08.01.09

US-Börsen

Wal-Marts Gewinnwarnung zieht Dow ins Minus

Das wohl schwächste Weihnachtsgeschäft des US-Einzelhandels seit Jahrzehnten hat die amerikanischen Börsen unter Druck gesetzt. Die Aktienmärkte schlossen uneinheitlich. Zulegen konnten besonders Technologiewerte. Der Dow-Jones-Index fiel um 0,31 Prozent auf 8742,46 Punkte.

Eine Gewinnwarnung des Einzelhandelsriesen Wal-Mart hat am Donnerstag die US-Börsen belastet. Viele Händler fürchteten, dass den US-Bürgern die Kauflaune für lange Zeit vergangen ist und sich die Wirtschafskrise weiter zuspitzt. Auch unerwartet gute Zahlen vom Arbeitsmarkt und Einzelheiten zum milliardenschweren Konjunkturprogramm des künftigen US-Präsidenten Barack Obama halfen dem Leitindex Dow Jones nicht. Der breiter gefasste S&P-500 und die Technologiebörse Nasdaq schlossen dagegen im Plus. Nach der Vorstellung eines neuen Touch-Screen-Handys legte der Taschencomputer-Herstellers Palm einen Kurssprung hin.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 0,3 Prozent auf 8742 Punkte. Dabei pendelte er zwischen 8651 und 8770 Zählern. Der S&P-500 stieg 0,3 Prozent auf 909 Zähler, die Nasdaq gewann 1,2 Prozent auf 1617 Punkte. In Frankfurt sorgte ein neues Milliardenloch bei der Commerzbank für schlechte Stimmung. Der Dax ging mit einem Minus von 1,2 Prozent bei 4879 Punkten aus dem Handel.

In New York verloren die Aktien von Wal-Mart 7,5 Prozent. Der Branchenprimus gab nach enttäuschenden Umsätzen über Weihnachten eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal aus. "Wenn Wal-Mart die Sache nicht gebacken bekommt, ist es für jeden schwierig durchzukommen", sagte Händler Tom Schrader. Bisher hatten Analysten darauf gesetzt, dass die Billigkette die Konsumflaute besser als seine Rivalen überstehen könne.

Die gesamte Einzelhandelsbranche bekam zu spüren, dass die klammen US-Bürger ihr Geld wegen der Wirtschaftskrise zu Weihnachten zusammenhielten. Von den 22 Einzelhändlern, die am Donnerstag ihre Umsatzzahlen für Dezember vorlegten, verfehlte knapp die Hälfte die Markterwartungen. Auch Abercrombie & Fitch gab eine Gewinnwarnung aus, seine Aktie verlor 3,5 Prozent. Ein Lichtblick in der Branche war Sears Holdings, dessen Papiere nach überraschend guten Zahlen 23,3 Prozent in die Höhe schossen.

Im Blickpunkt standen auch die Anteilscheine von Boeing. Die Bestellungen bei dem Flugzeugbauer sind im vergangenen Jahr um über die Hälfte eingebrochen. Damit zieht der europäische Rivale Airbus nach zwei Jahren wieder an seinem amerikanischen Konkurrenten vorbei. Die Boeing-Titel schlossen nach anfänglichen Verlusten aber nahezu unverändert.

Insgesamt seien die Märkte hin- und hergerissen zwischen den Konjunkturmaßnahmen der neuen Regierung und dem schrecklichen wirtschaftlichen Ausblick, sagte Frank Lesh von FuturePath Trading LLC. "Erwartet wird derzeit das Schlimmste. Vielleicht kommt es aber auch nicht so schlimm". Obama rief den Kongress auf, "Tag und Nacht" an dem Konjunkturpaket zu arbeiten. Drastische Maßnahmen seien nötig, um das Land aus der Rezession zu kriegen. Unter anderem will Obama Mittelschicht-Familien Steuererleichterungen in Höhe von 1000 Dollar gewähren. Eine Gesamtsumme seines Pakets nannte er jedoch nicht.

Gute Nachrichten gab es überraschend vom Arbeitsmarkt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren in der Woche zum 3. Januar unerwartet stark gesunken. Nach Angaben des Arbeitsministeriums lagen sie bei 467.000. Allerdings warf bereits der Arbeitsmarktbericht am Freitag seine Schatten voraus. Der Markt geht Reuters-Umfragen zufolge von einem Verlust von 550.000 Stellen im Dezember aus.

Einen kräftigen Kurssprung legten die Aktien von Palm hin, die sich um 34,9 Prozent verteuerten. Der Taschencomputer-Hersteller stellte auf der Messe Consumer Electronics in Las Vegas sein ein neues Toch-Screen-Handy vor, mit dem er verlorene Marktanteile von Konkurrenten wie Nokia und Apple zurückgewinnen will. Auch die Papiere der Vortagesverlierer Alcoa und Microsoft gewannen. Viele Anleger nutzten die billigen Kurse und stiegen wieder ein. Alcoa-Papiere verteuerten sich um 4,3 Prozent, die von Microsoft um 3,1 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,2 Milliarden Aktien den Besitzer. 1914 Werte legten zu, 1177 gaben nach und 74 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,99 Milliarden Aktien 1666 im Plus, 1047 im Minus und 123 unverändert. An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um rund 17/32 auf 111-13/32. Sie rentierten mit 2,440 Prozent. Die 30-jährigen Bonds gewannen 10/32 auf 128-17/32 und hatten eine Rendite von 3,027 Prozent.

Quelle: Reuters/gr
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