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26.01.09

Kommentar

Es gibt zu viele Zumwinkels in Deutschland

Der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel hat seine gerechte Strafe erhalten. Am schlimmsten dürfte für ihn die gesellschaftliche Ächtung sein. Abseits des spektakulären Prozesses ist klar: Steuervergehen sind ein Massenphänomen – denn viele Steuerzahler empfinden das Steuersystem als ungerecht.

© AP
Klaus Zumwinkel

Auch wenn in der Öffentlichkeit die Stimmen überwiegen werden, die den ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel gern hinter Gittern gesehen hätten: Das Urteil der Bochumer Richter ist ein gutes. Es stellt unmissverständlich klar, dass Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt ist. Gleichzeitig vermeidet es aber auch jeden Anschein, dem zeitweise im Land herrschenden Klima der Verachtung gegen Zumwinkel als Symbolfigur einer vermeintlich egozentrischen und maßlosen Managerkaste erlegen zu sein. Die Richter haben Zumwinkel als Menschen beurteilt, der schwer gefehlt, aber auch Reue gezeigt hat – mehr kann Rechtsprechung nicht leisten.

Für sein persönliches Versagen muss Zumwinkel zahlen. Insgesamt 4,9 Millionen Euro an Steuernachzahlungen und Strafe sind auch für den ehemaligen Vorstand eines Dax-Konzerns eine durchaus spürbare Summe. Die schlimmere Strafe hat Zumwinkel ohnehin schon außerhalb des Gerichtssaals erhalten: Wer wie er fast ausschließlich für seine Karriere lebte und dann am Ende des Berufslebens plötzlich im gesellschaftlichen Abseits steht, hat fast alles verloren – auch wenn er nicht um seine materielle Existenz fürchten muss.

Wer trotzdem klagt, dass in diesem Land die Kleinen gehängt, die Großen aber laufen gelassen werden, der verkennt nicht nur die Bürde des Stigmas, mit dem Zumwinkel nun leben muss. Er leugnet schlicht auch die gesellschaftliche Realität, in der Schummeleien bei der Steuererklärung und Schwarzarbeit längst ein Massenphänomen sind. Der Ruf danach, ein Exempel zu statuieren, erhält da leicht Züge von Pharisäertum.

All dies entschuldigt keinesfalls Zumwinkels Fehlverhalten, sich über geltendes Recht hinweggesetzt zu haben. Es lässt aber die Frage zu, ob wir uns ein von vielen als ungerecht empfundenes Steuersystem leisten können und wollen. Solange die Politik sich einer nachhaltigen Diskussion über die Grenzen der Belastbarkeit der Bürger entzieht, legt sie die Saat dafür, dass es viel zu viele Zumwinkels in diesem Land gibt.

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