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08.01.09

Zerschlagung

So könnte das Merckle-Imperium filetiert werden

Nach dem Selbstmord Adolf Merckles wird die vom Ruin bedrohte Firmengruppe saniert. Der Verkauf des Pharma-Konzerns Ratiopharm steht fest. Weitere Bausteine des Imperiums, darunter der Baukonzern HeidelbergCement und der Pharmahändler Phoenix könnten nun verkauft werden.

© dpa
ratiopharm in Ulm
Das Kernstück dieses Imperium war der Generika-Herstellers Ratiopharm, der Merckle zu 100 Prozent gehörte.

Nach dem beschlossenen Verkauf des Pharmakonzerns Ratiopharm ist eine Veräußerung der Merckle-Anteile am Baustoffhersteller HeidelbergCement noch nicht vom Tisch. "Das ist Teil des gesamten Sanierungskonzepts", sagte ein Sprecher von Merckles VEM Vermögensverwaltung in Ulm. Allerdings sei dies nicht Bedingung für den Erhalt des dringend benötigten Überbrückungskredits gewesen.

Zuvor hatten sich die rund 30 Gläubigerbanken mit der Merckle-Gruppe auf den Ratiopharm-Verkauf und damit auf eine Zerschlagung des Firmengeflechts geeinigt. Mehrere Banken stellten der Merckle-Gruppe einen dringend benötigten Überbrückungskredit bereit, der sich auf rund 400 Millionen Euro beläuft. Mit dem Geld kann VEM einen kurzfristigen Liquiditätsengpass abwenden und gewinnt somit Zeit bei Sanierung und Umschuldung.

Dadurch wurden die finanziell ins Wanken geratenen Unternehmen, die zusammen rund 100.000 Menschen beschäftigen, zwei Tage nach dem Selbstmord des Gründers Adolf Merckle (74) gerettet. Außerdem muss Merckles Sohn Ludwig als Geschäftsführer von VEM seinen Hut nehmen.

Zur Merckle-Gruppe gehören neben Ratiopharm und HeidelbergCement der Pharmagroßhändler Phoenix sowie rund 100 weitere Unternehmen. Der Generika-Hersteller Ratiopharm soll wegen des derzeit ungünstigen Marktumfeldes jedoch nicht schon 2009 veräußert werden.

Als Käufer käme etwa ein Pharmaproduzent aus dem Ausland in Betracht, der sich im deutschen Markt verstärken will, hieß es im Umfeld der Firmengruppe laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa.

Über zusätzliche Veräußerungen sei aber noch nicht entschieden, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. "Das ist Verhandlungssache", zitierte Reuters einen namentlich nicht genannten Banker. Zunächst soll in den nächsten Monaten ein Sanierungsgutachten erstellt werden, das unter anderem den Wert der Beteiligungen ermittele.

Möglich sei, dass mit einem Verkauf von Ratiopharm bereits genügend Mittel bereitstünden, so dass weitere Verkäufe nicht mehr nötig seien, habe ein Insider berichtet.

Die britische Tageszeitung "Times" berichtete dagegen in ihrer Online-Ausgabe, dass sich die Familie des verstorbenen Pharma-Unternehmers Adolf Merckle auf Druck der Banken auch von dem Pharmahändler Phoenix trennen müsse. Der Verkauf von Phoenix bis Jahresende sei eine der Kreditbedingungen der Banken.

Zu der europaweit aktiven Phoenix-Gruppe gehöre in Großbritannien auch die Apothekenkette Rowlands . Insgesamt werde die in Mannheim ansässige Phoenix-Gruppe mit sechs Milliarden Euro bewertet. Phoenix kam 2007/2008 mit rund 22.000 Beschäftigten auf einen Umsatz von etwa 22 Milliarden Euro. Die Sprecherin der Merckle-Vermögensverwaltung VEM lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Als mögliche Käufer von Ratiopharm wurden bereits die israelische Teva Pharmaceuticals, der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis, der amerikanische Generikahersteller Watson, GlaxoSmithKline und der drittgrößte japanische Pharmakonzern DaiichiSankyo gehandelt.

Den Ratiopharm-Verkauf soll ein Treuhänder organisieren. Die Gläubigerbanken und die Merckle-Gruppe müssten sich noch auf einen Treuhänder einigen, sagte der VEM-Sprecher.

Eine Benennung werde nicht vor der Bewertung des Unternehmens geschehen. Bei VEM bleibt nach dem Tod von Adolf Merckle und dem Ausscheiden von Ludwig Merckle zunächst Ratiopharm-Finanzchefin Susanne Frieß allein Geschäftsführerin.

Adolf Merckle hatte sich am Abend des 5. Januar vor einen Regionalzug geworden und sich so das Leben genommen. Zuvor hatte der Firmengründer die Einigung mit den Banken noch unterschrieben. Seiner Familie zufolge hatte er es nicht verkraftet, die Kontrolle über sein Firmenimperium zu verlieren.

Die Trauerfeier ist für den 12. Januar um 13 Uhr geplant. Dann soll es einen Gottesdienst in der Stadtkirche seines Heimatortes Blaubeuren geben, sagte der VEM-Sprecher. Die Beisetzung solle später im engsten Familienkreis stattfinden.

Die Staatsanwaltschaft gab mittlerweile die sterblichen Überreste des Unternehmers frei. Die DNA-Analyse liege vor, die Identität sei bestätigt, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Zieher.

Quelle: dpa/Reuters/oht
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