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06.01.09

Kampf gegen Korruption

Theo Waigel – der Saubermann von Siemens

Nach dem beispiellosen Schmiergeldskandal bei Siemens hat das Münchener Unternehmen der Korruption den Kampf angesagt. Der ehemalige deutsche Finanzminister Theo Waigel ist von der US-Börsenaufsicht zum Korruptionsaufseher bei dem Elektronikkonzern ernannt worden. Morgenpost Online stellt seinen neuen Job vor.

Theo Waigel erzählt gern Anekdoten. Über die neun Jahre, in denen er als Finanzminister durch die Welt gereist ist, als er Deutschland im Kreis der sieben mächtigsten Industrieländer der Welt vertreten hat. "Theo, when I met you first, your English was not existing, but your accent was excellent", habe US-Notenbankchef Alan Greenspan damals gescherzt.

Und der Minister mit den buschigen Augenbrauen sagte: "It is a Bavarian Accent between Franz Josef Strauß and Henry Kissinger." Diese Anekdote erzählte Waigel jetzt in Washington, als ihn zehn Vertreter der Börsenaufsicht und des Justizministeriums intensiv befragten. "Das schafft Atmosphäre", weiß Waigel. Offenbar kam er bei den Ermittlern gut an. Sie billigten seine Ernennung zum "Compliance Monitor" bei Siemens. Vier Jahre lang wird der frühere Politiker die Einhaltung der Anti-Korruptionsregeln bei dem Technologiekonzern überwachen.


Die US-Behörden machten den Posten zur Auflage für einen Vergleich im Korruptionsverfahren. Bisher wurden dafür immer Amerikaner genommen. Doch es wurde Waigel. Der Job werde ihm Spaß machen, sagte der 69-Jährige. Von 1989 bis 1998 - so lange wie kein anderer vor ihm - war der Sohn eines Maurerpoliers aus Oberschwaben Finanzminister. Viele Bekanntschaften und auch Freundschaften haben sich in der internationalen Zusammenarbeit in den USA ergeben, etwa zum früheren US-Präsidenten George Bush und seinem Nachfolger Bill Clinton. "In Übersee weiß man, wer ich bin."


Als Minister musste sich Waigel um die finanziellen Lasten der Einheit kümmern. Die Staatsverschuldung stieg an und trug dem Minister den Spitznamen "Herr der Löcher" ein.

Noch heute hält Waigel den Schuldenrekord mit 40 Milliarden Euro - nie musste der Bund mehr Kredite aufnehmen als 1996. International kämpfte er gegen den Marsch in die Staatsverschuldung.


In der Europäischen Währungsunion setzte er den Stabilitätspakt mit den strengen Maastricht-Defizitkriterien durch. Die Neuverschuldung wurde für jedes Land auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzt. Ironie des Schicksals: Nach Waigels Abgang 1998 verfehlte Deutschland das Maastricht-Klassenziel regelmäßig. Nach dem schlechten Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl 1998 zog sich Waigel vom Parteivorsitz zurück.

2002 legte er auch sein Bundestagsmandat nieder. Er wolle als Anwalt arbeiten und sich mehr um seine Familie kümmern, sagte Waigel damals, der in zweiter Ehe mit der Ski-Rennläuferin Irene Epple verheiratet ist und drei Kinder hat. Seine Unabhängigkeit will er sich auch bei Siemens erhalten. "Mit 69 Jahren begibt man sich nicht mehr in Knechtschaft."

Quelle: svb
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