Quartalszahlen
Apple wird Opfer seines eigenen Erfolges
Das neue iPhone 4S hat Apple die Quartalsbilanz verhagelt: Wegen Spekulationen über das neueste Modell schoben Fans ihre Käufe auf.
Von Thomas Heuzeroth
Die Begeisterung für das Smartphone ist ungebrochen. Diese Fans im japanischen Tokio haben sich für diesen Tag extra iPhone-Hüte gebastelt.
Knapp zwei Wochen nach dem Tod des Konzerngründers Steve Jobs zeigt Apple in seiner Bilanz erste Schwächen. Insbesondere bei der Zahl der verkauften iPhones blieb das Unternehmen hinter den Erwartungen zurück und verfehlte damit erstmals seit zehn Jahren die Gewinnprognose.
Apple hat im vergangenen Quartal zwar gut 17 Millionen Smartphones verkauft, im Vorjahresquartal waren es 14 Millionen iPhones. Allerdings erwarteten die Analysten mehr und gingen von 20 Millionen iPhones aus. Die Aktie fiel im Handelsverlauf um mehr als fünf Prozent.
Dabei scheint das Unternehmen Opfer seines eigenen Erfolgs zu werden. Denn Grund für die nicht ganz so brillanten Verkaufszahlen waren nicht die Smartphones der Konkurrenz, sondern vielmehr das eigene Nachfolgemodell für das iPhone 4. Denn zuletzt hatten sich die Gerüchte über ein neues iPhone 5 gehäuft, so dass Interessenten mit dem Kauf eines neuen Geräts warteten. Anfang Oktober stellte Apple dann kein iPhone 5, sondern das iPhone 4S vor, das äußerlich dem Vorgänger gleicht , aber mit einer besseren Kamera, einem schnelleren Prozessor und einem Sprachassistenten ausgerüstet ist, der Befehle und Diktate entgegennimmt.
Apple spricht von einem "fantastischen Verkaufsstart". Innerhalb von drei Tagen habe das Unternehmen vier Millionen iPhone 4S verkauft. Dabei ist das neue Modell derzeit nur in sieben Ländern zu kaufen, bis Jahresende soll es in mehr als 70 Ländern verfügbar sein.
In den USA verkauft Apple das iPhone nun auch über den Mobilfunker Sprint, bislang war das Smartphone nur bei AT&T und Verizon zu haben. Das iPhone ist inzwischen zum größten Umsatzbringer des Konzerns geworden. Im vergangenen Quartal setzte Apple gut 28 Milliarden Dollar um, ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von fast 40 Prozent. Allein auf das iPhone entfielen davon knapp elf Milliarden Dollar.
Erbitterter Patentstreit mit Samsung
Mehr als 6,8 Milliarden Dollar setzte Apple mit seinem Tablet-Computer iPad um. Über elf Millionen dieser Geräte hat Apple im vergangenen Quartal verkauft, eine Steigerung um 166 Prozent. Im Vorjahresquartal waren es nur 4,19 Millionen iPads.
Allerdings hatte das Unternehmen in der Zwischenzeit auch eine neue Gerätegeneration eingeführt, die dünner ist und über zwei Kameras verfügt. Cook gab sich siegessicher: Keiner von Apples Rivalen habe mit seinen Tablets Fuß gefasst. Daran hat Apple allerdings auch abgesehen von seinem iPad eine gewisse Mitschuld.
Vor allem gegen das Galaxy Tab 10.1 von Samsung ist der iPad-Hersteller gerichtlich vorgegangen und hat Samsung in mehreren Ländern verklagt, Patente und Geschmacksmuster verletzt zu haben. So darf Samsung sein Tablet, das als der ernsteste Konkurrent zum iPad gilt, beispielsweise nicht in Deutschland und Australien verkaufen.
Im Gegenzug geht Samsung gegen Apple wegen vermeintlicher Patentverletzungen beim neuen iPhone 4S vor . Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Klagen, die sich größtenteils zwischen Apple und Handy-Herstellern abspielt, die das Google-Betriebssystem Android einsetzen.
