29.03.12

Teures Benzin

Autoclubs befürchten Dammbruch beim Spritpreis

Der Anstieg der Benzinpreise setzt sich ungebremst fort. Nach dem letzten Rekordhoch erwarten Experten, dass sich ein Liter Sprit in den kommenden Jahren auf bis zu zwei Euro verteuern könnte.

Foto: DPA
Benzinpreise
Eine Shell-Tankstelle in Köln: Die Autofahrer müssen immer mehr für Sprit bezahlen

Die Autofahrer in Deutschland müssen sich nach Einschätzung von Automobilclubs auf weiter steigende Benzinpreise einstellen. Wie die "Bild"-Zeitung meldet, halten die Verbände sogar eine Erhöhung bis auf zwei Euro pro Liter für möglich.

Der Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Dirk Vincken, sagte der Zeitung: "Wir befürchten, dass wir bald die Zwei-Euro-Marke an der Zapfsäule knacken."

Vincken forderte die Bundesregierung auf, zügig einzugreifen und beispielsweise die Steuerlast zu verringern. Nur dann könne der Anstieg verhindert werden.

Neues Rekordhoch bei Super E10

Der Präsident des AutoClub Europa (ACE), Wolfgang Rose, zeigte sich ähnlich besorgt. "Wenn die Steuern auf Benzin unverändert bleiben, könnte in den nächsten Jahren der Punkt kommen, wo der Damm bricht und der Liter Sprit bis zu zwei Euro kostet", sagte er.

Am Mittwoch hatte der Benzinpreis laut ADAC ein neues Rekordhoch erreicht. Ein Liter Super E10 kostete demnach im bundesweiten Durchschnitt 1,66 Euro.

Quelle: dapd/cat
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Wer vom Spritpreis profitiert
  • Der Staat

    Den größten Anteil nimmt sich der Staat. Bei einem Preis von 1,62 Euro je Liter entfallen 92 Cent oder 57 Prozent auf Steuern und Abgaben. Der größte Teil davon ist in absoluten Beträgen festgelegt, wie die Mineralölsteuer und die Öko-Steuer. Die Mehrwertsteuer von 19 Prozent wirft um so mehr ab, je teurer das Benzin insgesamt ist.

  • Die Tankstellen

    Von den restlichen 70 Cent machen die Beschaffungskosten der Tankstelle etwas mehr als 62 Cent aus. Das ist der Preis, den die Tankstelle bei der Raffinerie oder beim Händler für einen Liter Superbenzin bezahlen muss.

    Dieser Anteil schwankt mit dem Ölpreis und dem Dollarkurs. Maßgeblich für die Kalkulation sind die Preise auf dem europäischen Ölmarkt in Rotterdam. Sie werden in Dollar je Tonne ermittelt, können aber in Euro-Cent je Liter umgerechnet werden. Dieser Wert liegt mit 62 Cent auf einem historischen Höchststand.

    Übrig bleiben knapp acht Cent für alle übrigen Kosten wie Logistik, Pächter, Werbung oder Verwaltung. Der Gewinn an den Tankstellen wird gern überschätzt; er beträgt im Durchschnitt eines Jahres einen bis zwei Cent je Liter vor Steuern.

    Der Gesamtgewinn aus dem Benzinverkauf an den 14.700 Tankstellen wird auf rund 500 Millionen Euro geschätzt, das sind 35.000 Euro je Tankstelle. Den Großteil ihres Gewinns erwirtschaften die Tankstellen mit dem Shop-Verkauf.

  • Die Händler am Ölmarkt

    Eine wichtige Rolle spielt der Preis für Rohöl: Benzin, Diesel und Heizöl werden auf jeweils eigenen Märkten mit Angebot und Nachfrage gehandelt. Die Ölprodukte werden aber aus Rohöl gemacht und deshalb tendenziell teurer, wenn der Preis steigt.

    Rohöl der Nordsee-Sorte Brent kostet mittlerweile mehr als 124 Dollar je Barrel (159 Liter) und hat den höchsten Stand seit dem vergangenen April erreicht. Die meisten Erklärungen für den hohen Rohölpreis führen die Nachfrage der Schwellenländer und Unsicherheiten um den Iran an.

    Die Notenbanken in Europa, den USA und Japan fluten seit Monaten die Finanzmärkte mit billiger Liquidität, die nach Anlage drängt. Deshalb sind Rohstoffe wieder stärker gefragt. Der genaue Einfluss der Finanzmärkte auf den Preis lässt sich nicht beziffern; sie verstärken jedoch den Trend nach oben.

    Rohöl wird weltweit in Dollar gehandelt und bezahlt – das verteuert für den Euro-Raum die Einkaufskosten. Gegenwärtig bekommt ein Ölhändler für einen Euro 1,34 Dollar. Im vergangenen Frühjahr waren es mehr als 1,45 Dollar, beim absoluten Rohöl-Preishoch von 2008 sogar 1,57 Dollar. Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes ist das Öl bewertet in Euro so teuer wie nie: Ein Barrel kostet mehr als 93 Euro.

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