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15.03.09

Technik

Die IT-Branche hat ein Imageproblem

In Deutschland werden junge Techniker gebraucht, die 45.000 offene Stellen besetzen sollen. Doch viele Jugendliche trauen sich den Beruf nicht zu – und haben ein falsches Bild von Informatikern. Eine Imagekampagne soll das geringe Interesse des Nachwuchses für Berufe in der Branche fördern.

© dpa
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Die IT-Branche hat ein Problem. Sie hat rund 45.000 offene Stellen zu besetzen. Doch das Interesse beim Nachwuchs ist gering. Obwohl junge Menschen im beginnenden 21. Jahrhundert Computer und digitale Technik selbstverständlich und oft intuitiv anwenden, interessieren sich nur wenige auch für eine berufliche Zukunft im IT-Bereich.

Laut einer Umfrage von TNS Emnid in Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister "Computacenter" unter 14- bis 29-Jährigen glauben zwar 80 Prozent der Befragten, dass Beschäftigte im IT-Bereich Freude an ihrer Arbeit haben. Und 70 Prozent sind der Meinung, dass man als Informatiker gute Aufstiegschancen hat. Doch nur 30 Prozent können sich vorstellen, selber einen IT-Beruf zu ergreifen.

Im Vergleich zu Berufen wie Arzt, Anwalt oder Lehrer bewerten die Befragten die Chancen für Informatiker auf dem Arbeitsmarkt besser, das Ansehen des Informatikers in der Gesellschaft jedoch niedriger. Auffallend: Insbesondere bei Frauen hat die Branche keinen guten Stand. 83 Prozent der Befragten sind nämlich der Ansicht, Informationstechnologie sei nur etwas für Männer.

"Die IT-Branche hat in erster Linie ein Imageproblem", sagt Oliver Tuszik, Vorstandsvorsitzender von Computacenter Deutschland. "Jugendliche stellen sich unter einem Informatiker noch immer den Freak vor, der alleine vor seinem Computer sitzt." Tatsächlich arbeite ein IT-Spezialist heutzutage jedoch viel mit Menschen zusammen, sei es beim Service, im Vertrieb oder im Rahmen von großen Projekten, die man nur als Team bewältigen könne.

Das schlechte Image der Branche ist auch auf ein Informationsdefizit zurückzuführen. So haben viele Jugendliche ein falsches Bild von den Anforderungen, die ein IT-Spezialist erfüllen muss. Drei Viertel aller Befragten halten Programmierkenntnisse oder gute Leistungen in Mathematik für Einstiegsvoraussetzungen. "Von unseren rund 4000 Mitarbeitern sind aber die wenigsten von Haus aus Informatiker", sagt Tuszik. "Viele Mitarbeiter sind studierte Juristen, Physiker oder Geisteswissenschaftler und haben erst später die Branche gewechselt."

Um ihr Image bei jungen Erwachsenen zu verbessern, hat die Informationstechnologie-Branche nun eine Aufklärungsoffensive gestartet. Bei der Initiative "Erlebe IT" des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien Bitkom erklären IT-Spezialisten in den Schulen, wie die Arbeit eines Informatikers tatsächlich aussieht. "Wir wollen das Bild des weltfremden Computernerds aus den Köpfen der Schüler vertreiben und ihnen zeigen, wie abwechslungsreich die Arbeit in einem IT-Unternehmen sein kann", sagt Stephan Pfisterer, Bereichsleiter Personal und Arbeitsmarkt beim Bitkom.

Auch "Computacenter" informiert Schüler und Lehrer an einer lokalen Schule über die Arbeit des Unternehmers, begleitet AGs und bietet Praktika an. Im Zuge der Initiative "IT's your future" werden die Mitarbeiter der Firma weitergebildet, um ein positives Bild ihres Berufes nach außen zu tragen. "Ich würde mir wünschen, dass die Begeisterungsfähigkeit für das Potenzial von IT-Berufen in Deutschland so hoch wäre wie in Indien oder in den USA", sagt Oliver Tuszik. "Schließlich können viele aktuelle Herausforderungen der Gesellschaft, zum Beispiel Klimaschutz, nur mit Hilfe von IT gelöst werden."

"Auch die Politik ist in der Pflicht, den Fachkräftemangel in der IT-Branche zu lindern", fordert Pfisterer. "Viele Schulen sind mit veralteten PCs ausgestattet und die Schüler werden sich selbst überlassen. Im digitalen Zeitalter sollte Informatik zu einem Pflichtfach ab der fünften Klasse gemacht machen. Dann würden sich auch mehr Schüler für ein Informatikstudium entscheiden."

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