20.03.2012, 14:42

Deutsche Bank Zum Abschied bekommt Ackermann 9,4 Millionen

Ackermann flattern neue Job-Angebote auf den Tisch

Foto: dapd / dapd/DAPD

Josef Ackermann verlässt den Chefposten der Deutschen Bank und bekommt noch einmal eine Gehaltserhöhung. Nachfolger Anshu Jain bekommt weniger, verdient aber trotzdem mehr als sein Noch-Chef.

Mit dem Investmentbanking bei der Deutschen Bank lief es im Krisenjahr 2011 nicht so gut. Das lässt sich am Gehaltszettel des künftigen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain ablesen: Der bisherige Chef-Investmentbanker, der seine Ziele 2011 deutlich verfehlt hat, verdiente insgesamt 9,8 Millionen Euro. Das ist weniger als im Jahr zuvor, da waren es noch 11,9 Millionen.

Aber auch mit den geringren Einkommen liegt Jain immer noch vor seinem Chef: Josef Ackermann verdiente 2011 9,4 Millionen Euro, 400.000 Euro mehr als 2010. Jain übernimmt Ende Mai das Ruder bei Deutschlands größtem Geldhaus zusammen mit Deutschland-Chef Jürgen Fitschen.

Dass die Zeiten für das neue Führungsduo bald besser werden, ist nach den Worten von Ackermann alles andere als sicher. "Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf 2012 bleiben die Aussichten für die Weltwirtschaft unsicher", heißt es in einem Text Ackermanns für den am Dienstag veröffentlichten Geschäftsbericht. Es gebe weiter "beträchtliche" Risiken.

Nur ein Teil der Millionen wird ausgezahlt

Die Vergütungen von Jain und Ackermann enthalten auch Bonus-Ansprüche in bar – die aber werden erst in den nächsten Jahren ausgezahlt und sind in ihrer letztlichen Höhe zudem gekoppelt an den langfristigen Erfolg des Unternehmens. Mit dieser Regelung reagierte die Bank schon vor einiger Zeit wie andere Häuser auch auf die scharfe öffentliche Kritik an den hohen Banker-Boni in Krisenzeiten. Bar ausgezahlt bekommt Ackermann zunächst 1,75 Millionen Euro, bei Jain sind es 1,25 Millionen Euro.

Rechnet man diese Extras heraus, dann sank die Vergütung für die sieben Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank im Jahr 2011 auf insgesamt 26,4 Millionen Euro, nach 32,4 Millionen Euro 2010. Dass Ackermann mit einem leichten Plus herauskam, liegt nach Konzernangaben vor allem an den Ansprüchen, die er über die vergangenen Jahre angesammelt hat. Und so hoch ist seine Vergütung gar nicht: Er liegt deutlich hinter internationalen Kollegen wie etwa Barclays-Chef Bob Diamond, der 2011 auf ein Vergütungspaket von umgerechnet gut 20 Millionen Euro kam. Auch in der Dax-Liga stehen Ackermann und Jain nicht an vorderster Stelle: Spitzenreiter ist hier VW -Chef Martin Winterkorn mit 17,4 Millionen Euro.

Ein enttäuschendes Jahr für die Deutsche Bank

Das vergangene Jahr war enttäuschend für die Deutsche Bank. Das unter Ackermann ausgebaute Privatkundengeschäft konnte die großen Einbußen in Jains Investmentbank nicht wettmachen. Am Ende reichte es im Konzern nur zu einem Vorsteuergewinn von 5,4 Milliarden Euro – etwa die Hälfte dessen, was sich Ackermann in seinem letzten vollen Amtsjahr eigentlich vorgenommen hatte.

Die herbeigesehnte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent ist außer Reichweite. Auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz im Februar hatte der Schweizer betont, "zehn Milliarden Euro plus" sei grundsätzlich zwar weiter eine realistische Gewinn-Größenordnung für die Bank. 2012 sei es dafür aber noch zu früh.

Und so ist es immer noch. Auch wenige Tage vor Ablauf des ersten Quartals traut sich die Deutsche Bank keine konkrete Gewinnprognose zu. "Das Geschäft der Banken wird auch in den nächsten zwei Jahren stark durch makroökonomische Entwicklungen sowie regulatorische Veränderungen beeinflusst werden", heißt es im Geschäftsbericht nur. "Dementsprechend ist in Europa bei einer andauernden europäischen Staatsschuldenkrise für die Branche insgesamt mit einem Rückgang der Erträge und Ergebnisse zu rechnen, während in den USA ein Wachstumsrückgang die Profitabilität beeinflussen dürfte."

Gerichtsverfahren könnte Bank 2,2 Milliarden kosten

Jain und Fitschen haben den Vorstand bereits nach ihren Vorstellungen umgebaut, er wird ab Juni jünger und internationaler. Ackermann wiederum räumt in seinen letzten Wochen an der Konzernspitze noch an vielen Fronten auf, um die Deutsche Bank möglichst besenrein zu übergeben. In etlichen Rechtsstreitigkeiten wurden Vergleiche ausgehandelt, etwa im Streit mit der IKB-Zweckgesellschaft Loreley um Verluste aus komplexen Wertpapieren in der Finanzkrise.

Der Rechtsstreit mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch geht allerdings weiter. Hier lehnte der Bankvorstand einen fertig ausgehandelten Vergleich über gut 800 Millionen Euro unlängst als zu teuer ab. Insgesamt stellte die Bank 2011 mehr als eine Milliarde Euro für Rechtsstreitigkeiten und andere Risiken im operativen Geschäft zurück. Rückstellungen darf sie aber nur bilden, wenn sie es für genügend wahrscheinlich hält, dass ihre Gegner Recht bekommen. Verfahren, in denen die Deutsche Bank nicht mit einer Niederlage rechnet, könnten sie weitere 2,2 Milliarden Euro kosten.

Ermittlungen wegen Manipulation der Interbanken-Zinssätze

Ärger droht auch an einer anderen Front, wie die Deutsche Bank nun im Geschäftsbericht erstmals bestätigte: Gegen den Konzern wird wegen möglicher Manipulationen der Interbanken-Zinssätze ermittelt.

Es gebe Anfragen und Vorladungen mehrerer Behörden aus den USA und aus Europa in der Sache, darunter von der US-Marktaufsicht SEC, dem US-Justizministerium und der EU-Kommission. "Die Deutsche Bank kooperiert mit den Behörden hinsichtlich dieser Untersuchungen." Zudem gebe es eine Reihe von zivilrechtlichen Einzel- und Sammelklagen in den USA gegen die Bank.

Mögliche illegale Absprachen des Libor- und des Euribor-Zinssatzes durch große Institute sind seit 2011 weltweit Gegenstand von Ermittlungen. Bei einer Razzia der EU war im Herbst auch die Deutsche Bank in London durchsucht worden.

(dapd/Reuters/dino)
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