Automobilbau
Fiat stoppt für mehrere Wochen die Bänder
Massive Umsatzrückgänge machen Fiat zu schaffen. Der italienische Autobauer stoppt für zwei Wochen die Bänder, an den Motoren hergestellt werden. Die Produktionsunterbrechung betrifft rund 1000 Mitarbeiter. Andere Bereiche trifft es noch länger. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Fiat bei Chrysler einsteigt.
Der italienische Autobauer Fiat muss angesichts der globalen Krise die Produktion weiter herunterfahren. Die Bänder zur Herstellung von Motoren in Turin sollen ab dem 16. Februar für zwei Wochen stillstehen, wie aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen verlautete.
Die Produktionsunterbrechung betreffe rund 1000 Mitarbeiter. Zudem werde die Getriebe- und Achsenproduktion für drei Wochen gestoppt, weshalb etwa 1600 Angestellte kurzfristig nach Hause geschickt würden. Fiat hatte wegen des Umsatzeinbruchs bereits einige seiner Fabriken in Italien vorübergehend geschlossen.
Am Dienstag war bekannt geworden, dass Fiat angesichts der dramatischen Talfahrt auf dem Automarkt beim krisengeschüttelten US-Hersteller Chrysler einsteigt. In einem ersten Schritt soll Fiat 35 Prozent an dem drittgrößten US-Hersteller übernehmen.
Fiat und Chrysler hatten am Dienstag eine "eine globale strategische Allianz" verkündet. Danach übernimmt Fiat 35 Prozent an Chrysler, bezahlt dafür aber nichts und bekommt besseren Zugang zum nordamerikanischen Markt. Chrysler profitiert im Gegenzug von der Fiat-Technologie, um spritsparende Autos bauen zu können.
Die Allianz soll im April besiegelt werden. Voraussetzung ist zum einen die Zustimmung der US-Regierung, die Chrysler mit 5,5 Milliarden Dollar (4,2 Milliarden Euro) Soforthilfe vor der Pleite bewahrte. Zum anderen brauche Chrysler weitere drei Milliarden Dollar vom Staat, berichtete das "Wall Street Journal". Nur dann trete das Abkommen auch in Kraft, zitierte die Zeitung aus Unternehmenskreisen. Weitere Hilfe für Chrysler sei zwar "beunruhigend vor allem für die Steuerzahler, aber vielleicht für Chrysler die beste Perspektive", sagte der Senator Bob Corker dem Blatt.
Experten sind skeptisch, ob Chrysler die Zusammenarbeit mit Fiat wirklich hilft. Der Optimismus der Italiener überrasche: "Fiat wird wohl nicht richten können, was Daimler oder ein Finanzinvestor nicht richten konnte", sagte Analyst Harald Hendrikse von Bank of America Merrill Lynch. "Da stützt der Einäugige den Blinden", sagte Professor Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg. Sein Kollege Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen hält mehr davon: "Chrysler braucht dringend Kleinwagen, und die hat Fiat im Angebot", sagte er "Handelsblatt.com." Chrysler passe viel besser zu Fiat als GM.
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