online: Sie fahren mit dem neuen Wirtschaftsminister Karl-Friedrich zu Guttenberg zur Maritimen Konferenz. Kennt er sich bei Werften und Reedereien schon aus?

Wöhrl: Er kommt gut vorbereitet zur Konferenz und ich freue mich, dass er sie eröffnen wird. Unsere Zusammenarbeit ist gut. Unter zwei Franken, die auch noch in der gleichen Partei und beide Ordnungspolitiker sind, sollte dies auch so sein.

Morgenpost Online: Was soll die Konferenz am Ende bringen?

Wöhrl: Das Ergebnis der Konferenz wird nicht nur Smalltalk sein. Es wird um die Krisenbewältigung gehen, aber auch um Innovationen und Nachwuchssicherung. Ich erwarte konkrete Handlungsempfehlungen für alle Beteiligten in Werften, Reedereien und Häfen.

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