Kempinski
Heiligendamm und der Krach im Luxushotel
Streit im nobelsten Hotel der Ostsee: Das Grand Hotel Heiligendamm, im Sommer 2007 Treffpunkt der großen Staatschefs der Welt beim G-8-Gipfel, wird nicht mehr von Kempinski betrieben. Die Eigentümergesellschaft übernimmt jetzt die Regie im Fünf-Sterne-Haus. Die Wogen schlagen hoch.
Von Norbert Schwaldt
Die Kempinski-Gruppe zieht sich aus dem Grand Hotel Heiligendamm an der Ostssee zurück. Kempinski-Vorstand Markus Semer begründete die Trennung von der Kölner Fundus-Gruppe, mit Vertragsbrüchen. So seien Managementgebühren von 1,1 Mio. Euro nicht an die Hotelgruppe gezahlt worden. Kempinski wirft Fundus zudem eine "ständige Einmischung in den täglichen Hotelbetrieb" vor. Auf dieser Grundlage sei der Qualitätsanspruch der Hotel-Gruppe nicht aufrecht zu erhalten.
Die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co KG, deren Geschäftsführer Fundus-Chef Anno August Jagdfeld ist, kritisierte die Form der Kündigung. Der Vertrag zwischen beiden Partnern sehe vor, dass eine Kündigung zunächst einem Schiedsgericht zur Klärung vorgelegt werden müsse, wie dies bei internationalen Verträgen üblich sei. Der inzwischen von Fundus eingesetzte Hotel-Direktor Martin Smura sagte der Berliner Morgenpost, Kempinski habe "kein schlüssiges Konzept" für den Betrieb des Hotels vorgelegt, deshalb sei man "mit der Trennung zufrieden". Ansprüche aus Managementgebühren wies Smura zurück. "Wir haben die Gebühren mit Schadenersatzforderungen verrechnet, die gutachterlich unterlegt sind", so Smura.
"Kempinski hat es in sechs Jahren nicht geschafft, den wirtschaftlichen Erfolg auch nur annähernd zu erreichen, den andere erfolgreich eigentümergeführte Hotels der Spitzenklasse, wie das Schloss Elmau, Brenner's Parkhotel und die Traube Tonbach, seit vielen Jahren aufweisen. Insbesondere die von Kempinski vorgenommene Vermarktung über Tchibo zu Billigpreisen hat zu Unverständnis bei Gästen und Gesellschaftern geführt, und entspricht nicht dem Standard eines Spitzenhotels und schädigt dessen Ruf", so Smura. Nun werde das Grand Hotel von der Eigentümergesellschaft weitergeführt, sagte Smura. Das Marketing und der Vertrieb würden durch die renommierten Gesellschaften "Leading Hotels of the World" und die "Selektion deutscher Luxushotels" vorgenommen.
Kempinski-Vorstand Semer kritisierte dagegen, dass größere Investitionen wie die Entwicklung von Villen am Meer und eines Thalasso- und Ayurveda-Centers nicht ausgeführt worden seien. Dies habe "die Leistung des Hotels gehemmt". Dem hielt Smura entgegen, dass die Fondsgesellschaft im Dezember eine Kapitalerhöhung über 41 Mio. Euro beschlossen habe. Er räumte aber auch ein, dass der weitere Bau von Villen mit 100 Einheiten in der derzeitigen Krise schwer zu finanzieren seien.
Der Hotelchef sagt weiter, dass einzelne Gesellschafter – rund 2000 Anleger hatten 130 Mio. Euro in einen geschlossenen Immobilienfonds für Heiligendamm investiert – Anfang Dezember den Wunsch geäußert hätten, nicht mehr länger mit Kempinski zusammenarbeiten zu wollen.
Ein weiterer Tiefpunkt in der Geschäftsbeziehung zur Fundus-Gruppe sei erreicht worden, nachdem Vorwürfe von Missmanagement erhoben worden seien. Kundenbeschwerden seien "in unangemessener Weise in die Höhe" geschnellt. Kempinski habe schließlich keine andere Wahl gehabt, als den Managementvertrag mit der Eigentümergesellschaft zu kündigen.
(mit woz)
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