Kommentar
Gebt den Chinesen die Technologie!
Auch wenn die Konsortialpartner ThyssenKrupp und Siemens es noch nicht offiziell zugeben: Das Management beider Unternehmen ist sich sehr wohl bewusst, dass es keine Alternative mehr dazu gibt, die Technologie per Lizenz oder vollständig nach China zu verkaufen.
Von Jörg Eigendorf
Es ist nicht wirklich verwunderlich, dass ThyssenKrupp die Informationen über den anstehenden Technologie-Verkauf nach China dementiert. Die politische Diskussion ist nach dem Scheitern des Transrapid aufgeheizt, da kommt die Nachricht vom anstehenden Wissenstransfer zum falschen Zeitpunkt.
Doch auch wenn die Konsortialpartner ThyssenKrupp und Siemens es noch nicht offiziell zugeben: Das Management beider Unternehmen ist sich sehr wohl bewusst, dass es keine Alternative mehr dazu gibt, die Technologie per Lizenz oder vollständig nach China zu verkaufen. Dafür sorgt das Scheitern in München: Auf lange Sicht wird die einzige funktionstüchtige kommerzielle Trasse weltweit im Reich der Mitte stehen. Wer den Transrapid kaufen will, wird nicht mehr zur Teststrecke ins Emsland kommen, sondern nach China. Entsprechend blauäugig wäre es, wenn ThyssenKrupp und Siemens weiterhin die Planung und die Vermarktung im Alleingang aus Deutschland heraus betrieben. Ohne die Chinesen kann der Transrapid kein Erfolg mehr werden.
Selbstverständlich wäre es besser, es käme zu einer Lizenzvergabe beschränkt auf China, wie schon beim Kastenwagen geschehen. Denn dann könnten die beiden Unternehmen daran partizipieren, wenn sich der Transrapid doch noch durchsetzen sollte. Die Forschung bliebe in Deutschland, Arbeitsplätze erhalten. Weitere Fortschritte in der Technologie brächten zusätzliche Einnahmen. Das kann durchaus im Interesse der Chinesen sein, die derzeit wohl kaum im Stande sind, die Transrapid-Technologie selbstständig weiter zu entwickeln.
Gelingt es allerdings nicht, sich mit den Chinesen auf eine Lizenzvergabe zu einigen, bleibt nur noch der vollständige Verkauf des Wissens. Denn die Alternative dazu wäre die Abwicklung aufgrund fehlender Geschäftsaussichten. ThyssenKrupp und Siemens erhielten dann nicht einmal mehr einen Gegenwert für jahrzehntelange Arbeit.
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