Receiver
So holen Sie aus dem Heimkino das Meiste heraus
Ob die neusten Tonformate von Blu-ray-Discs oder hochaufgelöstem Fernsehen – AV-Receiver liefern 7.1-Surround-Sound direkt ins Wohnzimmer. Die Geräte bieten zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Es können sogar zwei Räume gleichzeitig beschallt werden. Dieser Ratgeber stellt fünf solche Geräte vor.
Von Jan Fleischmann
Spiel’s noch einmal Sam, so könnte demnächst Ihr Motto lauten. Denn mit diesen AV-Receivern macht Heimkinoton erst richtig Spaß.
Was bringt Heimkinoton?
Bereits zweikanaliges Stereo vermittelt einen räumlichen Klangeindruck. Doch gerade Kinofilme fesseln den Zuschauer besonders, wenn er sich akustisch inmitten des Geschehens wähnt. Und die Tiefbass-Effekte von "Surround- Sound" bringen den richtigen Schwung in den heimischen Kinoabend.
Wann ist eine Komplettanlage, wann ein AV-Receiver besser?
Bei Komplettanlagen gibt’s DVD- oder Blu-ray-Player, Verstärker und Lautsprecher in einem Paket. Die Geräte lassen sich leichter aufstellen, da Sie nur die Boxen anschließen müssen. Und sie sind kostengünstiger als getrennt gekaufte Receiver, Blu-ray-Player und Lautsprecher-Sets. AV-Receiver liefern im Verbund mit den entsprechenden Lautsprechern eine überlegene Tonqualität. Mit ihren vielen Anschlüssen sind sie außerdem für Besitzer vieler Geräte (CD-Player, Blu-ray-Player, Satelliten-Empfänger) die bessere Wahl.
Wie spielen AV-Receiver Stereoton?
Mit AV-Receivern können Sie auch Stereomusik über fünf oder mehr Lautsprecher abspielen. Das ist jedoch Geschmacksache, denn dieser Raumklang wird von Verfahren wie Dolby Pro Logic II oder DTS Neo:6 erst nachträglich erzeugt. AV-Receiver spielen Stereo-CDs originalgetreu ab, wenn Sie die Einstellungen "Stereo", "Direct" oder "Pure Direct" verwenden. Bei "Direct" und "Pure Direct" wird die Klangregelung und – bei analogem Anschluss – die Digitalsektion umgangen. Das soll eine unverfälschte Wiedergabe garantieren.
Wie viele Lautsprecher brauche ich?
Fünf Lautsprecher und – je nach deren Größe – eine Tiefbass-Box (Subwoofer) reichen für den Anfang. Drei Lautsprecher platzieren Sie vorn: zwei wie bei Stereo links und rechts, einen sogenannten Center-Lautsprecher ober-oder unterhalb des Fernsehers. Die beiden Surround-Lautsprecher stellen Sie seitlich der Hörposition oder etwas hinter auf, in etwa 1,50 Meter Höhe. Die 5.1-Aufstellung können Sie mit zwei hinteren Lautsprechern (Back- Surround) auf 7.1-Lautsprecher erweitern. Das ermöglicht präzisere Raumeffekte hinter Ihrem Rücken.
Was kostet ein 5.1-Lautsprecherset?
Einen natürlichen Klang liefert der "Magnat Monitor Supreme" (ab 430 Euro). Wer höhere Ansprüche stellt, bekommt für 1200 Euro die schicke "Teufel Motiv 10" mit einem satten Sound.
Ist ein Tiefbass-Lautsprecher Pflicht?
Nein. Doch wenn Sie auf einen Subwoofer verzichten, sollten wenigstens die beiden vorderen Lautsprecher links und rechts für eine druckvolle Basswiedergabe sorgen. Für Heimkinoeffekte liefert ein Subwoofer besonders viel Wucht. Bei der Musikwiedergabe klingen Standlautsprecher oft ohne Subwoofer kräftig genug – aber auch das ist Geschmacksache.
Wie kompliziert sind die Geräte?
AV-Receiver bieten zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Schon die Wahl des gewünschten Eingangs und des passenden Hörmodus kann knifflig sein. Beinahe alle Modelle erleichtern die Einstellungen durch Bildschirmmenüs. Die Receiver von Onkyo und Pioneer haben grafische Menüs, die von Denon und Yamaha simple Schriftgrafiken. Nur der "Sony STR-DH800" hat gar kein Bildschirmmenü. Hier müssen Sie alle Einstellungen auf dem Anzeigefeld kontrollieren. Das erschwert beispielsweise die Zuordnung einer Eingangsbuchse (optisch oder koaxial) zu einer Quelle (Sat-Receiver, DVD-Player).