Dass Apple bei diesen Konflikten die Luft ausgeht, ist unwahrscheinlich. Der Konzern sitzt auf Bargeldreserven von mehr als 80 Milliarden Dollar. Im nun abgelaufenen Geschäftsjahr setzte der Konzern 108 Milliarden Dollar um. Bislang schreckte Apple vor größeren Käufen zurück und übernahm eher kleinere Unternehmen. So kaufte Apple im vergangenen Jahr die Firma Siri, deren Spracherkennungstechnologie sich nun im neuen iPhone 4S wiederfindet.
Im vergangenen Quartal stieg der Gewinn noch einmal um 54 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. Zum ersten Mal präsentierte Tim Cook als CEO die Apple-Bilanz. Steve Jobs hatte den Chefposten bereits vor seinem Tod an Tim Cook übergeben. Jobs ist 2003 an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und bekam 2009 eine neue Niere transplantiert. Der Apple-Gründer hatte sich wegen seiner Krankheit mehrere Auszeiten genommen. Einen Tag nach der Präsentation des neuen iPhone 4S erlag Jobs seiner Krankheit.
In einer Telefonkonferenz bedankte sich Cook für die Anteilnahme der Öffentlichkeit. Die Welt habe einen Visionär, ein kreatives Genie und einen erstaunlichen Menschen verloren. "Sein Geist wird für immer das Fundament von Apple sein", sagte Cook. Wegen einer Gedenkfeier schlossen die Apple Stores für mehrere Stunden, damit die Angestellten eine Übertragung der Gedenkfeier aus der kalifornischen Konzernzentrale in Cupertino verfolgen konnten.
Rückgang des Aktienkurses bleibt aus
Tatsächlich fragen sich Beobachter, ob Apple ohne Steve Jobs weiterhin in der Lage ist, Produkte zu entwickeln, die ganze Industrien revolutionieren können. Apple ist dies mit seinem Musikplayer iPod, seinem iPhone und zuletzt dem iPad gelungen. Zumindest die Finanzmärkte scheinen dem Konzern zuzutrauen, auch künftig den Geschmack der Verbraucher zu treffen. Nach dem Tod von Steve Jobs ist der erwartete Rückgang des Aktienkurses ausgeblieben.
Zwar macht Apple mehr als die Hälfte seines Umsatzes inzwischen mit iPhones und iPads, doch scheint der Erfolg dieser Produkte auch auf die Apple-Computer abzustrahlen. Auch bei den Macs legte Apple um 27 Prozent zu und verkaufte im Quartal knapp fünf Millionen Geräte. Damit wächst Apple in dieser Sparte sechs Mal schneller als der Markt.
Erneut geriet das Geschäft mit den iPods unter Druck. 6,6 Millionen Geräte verkaufte Apple davon. Vor einem Jahr waren es in diesem Zeitraum noch mehr als neun Millionen. Den größten Anteil an den Verkäufen hat der iPod Touch, der ähnlich aussieht wie das iPhone, allerdings nicht über die Telefonfunktionen verfügt.
Der iPod Touch kann die meisten Anwendungen ausführen, die im AppStore von Apple zu laden sind. 500.000 Anwendungen umfasst der AppStore bereits, bis heute wurden mehr als 18 Milliarden Downloads gezählt.
Der Umsatz im iTunes-Store wuchs im vergangenen Quartal um 35 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar. Das Softwaregeschäft legte um zehn Prozent auf 729 Millionen Dollar zu. Im Juli hatte Apple das neue Betriebssystem OS X Lion für die Apple-Computer eingeführt, das bislang rund sechs Millionen Mal verkauft wurde.
Im Auslandsgeschäft von Apple kommt es zu größeren Verschiebungen. So legte zuletzt das Geschäft in Asien um fast 140 Prozent zu. China ist mittlerweile Apples zweitgrößter Markt weltweit, Cook sprach von einem "fantastischen Wachstum". Apple sehe dort "enorme Chancen".
Das Unternehmen werde in China den Vertrieb ausbauen und stärker für sich werben. Apple-Gründer Jobs hatte trotz der hohen Geldreserven in der Vergangenheit auf eine Dividendenausschüttung verzichtet. Ob dies auch in Zukunft so bleibt, ließ der neue Chef offen. Man tue, was richtig für Apple sei, sagte Cook. "Ich bin aber nicht religiös eingestellt."
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