07.03.2012, 08:55

Enttäuschte EU-Kommissarin Reding prangert "Schneckentempo" bei Frauenquote an

Foto: AFP

Die EU-Justizkommissarin macht Druck bei den Firmen: Reding ist enttäuscht über das Tempo bei der Einführung einer eu-weiten Frauenquote.

Im Kampf für eine Frauenquote hat sich EU-Justizkommissarin Viviane Reding unzufrieden über die bisherigen Ergebnisse in den EU-Ländern gezeigt. "Ich bin insbesondere enttäuscht von dem Schneckentempo, mit dem es weitergeht. Bei zwei Drittel der Mitgliedsstaaten herrscht Stillstand, ein Drittel bewegt sich etwas", sagte Reding im ZDF-"Morgenmagazin".

Wenn es mit dieser Geschwindigkeit weitergehe, "brauchen wir noch Jahrzehnte bis wir ein Gleichgewicht erreicht haben", fügte sie hinzu. Reding will im Sommer konkrete Vorschläge für eine EU-weite Frauenquote machen. Die Aufrufe zur Selbstverpflichtung der Unternehmen hätten bislang kaum etwas bewegt.

BMW will Frauen verstärkt fördern

BMW-Chef Norbert Reithofer sagte Morgenpost Online , Unternehmen müssten Frauen als Führungskräfte genauso wie Männer von unten aufbauen: "Das geht los bei der Einstellungspolitik und setzt sich fort, indem Akademikerinnen in verschiedenen Stationen das Unternehmen durchlaufen."

Nur "eine breit angelegte Frauenbasis" könne die Grundlage schaffen, dass in Zukunft auch in obersten Führungsebenen eine größere Zahl von Frauen zur Verfügung steht, sagte Reithofer.

Ein Grund für die wenigen Frauen in Führungspositionen, ist immer noch die Arbeit in Teilzeit. Erwerbstätige Frauen in Deutschland arbeiten im Vergleich zu Frauen in anderen EU-Ländern überdurchschnittlich häufig verkürzt.

Teilzeitquote von Frauen in Deutschland über EU-Durchschnitt

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt, waren 2010 in Deutschland insgesamt 69,6 % der 20- bis 64-jährigen Frauen erwerbstätig. 45,6 % davon arbeiteten in Teilzeit, 54,4 % in Vollzeit. Im EU-Durchschnitt war die Teilzeitquote mit 30,8 % deutlich niedriger.

Nur in den Niederlanden war mit einer Quote von 74,7 % die Teilzeitarbeit unter Frauen noch mehr verbreitet als in Deutschland. Sehr selten ist die verkürzte Wochenarbeitszeit hingegen in den östlichen EU-Ländern. Die geringsten Teilzeitquoten unter erwerbstätigen Frauen wiesen Bulgarien (2,4 %) und die Slowakei (5,1 %) auf.

Als Hauptgrund für ihre Teilzeittätigkeit nannte jede zweite Frau (51,3 %) in Deutschland die Betreuung von Kindern beziehungsweise Pflegebedürftigen oder andere familiäre und persönliche Verpflichtungen.

18,9 % arbeiteten verkürzt, weil sie keinen ganztägigen Arbeitsplatz finden konnten. Auch in den Niederlanden war die Familie der wichtigste Grund für Teilzeitarbeit. Der Anteil der Frauen, die "unfreiwillig" Teilzeit arbeiteten, weil sie keine Vollzeitstelle finden konnten, lag mit 5,5 % aber deutlich niedriger als in Deutschland.

(dapd/dpa/epd/tat)
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