Digitalisierung
Analoges Satelliten-TV wird 2012 abgeschaltet
Analog geht über Satellit bald gar nichts mehr: Im April 2012 wird das analoge Sat-Fersehen abgeschaltet. Das wurde zwar schon 2009 beschlossen, doch in vielen Haushalten ist noch alles beim Alten. Die Fachhändler reiben sich die Hände, denn ihre Technik wird dringend gebraucht.
3D-Fernseher ohne Brille Dreidimensionale Filme sind ein beeindruckendes Erlebnis – wenn nur die 3D-Brille nicht wäre. Ohne Brille klappt die räumliche Wiedergabe bislang nur auf kleinen Bildschirmen und mit etwas pixeliger Optik, etwa auf der kommenden Taschen-Spielekonsole Nintendo 3DS, auf Fotoapparaten (Polaroid), Camcordern (JVC, Sony) und digitalen Bilderrahmen (Kodak). Prognose: 3D mit Brille wird im kommenden Jahr zur Normalausstattung besserer Groß-Fernseher gehören. Die ersten Modelle ohne Brille werden 2012 drei- bis fünfmal so teuer sein wie vergleichbare mit Brille und weniger scharfe Bilder zeigen. Das wird sich auch vor 2015 nicht ändern.
Das Ende ist absehbar. Am 30. April 2012 wird der analoge Satellitenempfang in Deutschland abgeschaltet. Bis dahin müssen noch viele Bundesbürger ihre Technik im Wohnzimmer umstellen. Laut dem am Dienstag auf der Elektronikmesse IFA vorgestellten Digitalisierungsbericht der Medienanstalten beziehen derzeit noch etwa 2,3 Millionen Haushalte in Deutschland analoges Sat-TV.
Wenn der Großteil der Betroffenen erst auf den letzten Drücker in die Geschäfte gehe, um sich digitale Receiver oder neue Fernseher zu kaufen, könne das "ein logistisches Problem werden", sagte der ARD-Koordinator für digitales Fernsehen, Michael Albrecht, in Berlin.
Um von analog auf digital zu wechseln, ist häufig nur der Austausch des Receivers nötig. Bisweilen muss auch der sogenannte LNB ("Low Noise Block Converter") an der Satellitenschüssel ausgetauscht werden. Wer die neue Technik scheut, kann gegebenenfalls auch auf Kabelfernsehen oder DVB-T umsteigen.
Das Abschalten des analogen Satellitensignals hat aus Sicht von ARD-Koordinator Albrecht mehrere Gewinner – zum einen die Fernsehgeräteindustrie wegen steigender Nachfrage nach neuer Technik und zum anderen das Fernsehpublikum selbst. Zehn öffentlich-rechtliche Programme, darunter Phoenix, der Bayerische Rundfunk und der NDR – sollen im Mai 2012 zusätzlich auch in HD ausgestrahlt werden. Dafür sei das Abschalten der Analogübertragung eine Voraussetzung gewesen, sagt Albrecht. "Die freiwerdenden Kapazitäten fließen in die Verbreitung der HD-TV-Programme ein, wenn auch nicht eins zu eins."
Klaus Hofmann vom Projektbüro Klardigital, einer Initiative der Landesmedienanstalten und Sender, hält das Analog-Aus über Satellit für eine Art "Wirtschaftsförderungsprogramm". Nicht nur die Industrie und der Einzelhandel, sondern auch Handwerker würden davon profitieren, wenn sie Aufträge zur Installation neuer Empfangstechnik bekommen.
Den recht hohen Anteil an Analog-Sat-Nutzern, die noch immer nicht umgesattelt haben, erklärt Hofmann mit der Macht der Gewohnheit. Viele würden wohl noch warten, weil knapp acht Monate für sie eine relativ lange Zeit sei.
Die Elektronikbranche frohlockt über den erwarteten Run auf die Elektronikläden. "Das ist ein positiver Schub, der in den nächsten Monaten auf Industrie und Handel zukommt", sagt der Vizepräsident des Branchenverbandes ZVEI, Hans-Joachim Kamp. In den etwa 2,3 Millionen betroffenen Haushalten stünden vier bis fünf Millionen Fernseher.
Vermutlich würden im nächsten Jahr etwa drei Millionen digitale Receiver verkauft werden. Die Preisspanne für die meisten Receiver liegt "bei zirka 50 bis 150 Euro. Viele TV-Konsumenten würden das Datum zum Anlass nehmen, ihre alten Röhrenfernseher in die Ecke zu stellen und neue Flachbildfernseher zu kaufen, die HD-TV oder Internet-Fernsehen ermöglichen, sagt Kamp. Wegen des Analog-Abschaltens würden bis zu 700.000 neue Fernseher verkauft werden. Das werde der Branche "viele hundert Millionen Euro" in die Kassen spülen.
Besorgt zeigt sich Kamp über die Wissenslücken bei dem Thema. Laut einer Umfrage hätte ein Drittel der befragten Sat-Nutzer nichts von dem Abschalten am 30. April 2012 gewusst. Er appellierte an die Verbraucher, möglichst bald die benötigte Technik zu kaufen. Wenn es zu viele Last-Minute-Käufer gibt, könne das die Situation im Fachhandel und Handwerk strapazieren. "Wir haben jetzt noch etwa 200 Arbeitstage bis zum Abschalten, das heißt, dass pro Tag cirka 12.000 Haushalte umgerüstet werden müssen."
Kritisch sieht er die Situation in Krankenhäusern, Hotels und Altenheimen, wo besonders aufwendige Empfangstechnik ausgetauscht werden muss. Dort sollte möglichst schnell umgerüstet werden.
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