Überkapazität
Opel-Chefs stellen jetzt drei Werke infrage
General Motors in Europa identifiziert Überkapazitäten bei Opel und Vauxhall. Drei Werke sind nach Angaben von GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster überflüssig. Er spricht bereits von Opfern, die die Arbeitnehmer zur Rettung des Unternehmens leisten müssten. Und bei Opel wird das Geld schon knapp.
Das Bild zeigt das älteste überlieferte Opel-Zeichen. Selten gezeigte Bilder aus der Geschichte eines Autobauers:
Beim angeschlagenen Autobauer Opel wird nach Angaben des Unternehmens das Geld knapp. Bereits Anfang April drohen demnach ernste Probleme. "Jeder Tag zählt", sagte der Vize-Chef der Opel-Mutter General Motors (GM), Fritz Henderson, auf dem Autosalon in Genf. Ohne Hilfen werde der Autobauer bereits zu Beginn des zweiten Quartals Liquiditätsprobleme bekommen.
GM wolle die noch bestehenden Fragen der Bundesregierung innerhalb der nächsten Tage und Wochen beantworten, sagte Henderson. Bislang ist GM mit seinem Plan für eine Herauslösung von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall aus dem Mutterkonzern auf wenig Widerhall in Berlin gestoßen. GM verhandelt über Staatshilfen, die Bundesregierung will nach eigenen Angaben zunächst ein umfassendes Konzept sehen und klären, ob der Autobauer eine positive Zukunft habe.
In Regierungskreisen hieß es laut der Nachrichtenagentur Reuters, eine Entscheidung über deutsche Staatshilfen sei auch abhängig davon, ob die US-Regierung die Opel-Mutter General Motors weiter stütze. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, es sei weiterhin unklar, wie der Abnabelungsprozess Opels von der Mutter GM aussehen solle und wie verhindert werden könne, dass etwaige deutsche Staatshilfen zum GM-Mutterhaus in die USA fließen. Dennoch schloss Steinbrück nicht aus, dass es am Ende irgendeine Form staatlicher Hilfen für Opel geben könnte.
Bei einer Pleite stünden in Europa 50.000 Arbeitsplätze bei Opel und der Schwestermarke Vauxhall und noch einmal so viele Jobs bei Zulieferern auf dem Spiel, warnte der Chef von GM Europa, Carl-Peter Forster. Steinbrück sagte, ein Verlust von 50.000 Stellen könne den Fiskus mit drei bis vier Milliarden Euro belasten.
Insgesamt hat GM für die beiden Töchter in ganz Europa 3,3 Milliarden Euro an Staatshilfe beantragt. In Spanien, wo Opel ein Werk in Zaragoza hat, habe die Regierung bereits Hilfen über 200 Millionen Euro zugesagt, sagte Forster. Zudem wolle der Autobauer auch in den Opel-Ländern Großbritannien und Polen Gespräche mit den Regierungen führen und um Unterstützung nachsuchen. Der Großteil der Hilfsanträge richtet sich allerdings an Bund und Länder in Deutschland.
GM erhöhte den Druck auf die Beschäftigten, den Autobauer durch Lohn- und Gehaltsverzicht wieder auf Spur zu bringen. Derzeit habe Opel/Vauxhall Überkapazitäten von 30 Prozent und damit drei Werke mehr als benötigt, sagte Forster. Er sei sich nicht sicher, ob die Arbeitnehmer zu ausreichenden Opfern bereit seien, um Werksschließungen zu vermeiden.
Nach Möglichkeit sollten alle Werke gerettet werden. Derzeit sei nicht sicher, ob die Beschäftigten dazu bereit seien. Insgesamt will GM bei den Mitarbeitern in Europa 1,2 Milliarden Dollar sparen.
Allein in Deutschland beschäftigt Opel 25.000 Menschen und hat neben dem Stammsitz in Rüsselsheim noch Werke in Bochum und Eisenach. Auch das GM-Getriebewerk in Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz wird wohl auch künftig mit zum Europageschäft des Autobauers gehören.
Die Getriebesparte GM Powertrain solle im Zuge der Umstrukturierung in Europa "wahrscheinlich" in das neue Unternehmen eingegliedert werden, sagte Henderson. Welchen Anteil GM künftig an dem neuen Unternehmen in Europa haben werde, sei noch offen, sagte Forster.
Abhängig von den Regierungen, bei denen Opel/Vauxhall Staatshilfen beantragt habe, könne GM weiterhin die Mehrheit an seiner größten Auslandstochter halten. Henderson sagte, alle Optionen seien offen. Damit käme für GM auch ein Minderheitsanteil in Betracht.
Der ehemals weltgrößte Autobauer hatte am 27. Februar angekündigt, 25 bis 50 Prozent der Anteile an Opel/Vauxhall zu verkaufen und dafür nach Investoren zu suchen. Bislang gebe es noch keine Gespräche mit privaten Investoren über einen Einstieg, sagte Henderson.
Gespräche mit privaten Interessenten dauerten womöglich zu lange, fügte Forster hinzu. GM Europe habe dafür nicht die Zeit. Zuletzt hatte GM auch eher "der öffentlichen Hand nahe stehende" Unternehmen als Investoren genannt, da strategische Anteilseigner aus der Autobranche angesichts der Autokrise kaum in Frage kommen. In Medienberichten war spekuliert worden, Daimler könnte Interesse an einem Einstieg bei Opel haben. Der Stuttgarter Autobauer wies dies zurück.
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