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09.01.09

Handel

Edeka merkt nichts von der Krise

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka will bis Ende 2011 ausschließlich Fisch aus nachhaltiger Fischerei in seinen Märkten anbieten. Dazu kooperiert die Edeka-Gruppe langfristig mit dem WWF. Edeka strotzt vor Kraft: Die Konjunkturdelle hat die Kassen der Handelskette bislang noch nicht erreicht.

pa

Von der Überfischung bereits stark bedroht ist der Kabeljau.

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Von wegen Krisenstimmung: Der größte deutsche Lebensmitteleinzelhändler Edeka spürt nach eigenen Angaben nichts der Konjunkturschwäche und den Problemen der Banken. "Während in dieser Woche heftig über ein weiteres Konjunkturpaket verhandelt wird und ein Untergangsszenario das nächste jagt, kann ich nur versichern: Die Konjunkturdelle hat die Kassenzone der Edeka-Märkte bislang nicht erreicht", sagte der neue Vorstandschef Markus Mosa in Hamburg.

Danach hat Edeka im vergangenen Jahr sogar zugelegt. "Im Gegenteil: Wir blicken auf ein sehr erfolgreiches Weihnachtsgeschäft mit über den Erwartungen liegenden Umsätzen und gehen zuversichtlich in das Jahr 2009", sagte Mosa. Der Firmenchef sprach sich zugleich gegen Eingriffe des Staates in die Wirtschaft etwa durch die Ausgabe von Konsumgutscheinen aus.

Das Statistische Bundesamt teilte unmittelbar zuvor mit, dass der deutsche Einzelhandel für 2008 mit einem Umsatzplus von 1,9 bis 2,4 Prozent rechnen könne. Nach Abzug der Inflationsrate dürfte aber bestenfalls eine Stagnation herauskommen.

Dies trifft jedoch nicht auf die Lebensmitteleinzelhändler zu: Denn dieser Handelsbereich hat von Januar bis November 2008 gut drei Prozent Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum verloren.

Bei Edeka gilt dagegen die Prognose aus dem Frühjahr 2008: Danach soll der Umsatz um fünf Prozent steigen, drei Prozent davon beziehen sich auf die vergleichbare Verkaufsfläche, und zwei Prozent kommen durch neue Flächen hinzu.

Zweite Zielmarke des Hamburger Handelskonzerns: Bis zum Jahr 2010 will Edeka einen Marktanteil in Deutschland von 30 Prozent erreichen. Derzeit sind es rund 27 Prozent. "Es gibt heute überhaupt keinen Anlass für mich, von diesen Zielen auch nur einen Deut Abstand zu nehmen", sagte der 41-jährige Mosa. Zwischen 2008 und 2010 will Edeka etwa 1000 neue Märkte eröffnen. Rund die Hälfte der derzeit 12.000 Läden werden von selbstständigen Unternehmern geführt.

Zur Edeka-Gruppe gehört auch der Discounter Netto. Diesen Bereich hat das Unternehmen gerade durch den Kauf von 2340 Filialen der Kette Plus gestärkt. Etwa 1700 dieser Geschäfte will Edeka nun auf die Marke Netto umwandeln, lediglich rund 700 zumeist kleinere Läden bleiben unter dem Namen Plus erhalten.

Im Vorfeld der "Grünen Woche" in Berlin gab Edeka zudem eine weit reichende Veränderung im Handel mit Fischprodukten bekannt. So will der Konzern den Verkauf in den nächsten drei Jahren komplett auf Fisch aus nachhaltiger Fischerei umstellen. Das bedeutet, dass diese Ware nur noch aus einer Fischwirtschaft stammen darf, die die Bestände erhält.

"Wir werden unser gesamtes Sortiment, angefangen von der frischem Fisch über Tiefkühlkost bis hin zu Konserven, umstellen", sagte Unternehmenschef Mosa. Dies könne "potenziell zu höheren Preisen" für Fischprodukte führen. Partner für die Ausarbeitung, Umsetzung und Kontrolle ist die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF). Mit jährlich 1,4 Millionen Tonnen verkauftem Fisch ist Edeka nach eigenen Angaben der größte Fischhändler in Deutschland. Beim Pro-Kopf-Verbrauch von gut 16 Kilogramm Fisch liegen die Deutschen lediglich im weltweiten Durchschnitt der Konsumenten. Den Spitzenplatz belegen die Japaner mit 70 Kilogramm.

"Nach Meinung anerkannter Experten sind viele Fischbestände weltweit bedroht", begründete Mosa den Schritt. Nur ein Viertel der Bestände sei so groß, dass es noch Potenzial für zusätzliche Fänge gebe. Da jedoch gleichzeitig die Nachfrage weltweit wachse, müssten etwa die Fangmethoden auf Umwelt schonende Standards umgestellt werden. Zertifikate des Marine Stewardship Council (MSC) sollen dies belegen und überprüfen.

Mit einem für 2009 erwarteten Umsatz von insgesamt 43 Mrd. Euro liegt die Edeka-Gruppe an der Spitze der Branche. Diese Größe will der Konzern nun auch beim Einkauf von Fisch nutzen und seine Lieferanten auf die eigenen Umweltkriterien einschwören.

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