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Trojaner

Neuer Computervirus Duqu bedroht Konzerne

Auf Computern in Europa ist ein "kleiner Bruder" des Computerwurms Stuxnet entdeckt worden. Der Trojaner Duqu soll gezielt bei Unternehmen und in Industrieanlagen spionieren.

«Kleiner Bruder» von Stuxnet in Europa aufgetaucht
Foto: dpa
Virus-Alarm: Europäische Computer könnten massenweise angegriffen werden

Die neue Software namens Duqu ist ein Trojaner, der gezielt Unternehmen wie Entwickler von Industrieanlagen ausspähen sollte, berichtete die IT-Sicherheitsfirma Symantec. Duqu enthalte Teile des Software-Codes des berüchtigten Computerwurms Stuxnet, mit dem wahrscheinlich das iranische Atomprogramm sabotiert wurde. Stuxnet war so komplex und perfekt, dass Experten mehrere Geheimdienste dahinter vermuten. Das im Sommer vergangenen Jahres entdeckte Programm war zwar darauf getrimmt, Zentrifugen zur Uran-Anreicherung durcheinanderzubringen. Es konnte im Prinzip aber auf jegliche Art von Industrieanlagen abgerichtet werden.

Duqu griff ersten Analysen zufolge zwar nur auf Komponenten von Stuxnet zurück. Aber: "Wer auch immer diesen Schädling programmiert hat, hatte wahrscheinlich Zugang zum Original-Quellcode von Stuxnet", urteilte die IT-Sicherheitsfirma Sophos. Vor allem die Methoden zum Herunterladen weiterer Spionage-Software wiesen Ähnlichkeiten auf. Damit sei dann zum Beispiel ein sogenannter Keylogger nachgerüstet worden, der alle Tastatur-Anschläge aufzeichnete.

Nach ersten Erkenntnissen haben sich die Angreifer bewusst nur wenige Ziele herausgepickt. "Duqu ist im Grunde der Vorbote einer zukünftigen Stuxnet-artigen Attacke", schrieben Experten von Symantec in ihrer Analyse. Der Trojaner sammle Daten von Computern und übermittle sie an seine Entwickler. Duqu sei auf Computern von sieben oder acht europäischen Unternehmen gefunden worden, die an der Entwicklung von Industrieanlagen-Software beteiligt seien, sagte ein Symantec-Analyst dem Online-Dienst CNET. Die Software sei so programmiert, dass sie sich nach 36 Tagen automatisch von den Rechnern entfernt. "Wir wissen bisher nicht, worauf genau sie es abgesehen haben." Die erste bekannte Attacke dürfte bereits auf Dezember 2010 zurückgehen, die frischeste stamme vom 17. Oktober.

Das Programm öffne dem Angreifer eine Art Hintertür im Computer, erläuterte Thorsten Urbanski vom Sicherheitssoftware-Spezialisten G Data. "Es sammelt Informationen, um danach einen gezielten Angriff zu fahren." Duqu falle Windows-Systeme ohne Einschränkung an. Die Verfallsfrist von 36 Tagen weise darauf hin, dass die Attacke nicht entdeckt werden sollte. "Das Industrieunternehmen soll ja gar nicht merken, dass es angegriffen wurde." Den Namen Duqu bekam die Software, weil sie Dateien mit dem Namensteil "ßDQ" anlegt. Im Gegensatz zu Stuxnet ist sie kein sogenannter Wurm, der sich selbst an immer mehr Rechner verbreitet, sondern wurde direkt auf die infizierten Computer aufgespielt. Möglicherweise dadurch, dass ein Mitarbeiter einen E-Mail-Anhang geöffnet habe, so Symantec. Die Software sei von einem IT-Sicherheitslabor entdeckt worden, das anonym bleiben wolle - damit man nicht auf die Namen betroffener Unternehmen schließen könne.

Die IT-Sicherheitsfirma McAfee mutmaßt, dass mit Duqu auch Firmen angegriffen worden sein könnten, die digitale Zertifikate zur Autorisierung von Websites und Software ausgeben. Mit geklauten Zertifikaten kann man sich im Netz für jemand anderen ausgeben oder gefährliche Programme legal wirken lassen.

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dpa/mim

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