Welche Grundeinstellungen sind nötig?
Alle AV-Receiver bieten eine automatische Einmessung per beiliegendem Mikrofon. Sie platzieren das Mikro an der Hörposition in Ohrhöhe und starten die Funktion. Mittels impulsartiger Testtöne erkennen die Receiver automatisch die Anzahl und die Größe der angeschlossenen Boxen und stellen die Lautstärkeverhältnisse korrekt ein. Weitere Verfahren (etwa Audyssey bei Denon und Onkyo, MCACC bei Pioneer oder YPAO bei Yamaha) versuchen, die Wiedergabe an die Raumakustik anzupassen. Wenn Ihnen das Klangergebnis nicht gefällt, schalten Sie diese Anpassungen im Menü einfach ab.
Was tun bei Zeitversatz von Bild und Ton am TV?
Flachbildschirme spielen Bild und Ton oft zeitversetzt ab. Bis auf den "Sony STR-DH800" können das alle Kandidaten per "Auto-Lipsync" ausgleichen: Dabei liefert der Fernseher über HDMI dem AV-Receiver die Länge der Verzögerung; der AVReceiver gleicht den Versatz automatisch aus. Zusätzlich lässt sich der Ton bei allen Receivern von Hand im Bildschirmmenü verzögern. Pfiffig: Beim Denon lässt sich dabei das Menü ausblenden, Sie sehen also gleichzeitig das Bild. Die passende Zeit finden Sie in den Ergebnissen unserer Fernseher-Tests.
Spielen die Receiver alle aktuellen Tonformate?
Alle Test-Receiver spielen die Tonformate Dolby True HD und DTS HD Master Audio ab und sind damit fit für Blu-ray und HDTV (Infos dazu stehen unten auf Seite 46). Wollen Sie diese Tonformate hören, wählen Sie am Blu-ray-Player "Bitstream" als Ausgabeformat des HDMI-Ausgangs. Sie hören dann aber keinen Ton von einblendbaren Kommentaren (vom Regisseur oder "Making Of"). Das klappt nur, wenn der Blu-ray-Player den Ton als PCM zuliefert.
Das akzeptieren alle AV-Receiver per HDMI-Kabel mit unveränderter Tonqualität. Tipp: Dolby True HD ist ein 7.1- Tonformat. Der "Denon AVR-1910" gibt es nur wieder, wenn sieben Lautsprecher angeschlossen sind. Betreiben Sie nur fünf Boxen, müssen Sie am Player PCM als HDMIAusgabeformat einstellen. Die übrigen Receiver spielten Dolby True HD auch im 5.1-Betrieb ab. Sie mischen die Back-Surround-Signale zu den Surround-Kanälen.
Beschallen die Receiver auch mehrere Räume?
Ja. Alle Receiver haben Anschlüsse für ein zweites Paar Stereoboxen, sofern Sie im Wohnzimmer nur fünf Lautsprecher anstöpseln. Die Receiver von Denon, Onkyo, Pioneer und Yamaha können zudem einen Nebenraum mit der Musik eines angeschlossenen CDSpielers beschallen, während ein Blu-ray-Player mit sattem Kinoton das Wohnzimmer zum Vibrieren bringt. Bei dem " STR-DH800" von Sony klappte das ab Werk nicht. Das Modell lässt sich jedoch für eine drahtlose Surround- oder Nebenraumbeschallung nachrüsten: per Sony S-AIR-Empfänger (ab 199 Euro).
Wie gut ist die Tonqualität?
Im Hörtest tanzte der "Pioneer VSX- 919" aus der Reihe: Er zog die Stereowiedergabe zu sehr in die Breite. Stimmen ließen sich nicht klar in der Mitte orten. Bei Surround spielte er etwas weiträumig, aber kraftvoll. Die übrigen Kandidaten unterschieden sich klanglich nur in Nuancen: Der "Denon AVR1910" erklomm mit seinem druckvollen und präzisen Sound das oberste Treppchen, der "Sony STR-DH800" folgte mit etwas dunklerem Klang und Platz drei belegte der präzise, aber etwas kühle "Yamaha RX-V765".
Fazit: Der "Yamaha RX-V765" überzeugte mit kraftvoller Stereo-Wiedergabe und guter Ausstattung: Vier HDMI-Eingänge, Phono-Anschluss, unabhängige Mehrraum- Beschallung – was will man mehr? Etwas weniger Ausstattung, dafür aber den besten Klang im Test bietet der "Denon AVR-1910".
Mehr zum Thema finden Sie in der aktuellen "Audio Video Foto Bild", Ausgabe 10/09.
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