Mobbing-Portal
Isharegossip-Hacker melden sich angeblich zu Wort
Das Rätselraten um den vermeintlichen Hacker-Angriff auf das Lästerportal Isharegossip geht weiter. Während die Betreiber der Website ihre User über die Herausgabe von Daten abstimmen lassen, meldeten sich nun angeblich die Hacker mit einer E-Mail.
Mehr als eine Woche nachdem Unbekannte die Mobbing-Website Isharegossip gekapert haben, stehen die Betreiber des Lästerportals nun vor einer Entscheidung. "Wie soll es enden?", schreiben die ebenfalls unbekannten Administratoren auf der Ausweichseite Isharegossip.net. Statt selbst tätig zu werden und sich der Polizei zu stellen, fordern sie die Besucher der Seite auf, über das weitere Vorgehen zu entscheiden.
"Leider können wir nicht ausschließen, dass die Hacker Gruppe 23timesPi unsere Personendaten ermitteln konnte", heißt es. Daher stünde man jetzt vor einer Entscheidung: "Auf Nummer sicher gehen und sich der Polizei stellen und damit vielleicht straffrei davon kommen (ein solches Angebot liegt uns seit längerem vor) oder die Veröffentlichung unserer Personendaten in Kauf nehmen." Das endgültige Aus der Seite scheint damit bestätigt.
Unter der Nachricht sind zwei Schaltflächen zu sehen: Mit einem Klick auf die obere votiert der User für die freiwillige Veröffentlichung der Betreiberdaten. Wer die untere Schaltfläche anklickt, stimmt dafür, dass sich die Betreiber der Lästerseite nicht freiwillig stellen. Nutzer können alle zwanzig Minuten ihre Stimme abgegeben. Wann die Abstimmung endet, ist nicht bekannt.
Hacker-Ultimatum ist abgelaufen
Die indizierte Seite war seitdem nicht mehr zu erreichen. Die anonymen Täter mit der Bezeichnung "23timesPi" forderten Administratoren, Organisatoren und Moderatoren auf der gehackten Startseite auf, sich innerhalb einer Woche bei der Polizei zu melden. Ansonsten drohten sie an, alle Daten öffentlich zu machen. Mails, Zugangsdaten und Namen seien bekannt. Das Ultimatum der Hacker wäre demnach bereits abgelaufen
Weiter heiß es von Seiten der Datendiebe: "Dann können sich die Opfer gleich persönlich bedanken kommen." Überschrieben war die Seite mit dem Gruß "Hacks And Kisses". Darunter standen außerdem vier Verszeilen:
"Vernimm derweil, Geschöpf der Nacht,
die Mär von Zeiten unter Lichte.
Denn wer allein im Dunklen wacht,
dem scheint wohl fremd, was ich berichte."
Die Betreiber von Isharegossip.com hatten zunächst vermeldet, die Nutzerdaten seien sicher: "User haben definitiv nichts zu befürchten, da wir keine IP-Adressen speichern." Über die IP-Adresse besteht die Möglichkeit, Internetnutzer über den Anbieter zu identifizieren.
Auf der Internet-Plattform Isharegossip können Nutzer anonym Schüler und Lehrer beschimpfen. Die Behörden ermitteln gegen den Betreiber unter anderem wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung. Im März war das Portal als jugendgefährdend auf den Index gesetzt worden.
Alles nur ein PR-Gag?
In diversen Foren im Internet wird derweil spekuliert, ob es sich bei der Hacker-Attacke nicht auch um eine gut gezielte PR-Kampagne handeln könnte. Die Kaperaktion könnte ein Versuch sein, die indizierte Seite in der Öffentlichkeit wieder bekannter werden zu lassen. Ebenfalls interessant erscheint die Vermarktung der Ausweichseite - auf ihr ist noch immer Werbung geschaltet, welche durch die Abstimmung jede Menge Klicks und damit Geld generieren könnte.
Medienberichte vermelden unterdessen, das Ultimatum an die Betreiber von isharegossip.com sei ein Bluff gewesen. Wie der Medieinformationsdienst heise online berichtet, hätten die Hacker dies in einer E-Mail eingeräumt. Die Gruppe 23timesPi habe keine persönlichen Daten speichern können. Die Betreiber der Mobbing-Website sollten lediglich durch die leere Drohung eingeschüchtert werden.
Die mutmaßlichen Hacker hätten die angedrohte "Lynchjustiz" auf keinen Fall verantworten können. Die Gruppe erklärte in der E-Mail auch, warum sie die Domain der Website gekapert hätten: "Durch das Domain-Hijacking konnten wir aber eine ganze Woche lang Verleumdung und Lästereien unterbinden, was die Aktion in unseren Augen auf jeden Fall wert war", zitiert heise online die Unbekannten.
Fahndung nach Betreibern ohne Erfolg
Die laut Impressum im lettischen Riga angemeldete Seite Isharegossip.com steht im Visier der Justizbehörden in Frankfurt am Main. Bislang lief die Fahndung nach dem Betreiber aber vergeblich. Ein in Lübeck festgenommener Hochstapler führte Ende Mai Zielfahnder der Polizei bei deren Suche nach den Verantwortlichen in die Irre. Es stellte sich heraus, dass der 25-Jährige lediglich ein "Trittbrettfahrer" war.
Hintergrund der Indizierung sind Hetzbeiträge auf dem Portal, die in Berlin zu brutalen Schlägereien unter Jugendlichen geführt hatten. Er stellte die Verantwortlichen zur Rede – und wurde kurz darauf von 20 Jugendlichen bewusstlos geschlagen.
Wegen Androhung von Amokläufen auf der Internetseite mussten auch mehrfach Berliner Schulen geschlossen werden. In Oldenburg demonstrierten Ende Mai rund 3.000 Schüler gegen Mobbing im Internet.
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